Bildungsstreik
Streiks an Hochschulen weiten sich aus
12.11.2009 | 10:41 Uhr 2009-11-12T10:41:00+0100
Essen/Duisburg. Seit Dienstag halten Studierende die zentralen Hörsäle der Universität in Duisburg und Essen besetzt. Damit sind sie nicht allein. In Österreich begannen die Aktionen und schwappten nun über die Grenze. Der Rektor der Uni Duisburg-Essen stellte den Studenten jetzt ein Ultimatum.
Die erste Nacht haben sie hinter sich. Schlafsäcke liegen noch auf dem Podium des Audimax der Universität Essen, ein kleines Zelt steht da. 30 bis 40 Leute haben die Nacht hier verbracht. An der Tür klebt ein handgemaltes Schild: „Audimax besetzt. Alle Vorlesungen fallen aus.” Einige hundert Studenten sind im Saal und verfolgen, was wechselnde Sprecher vorne ins Mikrofon rufen: „Wir haben ein Problem damit, Bildung als Ware zu betrachten und dafür zu bezahlen”, ruft jemand ins Mikrofon und erntet dafür kräftigen Applaus.
Diskutieren sie mit anderen DerWesten-Lesern
Seit Dienstag halten Studierende die zentralen Hörsäle der Universität in Duisburg und Essen besetzt. Damit sind sie nicht allein. An Universitäten in Österreich begannen die Aktionen und schwappten nun über die Grenze. An der Uni Wien halten Studierende seit dem 22. Oktober einen Hörsaal besetzt, Tausende gingen auf die Straße.
Protestwelle quer durch die Republik
Auch in der Schweiz, an der Uni Basel, begannen Proteste. Nach Angaben der Aktivisten gibt es zurzeit Aktionen und Besetzungen an insgesamt 20 Hochschulen. Die Protestwelle läuft quer durch die Republik: Greifswald, Dresden, Potsdam, Heidelberg, Marburg, Mainz, München, Münster und andere sind betroffen.
Bereits im Juni gingen Studenten und Schüler im „Bildungsstreik” auf die Straße. Ihre Forderungen sind dieselben geblieben: Freier Zugang zur Bildung, Abschaffung der Studiengebühren und der Bologna-Reform, weg mit dem „Turbo-Abi” (G8) und den Kopfnoten, kleinere Klassen und mehr Lehrkräfte.
Nach Angaben der Studenten sind die Aktionen nicht zentral organisiert, „jede Uni agiert autonom”, sagt der Essener Student Daniel Lucas. Doch sind die Studierenden über das Internet (www.unsereunis.de) gut vernetzt. Von den Ereignissen an den Universitäten überrollt wurden die Planungen verschiedener Schüler- und Studentengruppen zu einem bundesweiten Streiktag am 17. November. Dieser Tag sollte eigentlich der Startschuss sein für eine Neuauflage des Bildungsstreiks an mehr als 100 Hochschulorten.
Die Universität Duisburg-Essen wird die Besetzung ihrer Hörsäle nicht mehr lange hinnehmen. Früher oder später werde es auf eine Räumung hinauslaufen, heißt es. Prof. Ulrich Radtke, Rektor der Uni, kündigte schließlich am Mittwochnachmittag an, dass protestierende Studenten die besetzten Hörsäle an beiden Standorten bis Freitagabend zu räumen hätten.
Die Forderungen der Studierenden seien nicht zu erfüllen. Ganz unberechtigt sei der Unmut indes nicht. „Die Seminare sind zu groß, Studiengänge mit Stoff überfrachtet”, räumt Uni-Sprecherin Beate Kostka ein. Wegen übervoller Hörsäle seien bereits Räume in einem Bürokomplex angemietet worden. Die Uni spielt den Ball nach Düsseldorf: „Wir brauchen vom Land mehr Mittel für vernünftige Studienbedingungen.”
Unterstützung von Gewerkschaften
Unterstützung erhalten die Schüler und Studenten von den Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Verdi. „Wir brauche eine Kehrtwende in der Bildungspolitik”, forderte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne. Es fehlten im Bildungsbereich 40 Milliarden Euro pro Jahr.
Das Geld müsse vor allem in den Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen sowie in die Förderung von Kindern aus sozial schwächeren Familien investiert werden. Im Bologna-Prozess fordert er einen „radikalen Kurswechsel”. Klaus Böhme von Verdi sagte: „Das Bildungssystem ist in seiner Gesamtheit desolat geblieben.”
13:54
Die Bundesregierung lässt sich in Sachen Bildung leider von den Lobbyisten der Bertelsmannstiftung beraten.
Diese Stiftung ist ein Neoliberaler, marktradikaler think-tank, der am liebsten alles privatisieren möchte (lat. Privare: Beraubung), von dem Gesundheitssystem angefangen, bis zur Ökonomisierung der Universitäten! Dies macht die Stiftung hinterhältig, unter anderem über den Umweg CHE (Centrum für Hochschulentwicklung).
Die Schäden dieses neoliberalen think-tanks werden unter anderem hier dokumentiert:
www.bertelsmannkritik.de
oder hier: www.anti-bertelsmann.de/
Dieser sog. Stiftung gehört die Gemeinnützigkeit ein für alle mal aberkannt, denn sie ist für Deutschlands Bildungszukunft extrem gefährlich!
18:23
Anmerkung:
Mit Seminaren meinte ich Büchereien und Bibliotheken.
18:21
Diejenigen, die hier anprangern, dass Studenten ihre Veranstaltungen versäumen, haben einfach nicht kapiert, dass ein Studium auch Selbststudium bedeutet. Ich glaube nicht, dass auch nur ein einziger Student durch die Semesterabschlussklausur o. ä. fällt, weil er nicht in der Lehrveranstaltung war. Dafür gibt es Seminare. Wenn man eine Hochschule besucht, sollte man schon die Selbstdisziplin haben und selber mal zu Hause ein Lehrbuch zur Hand nehmen. Kein Jura-Student würde sein Studium schaffen, wenn er sich immer nur auf die Lehrveranstaltungen verlässt. Außerdem soll ein Hochschulstudium die Fähigkeit vermitteln, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten - soviel zu dem Gehäule um die ausgefallen Veranstaltungen.
Nun zum Protest:
BITTE NICHT AUFGEBEN!
15:31
DAS liebe Aktivitsten solltet ihr euch mal zu Herzen oder besser zu Gehirne nehmen:
Sollten die Besetzer die Masse der Studenten verprellen, verlöre der im Sommer so eindrucksvolle Protest an Kraft. Die Mehrheit muss ihre Lethargie überwinden. Sie braucht sich nicht bevormunden zu lassen, weder von unausgegorenen Studienordnungen - noch von den ganz radikalen Aktivisten, denen es ohnehin niemand recht machen kann.
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/969/494308/text/
19:02
Na das mit dem Gehalt ist ja ne Prima Idee! Noch besser fänd ich die Kopplung an die Semesterwochenstundenzahl+Aufwand für das Studienfach neben der Uni. Die Leute die während des Studiums am längsten Arbeiten mussten, bezahlen weniger, weil sie ja weniger Zeit für Nebenjobs hatten. Da seh ich die Geisteswissenschftler aber schön in der Bredouille, während Naturwissenschftler, Ingenieure und Mediziener recht billig wegkommen dürften. Hier ist nämlich an Nebenjobs kaum zu denken.
Und wie Necromat schon schrieb: Die Studiengebühren der Studenten einer Fakultät kommen genau dieser Fakultät zu Gute. Wenn euch also Bücher fehlen, schiebts nicht auf eure Kommilitonen sondern auf eure Fakultät.
17:23
@Primus
Ich weiß ja nicht wie es an deiner Uni gehandhabt wird. Aber bei uns werden die Studiengebühren direkt von den Fakultäten verwaltet. Das heißt die Physiker schaffen Geräte an und Germanisten Bücher. Da gibt es überhaupt keine Möglichkeit das ein Fachbereich einen anderen bezahlt. Und zu der Kopplung ans Gehalt sag ich mal erst gar nichts....
16:47
Ich fände es prima, wenn Studiengebühren am späteren Gehalt gekoppelt werden. Sprich, Berufe mit guten Gehalt zaheln weit mehr - schließlich verdienen Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler durchschnittlich mehr als z.B. Sozialarbeiter und können entsprechend mehr und schneller zurückzahlen. Und noch ein anderer Punkt:die sogennanten Buchwissenschaften zahlen mit ihren Gebühren die teure Einrichtung der Physik, Chemie, E-Technik usw. Das ist unfair.
15:28
Das ist eine kleine Minderheit, die den Unibetrieb lahm legt. Die Mehrheit, der Studierenden die einfach studieren will, muss sich der Gewalt beugen, weil die Unirektoren zu feige sind hart durchzugreifen. Polizei rein! Chaoten raus und gleich noch exmatrikulieren!
15:12
Hier auch mal ein Apell an die Medien:
Wie man offensichtlich an einer Vielzahl der hießigen Kommentare erkennen kann, ist die Stimmung auch unter den Studenten eher gegen den Bildungsstreik und die Hörsaalbesetzung. Wäre mal schön wenn auch darüber berichtet würde. Denn ich als Student möchte mich entschieden von diesen Aktionen distanzieren, wie vermutlich etliche 1000 weitere. Wie einige Vorredner schon sagten den 200 Hörsaalbesetzern stehen mehr als 30000 Studenten gegenüber, die sich bestenfalls für das Thema nicht intressieren.
14:42
Wie wäre es wenn die netten protestierenden Stundenten sich mal tatsächlich wie Studenten verhalten würden und nicht wie die hinterletzten Prolls?
Rumschreien, Geifern, andere Studenten fertig machen, die bei euerm Kindergartengeheule nicht mitmachen und einfach mal gegen ALLES sein.
Die restlichen 34800 Studis, die nicht mit euch zusammen Herrn Radtke anpöbeln, könnten sich mit dem Protest sicher besser idetifizieren, wenn ihr konstruktive Kritik üben würdet, gesittete Diskussionen führen könntet und realistische Forderungen stellen würdet. Aber das passt ja nicht zur tollen Revolutionsparty-Stimmung. Da könnte man euch ja eventuell für Menschen mit Bildung und Abi halten. Wie spießig!