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Tarifabschluss für Metallindustrie unter Dach und Fach

19.05.2012 | 13:55 Uhr
Foto: /ddp/Roland Magunia

Mit einer Einigung im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg haben Arbeitgeber und Gewerkschaft der Metall- und Elektroindustrie den Weg für ein Ende des bundesweiten Tarifkonflikts geebnet.

Sindelfingen (dapd). Mit einer Einigung im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg haben Arbeitgeber und Gewerkschaft der Metall- und Elektroindustrie den Weg für ein Ende des bundesweiten Tarifkonflikts geebnet. Nach zähem Ringen vereinbarten beide Seiten am Samstagmorgen in Sindelfingen ein Lohnplus von 4,3 Prozent für die Beschäftigten, die unbefristete Übernahme von Ausgebildeten und mehr Mitsprache von Betriebsräten bei der Leiharbeit. Vor allem die letzten beiden Punkte waren lange strittig und zögerten den Abschluss hinaus.

Der neue Tarifvertrag für die 800.000 Metaller im Bezirk Südwesten soll bundesweit für Deutschlands wichtigste Industriebranche mit insgesamt 3,6 Millionen Beschäftigten übernommen werden. Die Gewerkschaft habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, sagte der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber.

Auch die Arbeitgeber plädierten für eine Übernahme. Der Abschluss sei für die gesamte Branche tragfähig, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Nur Sachsen habe sich bei der Abstimmung enthalten. Die sächsischen Metall-Arbeitgeber erklärten aber, trotz der Enthaltung den Tarifvertrag übernehmen zu wollen.

Die Einigung muss rein formal noch von den obersten Gremien der Tarifpartner in Baden-Württemberg abgesegnet werden. In den anderen Bezirken muss ebenfalls noch über die Annahme entschieden werden. Beides gilt aber als sicher.

Unbefristeter Arbeitskampf ist abgewendet

Mit der Einigung, die in der fünften Verhandlungsrunde nach 18 Stunden erzielt wurde, haben die Tarifpartner einen unbefristeten Arbeitskampf abgewendet. Die IG Metall hatte mit bundesweiten Warnstreiks von Hunderttausenden Metallern Druck gemacht und mit Urabstimmung und unbefristeten Streiks gedroht.

IG-Metall-Chef Huber sprach von einem guten Kompromiss. Der Abschluss sei "ein besonderes Ergebnis". Kannegiesser erklärte, beide Seiten seien wirklich aufeinander zugegangen. "Das war eine schwierige Gratwanderung, bei der wir manchmal nur in Trippelschritten vorankamen", sagte er.

Die Einigung sieht vor, dass die Beschäftigten rückwirkend zum 1. Mai 4,3 Prozent mehr Geld bekommen. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 13 Monaten. Die IG Metall war mit einer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten zunächst ein Plus von drei Prozent über 14 Monate geboten. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Südwestmetall-Chef Rainer Dulger, sagte, die Betriebe seien "an die Grenze der Belastbarkeit" gegangen.

Darüber hinaus einigten sich die Tarifparteien grundsätzlich auf die unbefristete Übernahme ausgebildeter Lehrlinge. Allerdings muss ein Arbeitgeber laut der Vereinbarung nur den Ausgebildeten ein Angebot machen, "die er tatsächlich benötigt". Ausnahmen sind auch möglich "bei akuten Beschäftigungsproblemen" im Betrieb oder "wenn personenbedingte Gründe eine Übernahme unmöglich machen". Der Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, nannte dies einen tragfähigen Kompromiss.

Nach 24 Monaten müssen Leiharbeiter ein Angebot bekommen

Beim Thema Leiharbeit setzte die IG Metall mehr Mitsprache für die Betriebsräte durch. Laut dem neuen Vertrag darf ein Leiharbeiter ohne Einschränkung 18 Monate eingesetzt werden. Nach 24 Monaten muss er jedoch ein Übernahmeangebot bekommen. Ausnahmen sind aber möglich. Ebenso fehlen einheitliche Bestimmungen für alle Betriebe.

"Uns war es wichtig, dass es eine klare Regelung gibt, nach 18 Monaten Einsatz eine Übernahme zu prüfen und dass nach 24 Monaten eine verpflichtende Übernahme erfolgt", sagte Hofmann.

Die Tarifpartner vereinbarten auch eine Förderung für benachteiligte Jugendliche, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

dapd

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