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Teldafax-Insolvenzverwalter will den Fiskus schröpfen

08.11.2011 | 21:33 Uhr

Köln (dapd). Bei dem zahlungsunfähigen Stromanbieter Teldafax stehen geschätzte Schulden von einer halben Milliarde Euro einem Vermögen von nur 6,9 Millionen Euro gegenüber. Deshalb soll der Fiskus zur Abwechslung einmal zahlen, so die Vorstellung von Teldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr. Er will im größten Insolvenzverfahren der deutschen Geschichte Steuerzahlungen des insolventen Unternehmens zurückfordern, um den Gläubigern einen Teil ihres Geldes zurückzahlen zu können. Im Raum stehe eine Summe von bis zu 140 Millionen Euro, sagte Bähr am Dienstag am Rande der ersten Gläubigerversammlung.

Das Hauptzollamt Köln habe bereits vier Millionen Euro zurückgezahlt. "Das ist erst der Beginn. Das wissen die auch", sagte Bähr. Der Hintergrund der Forderung: Der Fiskus hatte die Steuern kassiert, obwohl er die kritische Lage des Konzerns kennen musste. Dies könnte eine Benachteiligung der anderen Gläubiger darstellen.

Der Schuldenberg des Strom-Discounters, der im Frühsommer Insolvenz anmelden und die Versorgung seiner Kunden einstellen musste, ist allerdings wohl deutlich höher als die erhofften Zahlungen der Finanzkasse. Er halte es für nicht für unwahrscheinlich, dass sich die Schulden auf eine halbe Milliarde Euro summierten, sagte Bähr auf der Gläubigerversammlung.

Doch will Bähr auch an anderer Stelle Geld eintreiben. Weitere Mittel könnten möglicherweise durch Haftungsklagen gegen die Teldafax-Führungsspitze in die Kassen fließen. Nach Überzeugung Bährs hat sie sich der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht. Teldafax sei schon Mitte 2009 insolvenzreif gewesen, glaubt Bähr.

Mit Blick auf die Finanzmittel zur Entschädigung der Gläubiger betonte er: "Ich gehe davon aus, dass es am Ende mehr als knapp sieben Millionen Euro sein werden. Aber ob es am Ende 10, 20 oder 100 Millionen Euro sind, kann ich nicht sagen."

Der Insolvenzverwalter gab seinen ersten Rechenschaftsbericht allerdings vor fast leeren Stuhlreihen ab. Nur rund 100 der 750.000 Gläubiger des zahlungsunfähigen Billigstromanbieters fanden am Dienstag den Weg zur ersten Gläubigerversammlung in die Kölner Staatenhalle.

Das Unternehmen, das im Frühsommer Insolvenz anmelden und die Belieferung der Haushalte einstellen musste, schuldet vor allem Hunderttausenden von Kunden Geld, die ihren Strom im Voraus bezahlt hatten, dann aber nicht mehr beliefert wurden. Das Insolvenzverfahren wird nach Einschätzung Bährs mehr als sechs Jahre in Anspruch nehmen.

Den Grund für die spektakuläre Pleite sieht Bähr in dem Versuch der Teldafax-Alteigentümer, das angeschlagene Unternehmen für einen Käufer aufzuhübschen. "Alles war darauf ausgerichtet, möglichst schnell viele Kunden zu bekommen, egal ob man damit Gewinn oder Verlust macht", sagte Bähr. Denn jeder zusätzliche Kunde bedeute einen höheren Verkaufspreis.

Um dieses Ziel zu erreichen, habe das Unternehmen seinen Kunden Tarife angeboten, die vielfach deutlich unter den Einkaufspreisen lagen. Die damit verbundenen Verluste seien durch die Vorauszahlungen neuer Kunden finanziert worden. Das Schneeballsystem sei zusammengebrochen, als im Herbst 2010 durch Medienberichte die Probleme der Firma öffentlich bekannt geworden seien.

dapd

dapd



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