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Tekin B. bleibt verschwunden

10.07.2012 | 18:59 Uhr
Foto: /ddp images / dapd/dapd

Knapp sieben Wochen nach einer Großrazzia gegen die Rockerbande Hells Angels ist die Suche nach einer möglicherweise einbetonierten Leiche in einer Lagerhalle bei Kiel eingestellt worden. Somit bleibt der seit mehr als zwei Jahren vermisste Tekin B. verschwunden.

Kiel (dapd). Knapp sieben Wochen nach einer Großrazzia gegen die Rockerbande Hells Angels ist die Suche nach einer möglicherweise einbetonierten Leiche in einer Lagerhalle bei Kiel eingestellt worden. Somit bleibt der seit mehr als zwei Jahren vermisste Tekin B. verschwunden. Für die Ermittlungsbehörden stehe fest, dass sich im fraglichen Bereich weder eine Leiche noch sterbliche Überreste befinden, teilte die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Dienstag mit. Damit sei eine bedeutsame Spur im Ermittlungsverfahren abgearbeitet. Auch seien die Verdachtsmomente ausgeräumt.

Die Ermittler hatten die Leiche von Tekin B. im Fundament der einstigen Lagerhalle der Rockerbande vermutet. Der Mann ist seit dem 30. April 2010 verschwunden und soll wegen Drogengeschäften mit der Rockerbande Hells Angels aneinandergeraten und getötet worden sein.

Die Kieler Staatsanwaltschaft beantragte zudem am Dienstag beim Amtsgericht Kiel die Aufhebung der Haftbefehle und hat die Freilassung der Beschuldigten angeordnet. Wie viele Haftbefehle aufgehoben worden sind, wollte Heß auf dapd-Anfrage nicht sagen. Es bestehe weiter ein Tatverdacht, sodass die Ermittlungen andauerten.

Ex-Rocker löste Großrazzia aus

Die Suche ausgelöst hatten die Offenbarungen des früheren Präsidenten der mittlerweile aufgelösten Kieler Rocker-Gruppierung Legion 81, Steffen R. Er hatte sich bei seinen Aussagen ausschließlich auf Angaben Dritter berufen. Die Legion 81 war eine Hilfstruppe der Hells Angels. Daraufhin erfolgte am 24. Mai eine große Polizeirazzia in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen, bei der rund 1.200 Polizeibeamte im Einsatz waren. Fünf Rocker-Mitglieder wurden festgenommen, darunter auch Anführer.

Es ging um insgesamt 194 Ermittlungsverfahren der LKA-Sonderkommission "Rocker" gegen 69 Beschuldigte wegen Waffenhandels, Korruption, Erpressung, Menschenhandels und Körperverletzung. Auch hatten Spezialeinheiten das Anwesen des Hannoveraner Hells-Angels-Chefs Frank Hanebuth gestürmt und dabei dessen Hund erschossen.

Halle nach archäologischem Vorbild durchsucht

Seit der Razzia wurde die Lagerhalle in Altenholz akribisch untersucht. Die Ermitller hofften, dort Spuren von Tekin B. zu finden. Steffen R. zufolge sollte sich der Leichnam des Türken möglicherweise in Altenholz befinden. Bei der Suche musste zunächst die gesamte Halle ausgeräumt und der schwere Betonboden mit Spezial- und Großgerät abgetragen werden. Heß zufolge wurden später die Hallenaußenwände entfernt und sämtliches Erdreich bis nahezu zwei Meter Tiefe nach archäologischem Vorbild durchsucht. Auch kamen Leichenspürhunde zum Einsatz, die an verschiedenen Stellen angeschlagen hatten.

Steffen R. selbst war Mitte Juni vom Landgericht Kiel etwa wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und schweren Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung zu vier Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Er hatte entgegen eines bekannten Ehrenkodexes seit Februar bei Ermittlungsbehörden über innere Strukturen von Hells Angels und über vermeintliche Straftaten von diesen ausgesagt. Aus Angst vor Racheakten der Hells Angels befindet er sich in einem Zeugenschutzprogramm und hält sich an einem unbekannten Ort auf.

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