Stuttgart 21 geht auch zu Lasten von NRW
27.08.2010 | 18:46 Uhr 2010-08-27T18:46:00+0200
Essen. Widerstand gegen das milliardenschwere Bahnprojekt „Stuttgart 21“ gibt es nicht nur vor Ort. Auch in NRW würde man das Vorhaben gern gestoppt wissen. Denn es bindet Mittel, die in NRW für wichtige Verkehrsprojekte gebraucht werden.
Freitagabend in Stuttgart: Rund 30.000 Menschen gehen auf die Straße, um gegen das Bahn-Projekt „Stuttgart 21“ zu demonstrieren. 4,1 Milliarden Euro kostet der neue unterirdische Hauptbahnhof, weitere 2,9 Milliarden werden für die Schnellstrecke nach Ulm gebraucht. Es wird - mit 16 Tunneln und 18 Brücken - die teuerste Baustelle der Nation. Vor allem die gigantischen Kosten sind es, die große Teile des schwäbischen Bürgertums zum Protest mobilisieren.
Auch in Nordrhein-Westfalen wird das Projekt kritisch gesehen. Denn mit „Stuttgart 21“ wird Geld in den schwäbischen Boden vergraben, das an Rhein und Ruhr fehlt.
Der Beleg: Eine Liste des Bundesverkehrsministeriums mit 53 Positionen. Darin sind die bis 2020 finanzierbaren Schienenprojekte genannt. Der Bund will für die wichtigen in NRW - den Rhein Ruhr-Express Dortmund-Düsseldorf (geschätzte Kosten über drei Milliarden Euro) und die Betuwe-Güterzuglinie von den Benelux-Seehäfen ins Revier - allenfalls Planungskosten in einstelliger Millionenhöhe zahlen oder nur kurze Teilstrecken wie die von Duisburg nach Düsseldorf finanzieren. Stuttgart aber bekommt den Löwenanteil.
Dortmund einer der Verlierer
Besonders für das Ruhrgebiet bedeutet das Sieben-Milliarden-Projekt Stuttgart21, dass viele Infrastrukturprojekte auf die lange Bank geschoben werden. Das sagt Bahn-Experte Christian Böttger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und regelmäßig Berater des Bundesverkehrsausschusses: „In Zeiten, in denen so wenig Geld zu Verfügung steht, gehört so ein Projekt nicht so weit vorn auf die Prioritätenliste.“ Aus seiner Sicht sei die Bundesförderung von 1,2 Milliarden Euro für den unterirdischen Bahnhof eine Umleitung von Verkehrsmitteln in die städtebauliche Entwicklung von Stuttgart. Bezahlt vom Steuerzahler.
Für den Ausbau der Bahnstrecke Oberhausen-Emmerich und des Dortmunder Hauptbahnhofs fehlt dagegen das Geld. Etwa 100 Millionen Euro soll es kosten, aus der „Pommesbude mit Gleisanschluss“ einen zeitgemäßen Bahnhof für täglich 125 000 Reisende zu machen. Doch mehr als eine noch nicht beendete Sanierung der Empfangshalle für 23 Millionen Euro ist seit dem Aus für „3do“ vor drei Jahren nicht geschehen. Dieses ambitionierte Projekt „Bahnhof mit Einkaufszentrum“ sollte übrigens 500 Millionen Euro kosten. Der Bahn war’s zu teuer.
Im Landeswirtschaftsministerium fürchtet man Engpässe. Verkehrs-Staatssekretär Horst Becker (Grüne): „Für uns ist es wichtig, dass das dritte Gleis der Betuwe-Linie kommt und auch die notwendigen Lärmschutzmaßnahmen dazu – ansonsten würden auf der wichtigen Verbindung zwischen den Benelux-Seehäfen und NRW noch mehr Güter auf die Straße verlagert. Das wollen wir nicht, weil es nicht gut für unser Land ist“.
Becker spricht eine Entwicklung an, die unter Experten als Horror-Szenario gilt: Peking hat die Kanzlerin vor einem Monat informiert, dass chinesische Super-Containerschiffe nicht mehr in den Hamburger Hafen passen. Sie würden wohl bald mit ihrer Fracht Rotterdam und Antwerpen anlaufen müssen.
NRW trägt eine Mitschuld
Wie werden die Container dann über ganz Europa verteilt? Via Niederrhein und Ruhrgebiet, fürchtet man im Berliner DB-Hauptquartier. Und wenn das per Schiene nicht geht? Eben auf den ohnehin zugestauten Autobahnen A 3 nach Süden und A 2 nach Osten. Lkw-Treffpunkt Oberhausener Kreuz.
NRW trägt eine Mitschuld. Dass das Geld für den Bau von Entlastungsstrecken fehlt und dass es nach Stuttgart fließt, geht auf Fehler vergangener schwarz-gelber und rot-grüner NRW-Landesregierungen zurück. Sie haben ihre Interessen zu lasch vertreten. „Wegen Stuttgart haben die Schwaben alle drei Tage auf der Matte gestanden. Aus NRW war keiner hier“, wird in der Zentrale der Bahn erzählt.
Kann das Land noch auf eine Neuverteilung hoffen? Ließe sich Stuttgart 21 notfalls stoppen? Politisch wird das schwierig. „Mindestens 1,4 Milliarden Euro“ müssten zudem auf den Tisch, um das Projekt anzuhalten, sagt Stuttgart 21-Sprecher Wolfgang Drexler. Andere Experten halten dies für überhöht. Zumal die Kosten für das Vorhaben weiter zu explodieren drohen. Das Gestein im geplanten Fildertunnel scheint brüchig, der Boden unter dem Bahnhof wasserdurchlässig. Ein Alb-Traum für die Alb-Bahnbauer.
Wie der Schnelle Brüter
Wird Stuttgart 21 verwirklicht, hat es seinen Platz unter den teuersten Bauten der Republik – und leistet der künftigen Fehmarnbeltbrücke (4,8 Milliarden Euro) Gesellschaft, dem neuen Flughafen Berlin (vier Milliarden), der ICE-Strecke Köln-Frankfurt (sechs Milliarden). Auch der Reaktor Kalkar ist dabei. Der „Schnelle Brüter“, nie in Betrieb genommen, ist heute das teuerste je gebaute Freizeitparadies. 1990 kostete es auch sieben Milliarden – D-Mark, natürlich.
01:59
Ich muss doch nochmal kurz, die ganzen Vorschreiberlinge hier fahren anscheinend immer noch mit dem Auto zum Zigarettenautomaten.
Wer Autobahnen aus dem Jahr 1970 im Kopf hat, und ich hoffe wirklich inständig, dass vor meiner Zeit die Straßen noch frei waren für alle kopflosen Raser, der darf sich tatsächlich nicht wundern, wenn die Bahn versucht mittels absolut schwachsinniger Projekte wie Stuttgart21 wenigstens mal wieder eine einzige positive Schlagzeile zu bekommen (die Schlagzeile lautet dann: Stuttgart Hbf Eröffnung im Jahre .... 2152?) im Vergleich zu Deutschlands heiligster Kuh, dem Auto. Aber jeder der wirklich schonmal mit dem Auto in Stuttgart war, muss zugeben, es MUSS irgendwie auch stressfreier gehen.
Und dafür muss man nicht die Bahnhöfe abreissen, sondern für viele umsteigefreie Verbindungen auf bestehender Schiene sorgen.
Ein Schlusswort für Heute: die Bahn war nie, ist heute nicht und wird in Zukunft keine Konkurrenz sein für Auto und Flugzeug, wenn sie das abreisst, was Generationen von Stuttgartern oder Gästen von Stuttgart liebgewonnen haben. In drei Stunden von Düsseldorf nach Stuttgart? Vielleicht fragt man mal Leute die solche Strecken fliegen, die lachen über drei Stunden. Also bitte, liebe Bahn, bleibe bei dem was du gut kannst, Kleinstädte mit Großstädten verbinden, Flughäfen mit den umliegenden Großstädten verbinden (nicht wie in Dortmund bitte), und für Leute die nicht fliegen möchten oder kein Auto besitzen immer noch eine Alternative sein, auch auf Strecken in unsere westlichen Nachbarländer, ich nenne mal Bahnhöfe wie Calais, Saarbrücken, Oostende, Lüttich usw usw usw. Solange man mit dem Auto schneller ist wird niemand auf die Bahn umsteigen!
01:22
Es wird vielleicht in NRW noch zu wenig über diese Schweinerei in Stuttgart berichtet.
Manche Leute die von der Bahn anno 2010 überzeugt sind, haben vielleicht nicht erlebt, was in den vergangenen Jahren schon alles auf der Strecke geblieben ist (ich bin Jahrgang 1978, ein paar Sachen könnte ich da aufzählen).
Andere sprechen von schlechtem Wetter, wir niemals. Wohl ein schlechter Scherz wenn man an die letzten 5 oder 10 Winter zurückdenkt.
Und jetzt dieser Verlust eines Denkmals in Stuttgart. Die Bahn demontiert sich selbst, nicht nur die S-Bahn in Berlin, der nochnicht ganzFernverkehr zwischen Paderborn, Duisburg-Ruhrort und Oostende (ich erinnere mich an durchgehende Züge...).
Wenn ich Zeit hätte, wäre ich einer der nächsten, die sich an Stuttgart-Hbf anketten lassen. Nicht nur weil ich die Stadt gerne hab, sondern auch finde, dass der Hbf seit ichs letzte Mal da war nicht (und auch heute nicht) hat abgerissen gehört!
18:41
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16:42
Als Rau und Clement in NRW noch Ministerpräsidenten waren, hat bei den Länderfinanzausgleich am meisten Geld eingezahlt, nur das das nicht vergessen wird! Selbst Bayern hatte noch bis ca 1989 aus diesem Länderfinanzausgleich profitiert! Außerdem hat BW und Bayern auch nicht diese Strukturprobleme gehabt (Stahl und Bergbau) wie NRW, auch das sollte berücksichtigt werden! Trotzdem wurde natürlich auch nicht hier in NRW alles richtig gemacht!
Rot Grün hat den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, Schwarz Gelb will wieder alles rückgängig machen, jetzt liegt es an euch den Wählern für welche Politik ihr euch entscheidet! Ich, habe mich entschieden.
14:20
In Gebiete in denen etwas erwirtschaftet wird, wird in die Infrastruktur investiert. Was wird denn in NRW noch und wo erwirtschaftet.
Unsere Damen und Herren Stadtoberhäupter verhindern doch durch wahnsinnige Gewerbesteuersätze Neuansiedlungen von Gewerbetreibenden.
Was ist denn aus dem Ruhrgebiet geworden. Welche Industrie haben wir denn noch hier. Das Ruhrgebiet entwickelt sich doch seid Jahrzehnten zum Freizeitpark.
Neuansiedlungen werden verhindert. Wichtiger sind irgendwelche nicht umsetzbare, bezahlbare Spinnereien der Politiker
Wer arbeiten will, verabschiedet sich doch aus dieser Region. Wozu hier noch investieren.
Der Pott ist gewerblich gesehen, tot.
13:31
Natürlich benötigt Stuttgart einen unterirdischen Prachtbahnhof.
Mit dem Wagen kommt man dank Daimler und Porsche weder rein noch raus aus dem Ländle.
Immer Stau.
Und da die tolle ICE-Flotte ja mit diversen Klimaproblemen kämpft, kann man die schicken Züge doch nicht in der prallen Sonne stehen lassen. Also unter die Erde damit, wo es schön kühl ist.
Und das mit den Milliarden - das relativiert sich. Dafür gibt es länger billigen und umweltfreundlichen Strom aus Kernkraft. Direkt von vor der Haustür :-)
Hascht scho alls rischtig gmocht - Oetti :-)