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Studie: Tausende behinderte Frauen missbraucht

14.02.2012 | 16:17 Uhr
Studie: Tausende behinderte Frauen missbraucht  (dapd)
Studie: Tausende behinderte Frauen missbraucht (dapd)

Tausende behinderte Frauen sind in deutschen Heimen und Werkstätten sexuell missbraucht worden. Dies berichtete am Dienstag das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" (14.2., 21.45 Uhr) vorab unter Berufung auf eine repräsentative Untersuchung der Universität Bielefeld. Bundesfamilienministerium.

Mainz (dapd). Tausende behinderte Frauen sind in deutschen Heimen und Werkstätten sexuell missbraucht worden. Dies berichtete am Dienstag das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" (14.2., 21.45 Uhr) vorab unter Berufung auf eine repräsentative Untersuchung der Universität Bielefeld. Aus der Studie geht demnach hervor, dass sechs Prozent der Frauen mit geistiger Behinderung in Heimen und Werkstätten sexuelle Gewalt erlitten haben. Auftraggeber war das Bundesfamilienministerium.

Die Projektleiterin Monika Schröttle sagte dem Magazin, dass "auf jeden Fall mehrere Tausend Frauen" in deutschen Behindertenheimen und -einrichtungen sexuell missbraucht worden seien. Täter sind der Studie zufolge meist Bewohner, aber auch Personal. Der Zugang zu Hilfe und Unterstützung sei für die Betroffenen sehr schwer.

In einer nicht repräsentativen Zusatzbefragung berichteten drei von vier Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend in Einrichtungen untergebracht waren, von "psychischen und/oder körperlichen Übergriffen". Besonders betroffen waren blinde und gehörlose Mädchen.

Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, äußerte sich empört. Der "tägliche Missbrauch" von Jungen und Mädchen in deutschen Behinderteneinrichtungen sei ein großes Tabu. "Unter dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, machen die Verantwortlichen in der Politik, in den Verbänden und in den Kommunen die Augen zu. Und deswegen sprechen Betroffene auch von dem größten Skandal in der Jugendhilfe seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte er laut "Report Mainz".

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, kritisierte die fehlende Meldepflicht sowie mangelhafte Kontrollen durch die Heimaufsicht der Länder. "Es fehlen einfach auch Verfahren, die deutlich machen, wen ich ansprechen kann, wenn etwas passiert."

Auch Gewalterfahrungen sind der Studie zufolge häufig. Darin heißt es: "Etwa jede dritte bis vierte in einer Einrichtung lebende Frau hat psychisch verletzende Handlungen und psychische Gewalt in Einrichtungen erlebt. Bis zu 20 Prozent gaben körperliche Gewalt in Einrichtungen im Erwachsenenleben an."

Mehr als die Hälfte der psychisch erkrankten Heimbewohnerinnen berichteten, in den zurückliegenden 12 Monaten psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein. 16 Prozent gaben an, psychisch so stark belastet worden zu sein, "dass es als Psychoterror oder seelische Grausamkeit empfunden wurde".

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