Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Atomkrise

Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa

08.04.2011 | 13:44 Uhr
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
Noch immer wird am Sarkophag über dem stillgelegten Reaktor von Tschernobyl radioaktive Strahlung gemessen. (Foto: dapd)

Berlin  Einer Studie zufolge leiden mehr als 600 Millionen Menschen unter den Auswirkungen der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Es soll mehr Krebsfälle und weniger Kinder geben, als zu erwarten gewesen wäre.

. Mehr als 600 Millionen Menschen in Europa müssen einer Studie zufolge mit gesundheitlichen Auswirkungen der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren rechnen. Am meisten leiden die Aufräumarbeiter unter den Folgen: Von den 830.000 sogenannten Liquidatoren erkrankten 90 Prozent wegen der hohen Strahlenbelastung. Dies ergab eine am Freitag veröffentlichte Studie der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW und der Gesellschaft für Strahlenschutz auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen.

Laut Tschernobyl-Ministerium der Ukraine waren 1996 nur noch 18 Prozent der evakuierten Bevölkerung gesund. Der Anteil der gesunden Kinder, die nicht selbst vom Tschernobyl-Fallout betroffen waren, deren Eltern aber erhöhter Radioaktivität ausgesetzt waren, sank in der Ukraine bis 1996 von 81 Prozent (1987) auf 30. Forscher gehen der Studie zufolge davon aus, dass es in ganz Europa durch Tschernobyl knapp 240.000 zusätzliche Krebsfälle bis 2056 geben wird.

Weniger Kinder wurden geboren

Der Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung (UNSCEAR) erwartet weltweit zwischen 30.000 und 207.500 Kinder mit Genschäden als Folge des Atomunfalls. Auch die Zahl der Totgeburten und Fehlbildungen stieg deutlich an. Nach 1986 wurden in Europa rund 800.000 Kinder weniger geboren, als eigentlich zu erwarten gewesen seien. Die Studie belege, dass die meisten gesundheitlichen Folgen eines radioaktiven Unfalls erst nach vielen Jahren, oftmals erst in den nächsten Generationen auftreten, hieß es.

Am 26. April 1986 geriet der Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks in der Ukraine außer Kontrolle. Fachleute sehen die Ursache in einer Kombination von Bedien- und Konstruktionsfehlern während eines Sicherheitstests. Es kam zu Explosionen, wodurch der obere Teil des Reaktorgebäudes zerstört wurde. Das freigesetzte radioaktive Material verstrahlte bis zu 150.000 Quadratkilometer Fläche in der Ukraine, Weißrussland und Russland. (dapd)

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
12.04.2011
13:22
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
von rapha89 | #8

Was man nicht kontrollieren kann, sollte man nicht als Energiequelle nutzen. Dabei kommt dazu das Problem mit dem Atommüll. WIE kann man da überhaupt eine Atompolitik betreiben? Wie kann ein Mensch sagen jau bau ma Atomkraftwerk ohne zu sehen was für Folgen das hat? Wie dumm muss man sein...

08.04.2011
17:47
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
von wohlzufrieden | #7

Wartet erst mal, bis das verseuchte Wasser die Fischgründe erreicht hat, aus denen unsere lieben kleinen ( und ich auch) die leckeren Fischstäbchen beziehen.

08.04.2011
17:24
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
von meinemeinungdazu | #6

Auch die vermehrten Krebsfälle rund um die Atomkraftwerke werden immer wieder geleugnet, obwohl die Beweise vorliegen. Das ist Teufelswerk und nichts Anderes.

08.04.2011
17:22
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
von meinemeinungdazu | #5

25 Jahre hat die blinde Politik verstreichen lassen, um endlich den Willen zu haben, die Atomkraftwerke abzuschalten. Ganz Europa leidet noch unter den massiven Folgen. Musste uns Japan erst wieder aufrütteln? Warum hat die Politik Tschernobyl vergessen? Besonders die großen Parteien haben da versagt. Sie hätten viel verändern müssen. Der Atommafia muss das Handwerk gelegt werden. Wer soll die Folgen und die Stilllegungen bezahlen? Kommende Generationen werden uns verfluchen.

08.04.2011
15:12
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
von Trebusch | #4

DIe Menschheit richtet sich aus Profitgründen selbst zugrunde .Ab und zu kommt in n-tv oder N24 eine Dokumentation 30 Jahre nach dem Menschen .Ich glaube daran , das es sich nicht um Utopie handelt , sonder in absehbarer Zeit Realität sein kann.An ein kompromißloses Gegensteuern kann ich einfach nicht mehr glauben , da die Atommafia und andere das Ruder fest iun der Hand haben , und unsere Politiker sind nur Marionetten der Wirtschaft.

08.04.2011
14:24
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
von Vanagas | #3

Die offiziellen Quellen lügen bis heute wie gedruckt da Sie fest in der Hand der Atommafia sind .
Wer sich mit offenen Augen durch Osteuropa bewegt und mit den Menschen und Medizinern spricht weiß , in den Familien gibt es oftmals mehrere Fälle von Krebserkrankungen !
Hunderttausende sind bis heute schon gestorben , keinen interessiert es !

Das ist der Scandal !

08.04.2011
14:23
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
von FernerBeobachter | #2

Komisch, das das ausgerechnet jetzt in der Zeitung steht.

Aber bei den Urhebern nur zwingend logisch.

08.04.2011
14:11
Studie: Tschernobyl-Katastrophe belastet ganz Europa
von schranzbaum | #1

ach quatsch, alles halb so wild, lese ich immer...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4519075/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
Papst Benedikt wird 85
Bildgalerie
Kirche
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...