Netzkultur : Der Youtube-Jahresrückblick aus der WG-Küche

Köln. Eigentlich sollte es nur ein Gag für Bekannte sein. Doch der gesungene Jahresrückblick von zwei Freunden aus Köln entwickelt sich gerade zum Hit auf Youtube. Zur Melodie von Michael Jacksons „Man In The Mirror“ schauen Malte Fuhrer und Jan-Philipp Scherz auf 2009 – und sind dabei um Längen witziger als jeder TV-Rückblick.
Das Video läuft gerade mal fünf Sekunden, da rechnet man jeden Moment fest damit, dass der Mann mit Frauenkleid und Perücke plötzlich losprusten muss und alles aus ist. Doch er fängt sich und zu zweit singen sie auf die Melodie von Michael Jacksons „Man In The Mirror“: „Uuuuhuuu aii uhhh von uns und nur für euch ein Prosit Neujahr.“ Es beginnt ein gesungener Jahresrückblick, der binnen weniger Tage schon über 11 000 Mal bei Youtube angesehen wurde. Kein Wunder, der Clip ist sehr viel witziger als jeder Fernsehrückblick.
Dahinter stecken Malte Fuhrer und Jan-Philipp Scherz, die 34-Jährigen leben in Köln zusammen in einer WG. Große Teile ihres Clips haben sie in ihrer Küche aufgenommen. „Eigentlich sollte das nur ein Gag für Freunde und Bekannte sein“, erzählt Jan-Phipp Scherz. Seit Jahren verschenkt er zu Weihnachten Mixtapes. In diesem Jahr sollte es was Selbstgesungenes sein.
Jede Silbe sollte passen
Dass die Melodie von Michael Jackson kommen musste, war schnell klar. Allerdings mit eigenem Text, der neben dem Tod des „King of Pop“ möglichst viele Ereignisse des Jahres berücksichtigt. „Malte war da richtig akribisch“, erzählt Jan-Philipp Scherz, der bei einer TV-Produktionsfirma arbeitet. „Er wollte, dass jede Silbe passt.“ Und so schaffte es auch das schöne Wort Personenstandsrechtsreformgesetz in den Song.
Im Tonstudio eines Bekannten nahmen die beiden den Song professionell auf und ließen sich dabei filmen. „Wir wollten es so wie beim Clip von ‚We Are The World’ machen“, sagt Scherz. Aber das reichte ihnen nicht. Und so schmiss sich Malte Fuhrer in ein Frauenkleid, schnallte sich einen Gürtel um den Hals und setzte sich eine Perücke auf. Jan-Philipp Scherz trägt ein weißes Hemd, Weste und eine schwarze Armbinde - schließlich trauert man im Jahresrückblick immer wieder um Michael Jackson: „Doch der Tag, der uns am meisten berührte, kam im Sommer irgendwann / Am Donnerstag / Das war der Tag, an dem Michael Jackson starb.“
„Glühbirnen gibt es nicht mehr, Alter!
Auch die Schweinegrippe, diverse Insolvenzen, der Regierungswechsel haben es in den Clip geschafft. Und andere, sehr einschneidende Ereignisse aus dem Jahr 2009: „Glühbirnen gibt es nicht mehr, Alter!“
Dass ihr Clip „Frohes Fest 2009“ ein Hit auf Youtube wird, hätten die beiden nicht gedacht. „Wir haben es auf Facebook gepostet und dachten, dass es sich ein paar Hundert, vielleicht 1000 bis vorigen Montag ansehen“, sagt Jan-Philipp Scherz. Da waren es aber schon sechsmal so viele.
Übrigens: Ganz so hoch wie es klingt, kommen die beiden Männer dann doch nicht mit ihren Stimmen: Gesanglich wurden die beiden von zwei Background-Sängerinnen unterstützt.
Hier geht es zum Youtube-Video „Frohes Fest 2009“.






