Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Schwarzbuch 2009

Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an

15.10.2009 | 11:24 Uhr
Was der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch anprangert: das geplante Dortmunder Fußballmuseum, ...
Was der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch anprangert: das geplante Dortmunder Fußballmuseum, ...

Essen. Der Bund der Steuerzahler hat sich wieder auf die Suche nach schwarzen Schafen gemacht. Aus NRW kann der Verein im „Schwarzbuch 2009“ 16 Fälle nennen, in denen Land und Städte öffentliches Geld sinnlos verprassen. Auf der Liste sind das Fußballmuseum in Dortmund, die A 42 und das Zentral-Abi.

Viele städtische Haushalte sind gedeckelt, das Land legt Finanzämter und Polizeibehörden zusammen und in Berlin wissen die Neu-Koalitionäre nicht, wie sie ihre Wahlversprechen finanzieren sollen. Doch „überall findet die öffentliche Hand noch Möglichkeiten, die Kassen zu plündern“, kritisiert der Bund der Steuerzahler, der am heutigen Donnerstag sein neues Schwarzbuch „Die öffentliche Verschwendung“ vorgestellt hat. In Nordrhein-Westfalen ist der Steuerzahlerbund 16 Mal fündig geworden.

Vor allem das geplante Fußballmuseum in Dortmund ist dem gemeinnützigen Verein ein Dorn im Auge. Den Dortmunder Steuerzahler werde die „schönste Nebensache der Welt“ teuer zu stehen kommen, denn die Kosten würden überwiegend aus der Landes- und aus der Stadtkasse bezahlt. „So hat das Land zugesagt, von den veranschlagten 30 Mio. Euro Baukosten 18,5 Mio. Euro zu übernehmen. Den Rest zahlt der Deutsche Fußballbund“, schreibt der Steuerzahlerbund.

Das Internationale Fußballmuseum soll auf dem Gelände des Busbahnhofs am Hauptbahnhof entstehen. Foto: Luthe

Auch die Stadt habe zahlreiche Versprechungen gemacht, so wolle sie das Gelände des Busbahnhofs für das Museum kostenlos zur Verfügung stellen. Die Verlegung des Busbahnhofs sowie den dafür möglicherweise erforderlichen Neukauf eines Grundstückes wolle Dortmund aus eigener Tasche bezahlen – auch ohne die Kosten oder den Wert des Grundstücks zu kennen. Besonders heikel kann es für die Stadt werden, wenn das Museum Verlust macht. „Während der DFB seinen Anteil bei diesem möglichen Defizit aber auf eine bestimmte Summe beschränkt, wird die Stadt jegliche Summe übernehmen“, heißt es im Schwarzbuch.

Der Dortmunder Stadtrat Jörg Stüdemann kann die Aufregung nicht nachvollziehen: "Wenn es nur nach den Kosten ginge, wäre jedes Museum, jede Kultureinrichtung und jede Sportanlage in der Welt überflüssig." Er glaubt, dass der Fußball das Museum zu einem der wirtschaftlich erfolgreichsten in der Stadt machen wird. Und Stüdemann betont, dass Besucher wohl auch noch andere Angebote Dortmunds nutzen und damit Geld in der Stadt lassen werden.

Essen will keinen "Ohrenpark" finanzieren

Für Unmut sorgt beim Steuerzahlerbund auch der Plan, die A 42 aufzuhübschen. Für das Kulturhauptstadtjahr sollen die 50 Kilometer zwischen Oberhausen und Dortmund veredelt werden: Die fünf Autobahnkreuze der A 42 wollten die Planer in „Ohrenparks“ mit parkähnlicher Bepflanzung verwandeln. Ein reines Prestigeobjekt, sagt der Verein und rechnet vor: 40 Millionen Euro inklusive der Grünpflegekosten müssten dafür angesetzt werden. „Zahlen müssen für dieses Prestigeobjekt die Anliegerkommunen der A 42, das Land NRW und die EU“, lautet die Kritik. Lobend erwähnt der Steuerzahlerbund die Stadt Essen, weil diese ausschert und den „Ohrenpark“ im Autobahnkreuz Essen-Nord nicht mitfinanzieren will.

Auch das Schulministerium steht im Schwarzbuch 2009. Foto: WAZ

Prügel bekommt das nordrhein-westfälische Schulministerium oft, nun reiht sich auch der Bund der Steuerzahler in die Schlange der Kritiker ein. Die Qualitätssicherung für das Zentralabitur habe Schulministerin Barbara Sommer in die Hände einer externen Expertenkommission gelegt, zudem gebe es für jedes Hauptfach einen Fachkommission, die bereits an der Aufgabenentwicklung mitwirke. Kosten für die Experten: pro Jahr 500.000 Euro. Der Steuerzahlerbund stellt fest, dass Sommer ihren eigenen Mitarbeitern offenbar keine Verbesserung des Zentral-Abiturs zutraut. Und schließt die Frage an: Was machen diese Mitarbeiter nun eigentlich?

Das Schulministerium weist die Kritik zurück. "Nach Abschluss des Abiturverfahrens 2009 und dem Vorliegen aller Ergebnisse kann bilanziert werden, dass sich die Einsetzung der Unabhängigen Kommission bewährt hat", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Summe von 500.000 Euro pro Jahr entspreche bei zirka 65.000 Abiturienten einem Betrag von 7,70 Euro pro Absolventen. Das sei im Interesse der Schüler angemessen.

Weitere Verschwendungsfälle aus dem Schwarzbuch 2009:

Hagen: 930.000 Euro hat eine Showtreppe in Hagen gekostet. Die großzügig angelegte Freitreppe führt vom Rathaus hinunter an die Volme – allerdings nicht viel weiter. Von ihr führt ein wenig repräsentativer Weg lediglich einige hundert Meter am Ufer entlang.

Lüdenscheid: Der Lüdenscheider Sportverein „Die Turboschnecken“ hat ehemalige Fabrikhallen einer örtlichen Firma ersteigert, um daraus ein Sportheim zu machen. Doch für die Lüdenscheider Stadtkasse ist das Projekt riskant: Sollte das Land Fördermittel bewilligen, muss die Stadt für die nächsten 20 Jahre eine „zweckentsprechende Verwendung der Zuwendungen“ sicherstellen. Für jedes Jahr, in dem das Gebäude nicht als Sportstätte genutzt wird, haftet die Stadt mit knapp 90.000 Euro.

Die Treppe am Hagener Rathaus zur Volme.

Siegen: Ein weiteres Mal soll der Steuerzahler für das millionenteure Apollo-Theater zur Kasse gebeten werden. Der Rat der Stadt hat 69.000 Euro für eine Bestuhlung und den behindertengerechten Umbau des Apollino bewilligt, das ursprünglich nicht als vollwertiger Theaterraum vorgesehen war. Die Rechnung für das neue Konzept geht jetzt an den Steuerzahler und die nächste scheint auch schon geschrieben: Möglicherweise muss die Bühnentechnik für rund 435.000 Euro nachgebessert werden. Nach Redaktionsschluss für das Schwarzbuch erfuhr der Steuerzahlerbund, dass Bühnentechnik und weitere Nachbesserungen mit 680.000 Euro zu Buche schlagen.

Die Stadt Siegen erklärt dazu in einer schriftlichen Stellungnahme: "Die Bereitstellung der zusätzlichen Finanzmittel für das Theater war notwendig, da sich erst in der Praxis der ersten Spielzeiten erkennen ließ, dass es einen zusätzlichen Bedarf an (bühnen-)technischen Ausstattungselementen gibt." Außerdem verzichte das Apollo-Theater auf ein eigenes Ensemble. "Für die Gastspiele großstädtischer Ensemblebühnen werden jedoch zunehmend hohe Anforderungen an die technische Ausstattung gestellt. Da sich letztere seit der Eröffnung des Theaters weiterentwickelt haben, musste hier nachgebessert werden, nicht zuletzt auch, um Sicherheitsanforderungen zu entsprechen."

Einschätzung des Bunds der Steuerzahler

"Ob die Verschwendung zunimmt, kann man nur schwer sagen", erklärt Beate Berrischen, stellvertretende Sprecherin des Steuerzahlerbunds NRW. Die Art der Fälle habe sich allerdings verlagert: Bei vielen Vorhaben liege die Finanzierung in mehreren Händen - bei der Stadt, beim Land und auch bei der EU. "Diese Konstellation führt oft zu einer Kostenexplosion." Erstens werde die Finanzierung unübersichtlich, zweitens fielen Vorhaben oft größer aus, wenn die übergeordnete Ebene einen Zuschuss gebe. "Und ganz oft", so Berrischen, "weisen beispielsweise Städte jede Schuld von sich, indem sie darauf verweisen, dass das Land oder die EU das Projekt mitfinanziert." Geld der Steuerzahler bleibe es trotzdem.

Corinna Weiß

Empfehlen
Neueste Fotostrecken aus dem Ressort
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
Papst Benedikt wird 85
Bildgalerie
Kirche
25.000 feierten in DO
Bildgalerie
Turka-Festival
Populärste Fotostrecken aus dem Portal
Musik und Sonne pur
Bildgalerie
Moers Festival
Die wichtigsten Fotos der Woche
Bildgalerie
Bilder des Tages
Wave Gotik Treffen 2012
Bildgalerie
Kulturfestival
Das 10. Rock Hard
Bildgalerie
Festival
Super Sommerwetter lockte tausende ins Bremenstadion
Bildgalerie
Spax Cup 2012 Samstag
Neueste Fotostrecken aus dem Portal
Bruce Springsteen
Bildgalerie
Konzert
Fass Weitwurf
Bildgalerie
Brauchtum
Cheerleader
Bildgalerie
Cheerleading
Deutschland vor...
Bildgalerie
Fan-Artikel
Motorradfahrer gesegnet.
Bildgalerie
Biker im Dom
Facebook
 
Kommentare
04.11.2009
16:34
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von politikistverlogen | #32

Es sind doch nur Schulden, die verballert werden. Deutschland ist doch sowieso pleite und lernt nichts dazu. Auf 126 Seiten des neoliberalen und sehr verwässerten Koalitionsvertrages finde ich das Wort Sparen nicht. Jeder kleine Bürger muss sich in diesen Zeiten ernsthaft mit dem Sparen beschäftigen!

17.10.2009
11:14
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von Fischerort15 | #31

Zu einem aktuellen Beispiel für das kommende Schwarzbuch des BdSt koennen alle Interessierten mal ins schöne Emmerich am Rhein schauen, dort befindet sich seit kurzem eine asiatische Sauna für rd. 6 Mio€ der 100% städtischen Tochter EGD im Bau, sicherlich nicht unbedingt Grundaufgaben der Kommunen in der heutigen Zeit, woja ueberall gespart werden muss.

Uwe Went(auch für die BI gg die ASIA Sauna im öffentlich getragenen Embricana zu Emmerich am Rhein)

16.10.2009
10:32
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von DaDu | #30

Es ist wirklich ein guter Denkansatz Steuerverschwendung genauso wie Steuerhinterziehung zu bestrafen.
Nur was ist Steuerverschwendung wirklich? Ausgaben die viele für unvernünftig halten, einigen nicht passen, Geld wo sich später herausstellt das es unnütz ausgegeben wurde,, Mehrausgaben durch falsche (zu sparsame) Planung oder Dummeheit?
Oder ist die Beratungsresistenz der Planer und der Führung eines Vorhabens Schuld?

16.10.2009
00:44
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von vaikl | #29

@Ich27
Und wieso sollte das dann dem „Dortmunder Steuerzahler“ teuer zu stehen kommen??

Ich weiß nicht, ob Sie überhaupt Steuern zahlen, aber wie die meisten Dortmunder Bürger zahle ich meine Steuern zum großen Teil nicht an die Stadt, sondern an Land und Bund. Und damit zahlen wir alle die 18,5 Mios, die über das Land in ein überflüssiges Museum fließen und für wichtigere Dinge nun fehlen.

Daneben zahle ich als Dortmunder auch noch Abgaben, Gebühren, Versorgungskosten und evt. Gewerbesteuern direkt an die Stadt und ihre Töchter. Die wird dann damit trotz Haushaltssperre den Busbahnhof verlegen sowie die Projektierungskosten und die evt. Mindereinnahmen durch ausbleibende Besucherzahlen blechen müssen, obwohl das Geld an anderer Stelle viel dringender gebraucht wird und die Stadt um diese Notwendigkeit wusste, als sie den Deal mit dem DFB machte. Außerdem hat sie ein teures Sahnegrundstück einfach so verschenkt.

Und das alles mit der vordergründigen Behauptung, man erhoffe sich viele Besucher, die dann ihr Geld auch woanders in der Stadt lassen würden, obwohl die meisten großen Filialbetriebe der Einkaufsmeilen durch das bestehende Steuerrecht trotz ihrer Gewinne kaum noch Gewerbesteuern an die Städte zahlen.

Noch Fragen?

15.10.2009
20:35
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von Kackbrauner | #28

Ja, für 100000,00 € hat man noch ein Friedesnsfest incl. kostenlosem Konzert mit Bob Geldof auf die Beine gestellt. Das ganze hiess dann Gegen Rechts. Und das obwohl man schon von der enormen Verschuldung der Stadt wusste.

15.10.2009
18:13
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von Peter Buda | #27

Meine Rede: Die PolitikerInnen wollenn auf der Wiese der Geschichte ihre Häufchen hinterlassen; leider spült sie der nächste Regen weg....

15.10.2009
17:50
Blockierter Kommentar.
von Dr.Thor | #26

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.10.2009
17:12
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von Hans W. | #25

Was ist mit der neuen Bushaltestelle am Wittener Rathaus, wofür ein einfaches Haltestellenhäuschen gereicht hätte? Ein häßliches riesiges Dach für zwei Buslinien, und am anderen Ende der Fußgängerzone entsteht ein neuer Busbahnhof...

15.10.2009
15:59
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von Anybody | #24

#16
Nicht ganz richtig.
Wer Millionen Steuern hinterzieht,bekommt eine Abfindung,
Wenn sie vergessen KFZ-Steuern zu bezahlen kommt der Gerichtsvollzieher.

15.10.2009
15:11
Steuerzahlerbund prangert Verschwendung in NRW an
von seppppi | #23

Unsere Jugend kann nicht lesen, nicht schreiben und nicht rechnen-ist schippendämlich (siehe PISA) und wir bauen Museen, Theater und spielen Kulturhauptstadt. Nehmt das gute Geld für Aus-, Fort-, und Weiterbildungbildung. Aber bei Frau Sommer sind das dann bestimmt Selbstfindungsgruppen, Töfferkurse, Klettern und Klatschen ausgergeben.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/14525/create

Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...