Strafanzeige gegen den Ohnesorg-Todesschützen
22.05.2009 | 15:42 Uhr 2009-05-22T15:42:00+0200
Berlin. Der Student Benno Ohnesorg soll von einem Stasispitzel erschossen worden sein. Wie aus Dokumenten der Birthler-Behörde hervorgehen soll, war der Todesschütze Karl-Heinz Kurras bei der Stasi. Der Fall könnte nocheinmal die Justiz beschäftigen: Gegen Kurras wurde Strafanzeige gestellt.
Der Polizist Karl-Heinz Kurras, der 1967 in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, muss angesichts der Enthüllungen über seine mutmaßliche Stasi-Mitarbeit womöglich mit neuen Ermittlungen rechnen. Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) habe Strafanzeige wegen Mordes gegen Kurras gestellt, sagte ihr stellvertretender Vorsitzender Carl-Wolfgang Holzapfel am Freitag. «Wir wollen mit der Anzeige erreichen, dass der Fall neu aufgerollt wird und mögliche Verstrickungen der Stasi aufgeklärt werden», sagte Holzapfel der Nachrichtenagentur AFP.
Keine Indizen für Auftragsmord
Ob gegen den ehemaligen Beamten nun wegen Mordes und geheimdienstlicher Agententätigkeit ermittelt wird, werde die Staatsanwaltschaft ab kommender Woche prüfen, hieß es aus Berliner Justizkreisen. Das Landgericht Berlin hatte Kurras 1967 aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.
Laut «Deutschland Archiv» arbeitete Kurras seit 1955 für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Dies gehe aus Dokumenten hervor, die im Archiv der Stasi-Unterlagenbehörde gefunden wurden. Kurras hatte am 2. Juni 1967 am Rande einer Demonstration aus nächster Nähe auf Ohnesorg geschossen. Der Student erlag später seinen schweren Verletzungen. Sein Tod löste eine Radikalisierung der Studentenbewegung im Westen aus. Hinweise darauf, dass Kurras den Studenten im Auftrag der Stasi erschoss, gibt es nicht.
Der Historiker Arnulf Baring sagte am Freitag im ZDF-Morgenmagazin, Kurras habe mit seiner Tat «objektiv der DDR genützt». Nach seiner Überzeugung wären die von der Erschießung Ohnesorgs ausgelösten Studentenproteste aber nicht anders verlaufen, wenn damals schon die Stasi-Mitarbeit von Kurras bekanntgewesen wäre. «Die Studenten hätten das doch nicht geglaubt. Die hätten geglaubt, das sei eine typische Presselüge der Springer-Presse», sagte Baring in dem Fernsehinterview.
Der tödliche Schuss auf den Studenten Ohnesorg am Rande der Proteste gegen den Besuch des Schahs von Persien war Auslöser der Studentenunruhen und Proteste gegen den Springer-Konzern und damit letztlich auch für die 68er-Bewegung und die Außerparlamentarische Opposition (APO). Die neuen Erkenntnisse über Kurras fanden zwei Mitarbeiter der von Marianne Birthler geleiteten Stasiakten-Behörde in Berlin heraus, Helmut Müller-Enbergs und seine Kollegin Cornelia Jabs. Danach verpflichtete sich der Berliner Polizist am 26. April 1955 schriftlich zur Kooperation und Konspiration für den DDR-Staatssicherheitsdienst.
Als IM «Otto Bohl» geführt
Er erhielt demnach den Decknamen IM «Otto Bohl» und erklärte sich bereit, der Stasi Informationen aus der Westberliner Polizei zukommen zu lassen. 1962 habe er dann einen Antrag auf Mitgliedschaft in der SED gestellt, in die er nach einer zweijährigen Kandidatenzeit 1964 endgültig aufgenommen wurde. Die beiden Mitarbeiter der Stasi-Behörde gewannen ihre Erkenntnis aus insgesamt 17 Aktenbänden zum Fall Kurras. Ihr Bericht darüber erscheint in der am kommenden Donnerstag herauskommenden Ausgabe der Zeitschrift «Deutschlandarchiv».
Im «Heute Journal» des ZDF sagte Müller-Enbergs am Donnerstagabend, es gebe keine Hinweise darauf, dass Kurras von der Stasi mit dem Schuss auf den Studenten beauftragt worden sei, «und es erscheint auch nicht plausibel, dass er jemanden erschießen sollte». Nach dem tödlichen Schuss auf Ohnesorg war die DDR dem Bericht zufolge vielmehr besorgt, dass die Stasi-Mitarbeit auffliegen könnte. Das Ostberliner Ministerium für Staatssicherheit habe nach dem Tod des Studenten an Kurras gefunkt: «Material sofort vernichten. Vorerst Arbeit einstellen. Betrachten Ereignis als sehr bedauerlichen Unglücksfall.»
«Sind Sie das?» - «Kann sein»
Kurras wurde später im Prozess um den Schuss auf Ohnesorg vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Er lebt heute 81-jährig in Berlin. Vom ZDF mit dem Dokument über seine Verpflichtungserklärung konfrontiert und gefragt «Sind Sie das?», antwortete er: «Kann sein.» Seine Frau sagte jedoch, derartige Dokumente könnten auch gefälscht sein.
Neben der deutschen Unterstützung des US-Engagements im Vietnamkrieg führte nicht zuletzt der Tod Ohnesorgs dazu, dass sich Teile der APO radikalisierten, in den Untergrund gingen und schließlich in den Terrorismus abdrifteten. Eine terroristische Vereinigung bezog sich sogar mit ihrem Namen auf den Tod Ohnesorgs: Die «Bewegung 2. Juni», die den CDU-Politiker Peter Lorenz entführte. (ap)
19:55
Für alle, die genau wissen wollen, was es mit der Tötung von Benno Ohnesorg durch den Stasispitzel und Westberliner Polizisten Kurras auf sich hat: Wer im Onlinelexikon Wikipedia den Punkt „Benno Ohnesorg“ eingibt, kann bis zur Erschöpfung lesen: mit Namensangaben von Zeugen, Tatzeitpunkten, der vorhergehenden Brutalität der Berliner Polizei. Es sei jedem empfohlen, auch den Kommunistenfressern und unbelehrbaren Rechten, die auch hier teilweise ihren Senf dazugegeben haben, teilweise noch in falscher Ortografie. Mich hat nach 42 Jahren noch einmal das Entsetzen gepackt, wie menschenverachtend Polizei und Staat sein können und wie danach versucht wurde, alles zu vertuschen. Wussten Sie zum Beispiel, dass bei der Obduktion Ohnesorgs festgestellt wurde, dass man dem Toten das Schädelknochenstück mit der Einschussöffnung (im Hinterkopf!) entfernt hatte? Es wurde nie geklärt, wer dafür verantwortlich war. Die Sache wird immer mysteriöser. Und Kurras steht bis heute zu seiner Tat. Kein Zeichen von Reue.
17:31
Na da hat du ja das auf dich Passende gefunden.
16:47
@#57: Du sollst nicht falsches Zeugnis geben, wider deinem Nächsten.
Auch wieder sehr süß :-)
Ich habe auch noch einen: Wer die Wahrheit nicht erkennt, ist nur ein Dummkopf. Wer die Wahrheit eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher.
16:17
Diese Zeitung (WAZ) berichtet korrekt, sowohl online als auch in der gedruckten Ausgabe, dass der Todesschuss von Kurras Auslöser der Radikalisierung der Studentenbewegung der 68er Jahre war, damit auch indirekt für das Entstehen der RAF. Wie weit manche Leute in ihrem Hass auf die 68er gehen, zeigt sich in einem Onlinekommentar der Journalistin und Publizistin Bettina Röhl in der Springer‘schen „Welt“. Sie benutzt Kurras als Aufhänger, um diesem Hass Ausdruck zu geben. Jedem sei empfohlen, diesen Kommentar als abschreckendes Beispiel von Intoleranz zu lesen. Allerdings ist dieser Hass von Frau Röhl psychiatrisch verständlich - und damit wird sie eher zu einer tragischen Figur: Hat ihr doch die Studentenbewegung ihrer Meinung nach letztlich die Mutter genommen: Frau Röhl ist eine der beiden Töchter von Ulrike Meinhof.
13:51
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13:36
#57
Ich verzichte auf diene Moral, ich möchte Mensch bleiben. Dazu gehört unter Anderem Du sollst nicht falsches Zeugnis geben, wider deinem Nächsten.
13:09
Der Historiker und bekennende NPD-Sypathisant Arnulf Baring darf sich jetzt auch schon im Westen äußern. Wie schön! Ich dachte nur die Bild sei sich für solche Ausfälle nicht zu schade.
12:14
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11:25
@3, voltago
Klasse Kommentar. Die Kommis versuchen den menschenverachtenden Beitrag ihres Systems zu verschleiern, damit sie heute als brav und demokratisch wahrgenommen werden. Selbstverstaendlich sind sie das nicht. Leider kann Herr Knabe von Versuchen der Geschichtbildaenderung durch ehemalige MfS-Aer... berichten.
Kurras war ein Polizist und Stasi-Spitzel. Er hatte also eine sehr gute geheimdienstliche Ausbildung. Ihm zu unterstelle, er habe damals aus Affekt geschossen halte ich deshalb fuer ziemlich abwegig.
09:10
Glücklicher Freidenker!
Der Name sagt schon alles. Von jeder Wahrheit befreit.
Dich hat die Göttin der Verblendung geküsst.