Trotz sinkender Schülerzahlen steht Ministerin zur Hauptschule
05.01.2010 | 06:28 Uhr 2010-01-05T06:28:00+0100
Essen. Rapide sinkende Anmeldezahlen erhöhen den Druck auf die umstrittene Schulform Hauptschule. Besonders im Ruhrgebiet ist der Schülerschwund unübersehbar. Schulministerin Barbara Sommer hält jedoch an Hauptschulen fest: "Sie sind und bleiben eine stabile Säule des gegliederten Schulsystems."
Sieben Prozent weniger Hauptschüler im Land – das stetig wachsende Minus überrascht die Bildungsexperten des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) nicht. „Die neuen Zahlen bestätigen unsere Prognosen der letzten Jahre”, sagt Ernst Rösner, der beim IFS die Situation dieser Schulform seit Jahren analysiert.
Den verstärkten Rückgang der Hauptschüler in diesem Schuljahr führt Rösner auf zwei Faktoren zurück: „Zum einen gehörten die Abschlussklassen 9 und 10 noch zu den geburtenstarken Jahrgängen, es haben also weit mehr Jugendliche die Schulen verlassen, als aus den Grundschulen nachgerückt sind. Zum anderen sinkt die Akzeptanz dieses Bildungsgangs weiter”, ist sein Eindruck. „Wenn Eltern die Wahl haben zwischen einer guten Hauptschule mit kleinen Klassen plus Ganztagsunterricht und einer Realschule im Halbtagsbetrieb – dann wird sich vielleicht ein Prozent der Eltern für die Hauptschule entscheiden.” Zudem sei aus der Statistik leider nicht erkennbar, wie viele Kinder in die fünften Klassen gewechselt sind. „Aber nur diese Zahl sagt etwas darüber aus, welche Zukunft eine Schule hat.”
Schülerschwund im Ruhrgebiet
Tatsächlich ist der Schülerschwund im Ruhrgebiet teils deutlich stärker als im Landesdurchschnitt. So sank die Zahl der Hauptschüler in Duisburg gegenüber 2008 um 9,7 Prozent, im Ennepe-Ruhr-Kreis um 9,6 Prozent. Zweistellig sind die Verlustraten in Essen (- 11,2), Mülheim (-11,6) und Oberhausen (-14,5 Prozent). Unter dem Landesschnitt liegen Dortmund (-6,2), Herne (- 1,4), Gelsenkirchen (-2,6).
Gerade auf dem Land, weiß Rösner, wünschen sich selbst CDU-Räte attraktive Alternativen zur Hauptschule; die ist in 44 Gemeinden bereits die einzige weiterführende Schule. „Die Politiker suchen deshalb händeringend nach Möglichkeiten, den Kindern und Eltern am Ort gymnasiale Standards zu bieten.” Zurzeit erlaubt die Landesregierung in Einzelfällen, Haupt- und Realschulen zu Verbundschulen zusammenzuschließen. Doch selbst der Regierungspartner FDP propagiert für NRW inzwischen die „regionale Mittelschule”, über deren Einrichtung jede Kommune selbst entscheiden soll. Schulministerin Barbara Sommer (CDU) aber bleibt standhaft bei der alten CDU-Linie: „Kommunen mit nur einer Hauptschule können diese auch einzügig führen”, lautete ihre Reaktion auf die neuen Zahlen. Und: „Die Hauptschulen sind und bleiben eine stabile Säule des gegliederten Schulsystems.”
Für Rösner steht dennoch fest: „Ganz gleich, wer nach der Landtagswahl im Mai regiert – es wird eine neue Schulpolitik geben. Die Kommunen wollen etwas anderes.”
Kostenlose Kitas
Vor einer allzu zügigen flächendeckenden Einführung neuer Schulformen warnt allerdings Professor Wilfried Bos, der Direktor des IFS.
Es reiche nicht, zwei Schulformen einfach miteinander zu verknüpfen. „Ohne vernünftige Konzepte, ohne eine gute Qualifizierung der Lehrkräfte, die ja ganz andere Schüler als bisher unterrichten müssten, würde sich an den bekannten Problemen nichts ändern.”
Ein wichtiger Schritt wäre aus seiner Sicht, Kindergärten und Kitas kostenfrei anzubieten. Das aber sei weder möglich noch nötig, sagt Barbara Löcherbach, Sprecherin des Familienministeriums. „91 Prozent der deutschen und 88 Prozent der Migrantenkinder besuchen schon heute eine Kita – damit steht NRW bundesweit in der Spitzengruppe.”
07:29
Wichtig ist, daß die Hauptschüler nach 10 Jahren
einen Antrag auf ALG2 stellen können.
Mehr braucht man nicht um zu überleben.
20:32
Warum sind denn eigentlich heute so viele Schüler mit 16 Jahren nach 10 Jahren Schule mit Klassenstärken von 25 bis 30 Schülern noch nicht ausbildungsfähig - egal aus welcher Schulform sie kommen?
Warum war es möglich, dass vor der Bildungsreform in den 60er Jahren ein Jugendlicher mit 15 Jahren nach 9 Jahren Volksschule (größtenteils ohne vorangegangenen Kindergarten) mit Klassengrößen um die 40 Schüler problemlos eine Lehre absolvieren konnte?
Ich vermute mal, es lag nicht daran, dass die Lehrer besser, die Klassen kleiner und die Förderung individueller waren, sondern es lag wahrscheinlich eher ...
... an einer besseren schulischen Begleitung der meisten Kinder durch die Eltern
... an altersgemäßen sprachlichen Voraussetzungen zur Teilnahme am Unterricht
... an einer kindgemäßeren und vor allem aktiveren Freizeitgestaltung ohne Playstation, PC und Verdummungsfernsehen
... an sozialem und diszipliniertem Schülerverhalten, das sowohl von Eltern als auch von Lehrern als selbstverständlich angesehen wurde
... am Vorhandensein von Tugenden wie Pünktlichkeit, Fleiß und Zuverlässigkeit.
Sie sollten mal einige Stunden in einer normalen Gesamtschulklasse Sek I hospitieren, so wie ich es in letzter Zeit regelmäßig getan habe. Sie wären überrascht (entsetzt!) über die Unruhe und Lautstärke dort. Jeder macht, was und wann er es will: laut reden und rufen, herumalbern, trinken, aufstehen... Erstaunlicherweise sind dort viele nette Kinder, die meisten wirken auch durchaus motiviert, aber dieses undisziplinierte Verhalten wird von den Kindern für normal gehalten! Sie verhalten sich - schlicht und einfach - wie zu Hause! Inzwischen bin ich immer weniger überrascht, dass unter solchen Bedingungen viele Kinder auf der Strecke bleiben.
19:08
@36 von Carl Martell
Wenn Sie darauf hoffen, ernstgenommen zu werden, sollten SIe vielleicht nicht unbedingt eine Internetseite wie altermedia.de als Nachweis anbringen. Eine Seite, die versucht, Hitler und co zu verharmlosen, ist ja wohl alles andere als eine glaubwürdige Quelle.
Übrigens sind auch zu meiner Schulzeit Mitschüler systematisch verprügelt worden. Das stand damals auch nicht in der Zeitung, das interessierte nicht einmal unsere Lehrer. (MIgranten gabs auf unserer Elite-Schule übrigens keine)
15:08
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14:27
@34 von Meike_Henseler
.......nicht die Hauptschüler abschaffen kann, aber man kann sie von den Gymnasiasten fern halten.
Man könnte ja auch Reservate einrichten, in denen die Unterschichtler leben, damit sie unsere Gesellschaft nicht mehr versauen. Früher ging sowas doch auch. :-)
11:04
1. Es ist ein Problem, dass eine große Zahl von Hauptschülern nicht mehr ausbildungsfähig sind. Dass sie es sind, sehen wir in den Schulen doch auch. Viele unserer Schüler gekommen doch die Chance. Sie bekommen Ausbildungsplätze, die sie in kurzer Zeit sogar selber wieder aufgeben, weil es ihnen zu anstrengend ist.
Das Problem muss viel früher angegangen werden. In der 5. Klasse ist es zu spät.
2. Es geht nicht um gesellschaftliche Schichten. Es geht um das Leistungsniveau. Auch wenn das einigen paranoiden Unterschichtlern nicht gefallen sollte.
3. Ich las in einem Beitrag davon, dass mehr Förderschulen her sollten. Das Gegenteil wird aber gemacht. Das Modell Förderschule ist zu teuer. Die Kollegen dort verdienen mehr, es sind Klassenstärken von 10-13 Schülern und dann auch noch mit 2 Lehrern. Warum soll man das bezahlen, wenn man einem doofen Hauptschullehrer bei weniger Geld doppelt so viel Kinder in die Klasse setzen kann, die der alleine unterrichtet. Wir werden an unserer Schule jetzt aktuell unter Druck gesetzt, dass wir im Kollegium abstimmen, dass GU-Schule werden werden wollen.
Das politische Ziel ist es, die Förderschulen ganz abzuschaffen.
4. Es ist richtig, dass man zwar die Hauptschule, aber nicht die Hauptschüler abschaffen kann, aber man kann sie von den Gymnasiasten fern halten.
08:13
Es können nicht alle Kinder und Jugendlichen gleich intelligent sein. Aber man muss sich doch nur die Hauptschulen ansehen. Die Schulen sind von außen schon verkommen und ich möchte nicht wissen, wie es von innen aussieht.
Ein Hauptschüler kann sich wahrscheinlich noch so anstrengen und einen guten Abschluss machen und was nützt es? Nichts. Da die Unternehmen heute ja nur noch Auszubildende mit Abitur nehmen. Das Problem ist nur, nicht jeder kann ein Abitur machen.
Was nützt einem ein Abiturient der seinen Abschluss mit 1 gemacht hat und ein Fachidiot ist aber nicht arbeiten kann weil er zweite linke Hände hat? Nichts. Aber Hauptsache man hat einen Auszubildenden mit Abitur.
Das ganze Schulsystem in Deutschland ist ein Witz. Unsere Politiker müssen doch viel über die Änderungen diskutieren. Bis die mit ihrer Diskussion fertig sind, ist alles schon längst wieder überholt.
06:19
Deutschland leistet sich ein weltweit recht seltenes Schulsystem. In den meisten Ländern wird gemeinsames Lernen erfolgreich praktiziert. Man kann sehr wohl in heterogenen Lerngruppen jeden fördern, wenn man die Schulen vernünftig mit finanziellen Mitteln ausstattet.
ich persönlich werde übrigens kein Kind auf eine deutsche Schule schicken, sondern in die hier ansässige dänische Gemeinschaftsschule, in der ca. 80% der Kinder auch die Oberstufe bis zum Ende besuchen und ihre Studienberechtigung erhalten.
die Timmsstudie hat nachgewiesen, dass Kinder in Hauptschulen keinen weiteren Leistungs/Fähigkeitszuwachs erhalten,dieser findet in der Grundschule noch statt, in der Hauptschule jedoch stagniert dies. Auch die MaxPlanck Gesellsch. hat nachgewiesen, dass in den Schulformen jenseits der Gymnasien weniger gefördert wird und Kinder erst im Nachhinein in Leistungstests schlechter abschneiden wenn sie solche Schulen besuchen - bei gleichem Ausgangsniveau.
solange nicht alle Kinder so gut gefördert werden wie Kinder in den Gymnasien ist ein mehrgliedriges Schulsystem nicht zu unterstützen. Wieso unterstellt man hier von Anfang an Minderleistung und Minderbegabung in einem Alter, indem sich derartiges nicht feststellen lässt - Kinder verändern sich und entwickeln sich weiter! Wenn man alle schwachen Kinder in einer Schule isoliert, kann keine leistungsfähige Gruppe dabei herauskommen, die motiviert ist.Im Gegenteil werden hier Kinder zutiefst demotiviert und gedemütigt.
ein mehrgliedriges Schulsystem kommt für mich nicht mehr in Frage, insbesondere als Schülerin eines Abendgymnasiums, die in einer heterogenen Lerngruppe gelernt hat auch mit ehemaligen Hauptschülern zusammen - lehne ich diese Mehrgliedrigkeit ab! Deshalb hat man hier auch die ältesten Studenten, weil die Umwege zu den Schulabschlüssen besonders umständlich und lang sind. Das kostet 1. Zeit und 2. stehen nicht mal genug Plätze zur Verfügung, so dass man auch nicht von genereller Durchlässigkeit sprechen kann. In Deutschland sind viele in ihrer sozialen Schicht geradezu festzementiert - auch das eine Folge der viel zu frühen Aufteilung.
wenigstens wird unser Bundesland zumindest die Hauptschulen abschaffen und auf den Gemeinschaftsschulen auch die Möglichkeit eröffnen die Oberstufe zu besuchen. Niemand wird dümmer, wenn er länger eine Schule besucht. Mit 15 oder 16 haben die Jugendlichen heute sowieso oftmals noch nicht die Ausbildungsreife erlangt.
05:47
Tja ich als ex Hauptschüler kann dazu nur sagen, das es neben der Schule auch intresantere Dinge zu tun gibt und daraus wahrscheinlich ein großer Teil der Motivation sich mit dem Lernstoff zu beschäftigen einfach fehlt.
Lernpsychologisch ein klarer Nachteil.
Hinzu kommt noch das die Mehrheit der Hauptschüler über einen familiären Misstand zu klagen haben und wie Nr#26 bereits richtig erwähnte selten den Anschluss finden.
Der Entschluss an den Haupschulen festzuhalten ist ein guter Entschluss sie geben sogenannten Spätzündern Zeit um aufzuwachen ohne unterzugehen und ermöglichen anderen sich eine wenigstens geringe Lebensgrundlage zu schaffen.
und um den Hochflug von Nummer #26 nocheinmal ein wenig abzudämpfen..... Wirtschaftspolitisch schlimm wäre es wohl eher, wenn die Haupschulen überfüllt wären........ aber es geht hier um SINKENDE Anmeldezahlen der Haupschulen..........
05:05
Schulsystem komplett privatisieren.
Wer will DIESEM Staat die (Aus)bildung seiner Kinder überlassen?Das hätte den nützlichen Nebeneffekt,dass Lehrer endlich nach Leistung bezahlt würden.Denn es gibt tatsächlich auch auf diesem Sektor gute und schlechte.