Teilnehmer-Zahlen zur Loveparade waren gefälscht
29.07.2010 | 17:29 Uhr 2010-07-29T17:29:00+0200
Essen/Duisburg. Bei der Loveparade in den Ruhrgebietsstädten Essen, Dortmund und Duisburg wurden falsche Teilnehmerzahlen veröffentlicht. Das geht aus einem Bericht vor, der DerWesten vorliegt. Der Veranstalter wollte damit sein Image aufpolieren.
Die veröffentlichten Zahlen der Loveparade-Teilnehmer im Ruhrgebiet wurden nach Recherchen der WAZ-Mediengruppe von Beginn an falsch angegeben. So hieß es, in Essen seien vor drei Jahren 1,2 Millionen Menschen auf dem Techno-Event gewesen. Nach Dortmund sollen vor zwei Jahren 1,6 Millionen gekommen sein, in Duisburg sprach man von 1,4 Millionen Menschen.
Keine dieser Zahlen ist korrekt, alle sind maßlos übertrieben, wie aus einem „streng vertraulichen“ Dokument des Loveparade-Veranstalters Lopavent hervorgeht. In dem 34 Seiten starken Papier, das DerWesten vorliegt, heißt es, die tatsächlichen Zahlen hätten „keinen Bezug zur offiziellen Besucherzahl für mediale Zwecke“.
„Andere Kriterien“ als die Wirklichkeit
Die „öffentliche Besucherzahl“ werde „nach anderen Kriterien“ als die Wirklichkeit ermittelt. Wie es in dem Papier weiter heißt, werde zur Ermittlung der „öffentlichen Besucherzahl“ die Zahl der tatsächlich erwarteten Besucher verdreifacht. Die tatsächliche Zahl der Loveparade-Besucher wurde damit von allen Stellen bewusst verschwiegen und die Öffentlichkeit mit falschen Zahlen versorgt.
Mit anderen Worten: Die tatsächliche Zahl der Loveparade-Besucher wird bewusst verschwiegen und stattdessen mit falschen Zahlen gearbeitet. Und die Verwaltung weiß das.
Konfrontiert mit dieser Aussage hält die Stadt Dortmund an der damals veröffentlichten Zahl von 1,6 Millionen Teilnehmern fest, wie ein Stadtsprecher sagte. Aus dem Geheimdokument der Lopavent geht allerdings hervor, dass die zur Verfügung stehenden Flächen in Dortmund noch kleiner waren als in Duisburg. Dort hatten weniger als 250 000 Menschen Platz. Folgt man der Analyse der Party-Macher, sind über den Tag verteilt höchstens 480 000 Besucher bei den Westfalenhallen erwartet worden – bei Sonnenschein. In Dortmund regnete es aber heftig.
Auch in Essen nahm man es mit der Wahrheit nicht so genau
Intern heißt es bei der Polizei, die Zahlen in Dortmund hätten auf Wunsch der Stadt höher als in Essen liegen sollen. Offiziell heißt es, man habe einen satten „Sicherheitsaufschlag“ auf die Essener Zahlen gemacht und sich deswegen auf 1,6 Millionen Besucher vorbereitet. Diese Zahl wurde später als tatsächliche Teilnehmerzahl genannt.
Auch in Essen hielt man es mit der Wahrheit nicht so genau. Offiziell ist die Rede von 1,2 Millionen Teilnehmern. Allerdings sei man sich im Klaren, dass dies falsche Zahlen sein könnten. „Wir wissen, dass auch die Berliner Zahlen nicht der Realität entsprechen konnten“, sagte eine Sprecherin der Stadt. „Es ist nicht möglich, die Zahlen korrekt zu ermitteln.“ In Duisburg beschworen die Loveparade-Macher die Verantwortlichen der Stadt, die tatsächlichen Angaben unter allen Umständen geheim zu halten: „Eine Veröffentlichung dieser Zahlen könnte dem öffentlichen Ansehen der Veranstaltung immensen Schaden zuführen, was sicher weder im Interesse des Veranstalters liegt noch im Interesse der Stadt Duisburg.“
Das Dokument wurde von der Verwaltung tatsächlich unter Verschluss genommen. In dem Papier heißt es, dass in Spitzenzeiten mit maximal 235 000 Zuschauern gerechnet wurde, die sich auf den Platz drängen würden. Über den Tag verteilt sollten höchstens 485 000 Besucher kommen. Davon sollten maximal 330 000 Menschen per Bahn anreisen, heißt es. Dies sei die maximale Kapazität des Öffentlichen Nahverkehrs, der die Veranstaltung natürlich begrenzen würde. Mit dem eigenen Auto würden höchstens 50 000 Menschen erwartet. Der Rest sollte aus Duisburg und Umgebung kommen.
Vage Angaben gemacht
Anfragen nach den Besuchern und dem Fassungsvermögen des Geländes wurden von der Duisburger Verwaltung vor dem Desaster nicht der Wahrheit gemäß beantwortet. Stattdessen wurden nur vage Angaben gemacht.
Selbst wenn in den Stadträten fälschlicherweise von über einer Million erwarteter Besucher geredet wurde, korrigierte weder in Duisburg noch in anderen Städten jemand die Aussagen. Die Behörden führten in Kenntnis der Wirklichkeit die Menschen im Interesse der Loveparade-Macher in die Irre.
Nach seriösen Schätzungen der Polizei kamen am Samstag rund 300 000 Besucher nach Duisburg. Nur für diese sei eine Versicherungsprämie gezahlt worden.
14:55
Das die Besucherzahlen jährlich aus Marketinggründen maßlos nach oben geschraubt wurden bedarf nun wirklich nicht den Einblick in ein streng geheimes Dokument des Veranstalters Lopavent. Das sich ein Verantwortlicher der Stadt Duisburg in Person von Herrn Wolfgang Rabe vor laufender Kamera dazu hinreißen läßt eine erwartete Besucherzahl von 1.4 Mio zu prognostizieren, bedeutet entweder absolute Ahnungslosigkeit von dem in dessen Planung der Herr involviert war oder aber wissentliche Irreführung. Gut, man wollte mit der grauen Stadt Duisburg mal für den einen Tag in den Medien gastieren, ganz Europa sollte wissen wo Duisburg im Herzen den Ruhrpottes liegt und um das zu ermöglichen ging man ein großes Risiko, man öffnete dem Unglück Tür und Tor. Am Ende des Desasters wollten sich alle mit Lug und Trug aus der Affaire ziehen, jeder wollte als unschuldiger Saubermann da stehen und seine Hände in Unschuld waschen. Jedenfalls muss man sich keine Gedanken mehr über eine Anfrage bezüglich eines großen Events in Duisburg machen, das haben die Herrn der Stadtspitze mit ihrem vermutlich kriminellen Verhalten für alle Zeit erledigt. Eines wurde aber über alle Erwartungen hin erreicht, die Stadt war nicht nur für diesen einen Tag im Fokus Europas, der Stadtclan aus dem Rathaus hat es in den weltweiten Fokus geschafft und das für lange Zeit. Hättet ihr euch mal lieber um die wichtigen Dinge der Stadt gekümmert, Schaffung von Arbeitsplätzen, Renovierung und Sanierung von Schulen, Behebung von Straßenschäden etc...
11:50
Auch an der Streetparade in Zürich ist fast seit ihrem Bestehen immer von einem (fast)-Milliolnenpublikum die Rede. Doch statt der angeblichen Million ist in Wirklichkeit jeweils nur ein Bruchteil der angeblichen Menschenmassen am Tanzen. Auch hier wird von der Presse und von den offiziellen Organen der Stadt an den völlig übertriebenen Zahlen festgehalten, jeder weiss, dass alles gelogen ist, wer aber darauf aufmerksam macht, wird quasi als Spielverderber gebrandmarkt. Grund: Image der Veranstaltung und natürlich ein RIESENGESCHÄFT!
14:42
unter 200000? demnächst waren es nur 55 Kinder oder so...wenn das so weiter geht .
11:24
was mußte man nicht alles an vorverurteilung und quatsch lesen.
- man verstieg sich dazu ruhr2010 gigantismus vorzuwerfen.
- duisburg und dem ruhrgebiet wollte man sogar generell die fähigkeit absprechen eine solche veranstaltung durch zu führen
jetzt wird so langsam klar das weit unter 200000 raver da waren!
das hat mit gigantismus wohl nicht mehr viel zu tun und der ruhrpott stemmt veranstaltungen dieser art locker an jedem zweiten wochende.
das problem beschränkte sich ausschließlich auf ein paar quadratmeter in einem falsch konzipierten auf/abgang.
das ist sehr tragisch und die ganzen hetzer, auch in diesem forum, sollten sich was schämen.
18:49
Dass die Zahlen der Loveparade (wie bei den meisten Großveranstaltungen dieser Art) hoffnungslos übertrieben sind zeigt schon ganz einfach der Vergleich mit Fotos von Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer gezählt sind.
Beispiel: Berlin Marathon - Die 40.000 Läufer füllen einen großen Teil der Strecke zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule - hinzu kommen noch viele Zuschauer am Straßenrand. Die Läufer müssen in mehreren Wellen starten, damit die ganze Masse überhaupt halbwegs in Bewegung kommt. Das ganze gibt eindrucksvolle Luftbilder. Vergleicht man jetzt die Bilder vom Marathon mit den Bildern von der Loveparade ist natürlich klar, dass es bei der Loveparade natürlich mehr Besucher waren - aber 30x so viele (= 1,2 Millionen) wie 2006 behauptet? Nie und nimmer!!
00:16
@ #189 Alex91
Interessant, dass Ihnen Menschen leid tun, die ihre Sinne anscheinend beisammen haben. Wie haben *Sie* denn diese Million gezählt?
23:00
Also mal im ernst, hier reden viele von Dingen die sie nicht Beurteilen können. Ich war in Essen, Dortmund und auch in Duisburg. Und wenn mir dann jemand hier im Internet erzählen möchte, dass keine 1 Mio Menschen dort waren tun mir diese Menschen leid!!!
22:21
@herby49
Bei meiner Betrachtung #82 spielt die Tunnellänge keine Rolle. Ich habe die Menschenschlange auf 3 km gesetzt, weil genau diese Länge in meinem Modell bei einer Gehgeschwindigkeit von 3 km/h in einer Stunde den Tunnel passiert.
M.E. ist es eindeutig so, dass der vorgeplante einzige Ein- und Ausgang, der Tunnel, das Problem darstellt.Mit ein paar wenigen Überlegungen und Anwendung der vier Grundrechenarten hätten alle Verantwortlichen und besonders ein Professor S... das in wenigen Minuten erkennen müssen.
21:37
# 186,
können Sie Ihre Frage belegen ?
20:32
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