Organspende
Steinmeier hielt Organspende lange geheim
23.08.2010 | 17:32 Uhr 2010-08-23T17:32:00+0200
Berlin.Schon seit einigen Jahren leidet Steinmeiers Ehefrau an einer Nierenerkrankung. Als die sich im Februar rapide verschlimmerte, entschloss sich Steinmeier zum Handeln: Er bot sich als Organspender an.
Vor der letzten Bundestagswahl, als der Kanzlerkandidat der SPD Frank-Walter Steinmeier hieß, fragte eine Illustrierte im Paar-Interview nach dem „Geheimnis Ihrer Ehe“, Steinmeier antwortete steinmeierisch: „Wir sind Menschen mit Maß – nicht überkandidelt, nicht übertrieben eitel – und reiben uns nicht täglich an Kleinigkeiten auf.“ Elke Büdenbender, seit 1988 an der Seite des früheren Kanzleramtsministers und seit 1995 mit ihm verheiratet, schien das nicht genug zu menscheln. „Und dann ist eines noch wichtig“, sagte die aus dem siegerländischen Salchendorf stammende Richterin dem Reporter, „wir lieben uns! Das ist einfach so.“
Einfach so ist in der Ehe Steinmeier/Büdenbender seit Montag gar nichts mehr. Weil seine Frau schwer nierenkrank ist, hat sich der Chef der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion zur Lebendspende entschlossen. Schon am Dienstag lässt sich der 54-Jährige in einer geheim gehaltenen Klinik operieren. Unmittelbar danach wird Elke Büdenbender die Niere ihres Mannes eingepflanzt. Ende Oktober will Steinmeier sich nach Möglichkeit wieder in der Politik zurückmelden; „in alter Frische“, wie er sichtlich angespannt selbst sagte.
In der SPD, die am Montag eigentlich das Reiz-Thema Rente mit 67 zu verhandeln hatte, wussten nur engste Vertraute, wie ernst es um die lebensfrohe und selbstbewusste Frau steht, über die Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, ein Freund der Familie, einmal sagte: „Sie hat eine wunderbare Eigenschaft – sie stellt etwas dar und nimmt sich doch selbst zurück.“
Steinmeier brach nach und nach sein Schweigen
Seit 14 Jahren schon hat Elke Büdenbender Probleme mit den Nieren. Im Februar dieses Jahres verschlechterten sich dem Vernehmen nach die Werte rapide. Die Ärzte rieten zum Handeln, am besten noch in diesem Jahr. Weil die Aussichten, auf die Warteliste für ein Spenderorgan zu kommen, gering waren, reifte bei Steinmeier der Gedanke, sich selbst als Spender zur Verfügung zu stellen. Im Juni begannen die umfangreichen medizinischen Tests. Resultat: Das kann funktionieren. Erst als der Termin für den Doppeleingriff feststand – Dienstag, 24. August – brach Steinmeier dosiert sein Schweigen.
Bereits Mitte vergangener Woche wurde Parteichef Sigmar Gabriel ins Bild gesetzt. Am Sonntag dann die engere Führung um Generalsekretärin Andrea Nahles und Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Später bat Steinmeier den dienstältesten Genossen im Parlament, den Gelsenkirchener Finanzexperten Joachim Poß (61), der 30 Jahre Parlamentserfahrung besitzt, vorübergehend die Leitung der Fraktion zu übernehmen. Ehrensache.
Die Partei reagierte behutsam und verständnisvoll. „Nimm Dir alle Zeit, die Du brauchst“, soll Steinmeier gesagt worden sein. Reaktionen, die ihm „gut getan haben“, wie einer aus dem engeren Gefolge feststellt. „Die Partei sieht, es gibt im Leben manchmal Wichtigeres als Politik.“ Der Fall Steinmeier/Büdenbender ruft nun publikumswirksam in Erinnerung, was die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) sonst nur bedingt in die Öffentlichkeit transportiert kriegt. In Deutschland warten 12 000 Menschen auf ein Organ, 8000 davon auf eine Spenderniere. Frank-Walter Steinmeier wollte seine Frau Elke nicht unnötig warten lassen. Sie lieben sich eben. Das ist „einfach so“.
09:17
@Tacco
Was für eine Frage. Steinmeier = Mensch aus dem öffentlichen Leben = Interessant für die Massen = Spektakel seitens der Medien.
09:04
In Deutschland werden täglich ca. 5 Lebendspenden durchgeführt. Allen Spendern gebührt Dank und Hochachtung! Genau wie Herrn Steinmeier! Was also macht diesen Einzelfall zu etwas Besonderem?!
08:10
Na das Medienspektakel stammt doch wohl eher von den medien. Das ist eine person des öffentlichen Lebens. Ist doch logisch, dass die Medien (!) versuchen, das auszuschlachten.
Ich glaube nicht, dass Steinmeier (den ich eigentlich überhaupt nicht mag) momentan daran denkt, die Situation medial auszuschlachten.
Wo bleibt eigentlich kuba4711 mit seinen menschenunwürdigen Kommentaren? Ist wohl noch zu früh für seinereiner.
07:57
Ich würde mal sagen hört auf r.kant. Wenn sich einer mit schäbigen und überflüssigen Kommentaren auskennt dann er.
Zu Steinmeier: etwas weniger Drama und Kitsch bitte, wer würde in dieser Situation nicht das gleiche tun?
06:32
Schönes Medienspektakel. Welcher Mann würde dies nicht für seine Frau tun??
04:04
Chapeau
Trotz Organspenderausweis (für den Todesfall) kann ich mir nur schwer vorstellen diesen Schritt zu tun ( bin allerdings auch ungebunden).
Frank Walter Steinmeier gebührt dafür menschlich Respekt - und wenn das der SPD ein paar Prozentpunkte bringen sollte wie ein Vorkommentator andeutet -dann finde ich das völlig ok - wenigstens ist das mal eine Aktion wo sich ein Politiker nicht hinter anderen versteckt und wo man sehen kann was Frank Walter Steinmeier wirklich wichtig ist.
Immerhin riskiert er für das woran er glaubt sein Leben.
Da ist wenigstens mal EIN MENSCH in der Politik der für etwas einsteht und bereit ist persönliche Konsequenzen für sein Handeln auf sich zu nehmen- etwas was ich seit langem vermisse in der Politik und der herrschenden Klasse allgemein.
Sich darüber jetzt zu mokieren und das nur für einen Werbe und PR-Gag zu halten finde ich obszön
Ich hoffe das dieser Schritt mehr Menschen über Transplantation nachdenken lässt und wünsche dem Ehepaar Steinmeier alles Gute
Freundschaft!
03:30
Ich denke Du würdest Dich für Deine Frau, Freundinn, Freund nicht aufschlitzen lassen. Das ist Liebe und hat mit Politik gar nix zu tun.
Dann lass das denken sein. Es kommt nichts vernünftiges dabei raus.
02:55
Es gab mal einen Tegetmeier (Jürgen Von Manger)
der sagte einen Satz,denn ich versucht habe immer anzuwenden Mensch bleiben
Aber der heutige Deutsche ist davon weit entfernt.
Er trampelt gerne auf Minderheiten,ist nur noch am 24-25 Dezember Sozial und spendet 5 Euro für Brot für die Welt und findet sich ganz toll ,dabei vergißt er aber das es in Deutschland Armenküchen gibt und in seiner Geiz ist Geil Mentalität wird auf alles verbal rumgeprügelt was nicht in seinem kaputten Weltbild passt.
Ob man Steinmeier mag oder nicht,spielt keine Rolle Er ist Mensch geblieben
Die Politikerschelte sollte man sich für später aufbewahren.
00:10
Toll, wie er das ganz bescheiden geheim hält ohne es politisch auszuschlachten. Wie er sich einfach eine Auszeit nimmt für seine Frau ohne seine Nierenspende in der Öffentlichkeit zwecks mehr Wählersymphatien kund zu tun. Das ist mal richtiges Politikerunderstatement.
Letztendlich ist diese Spende ja auch nichts bemerkenswertes sondern eine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht etwas mit dem man in den Medien hausieren muß.
Nebenbei bemerkt, würde ohne jegliche innerliche Zweifel mein Herz spenden um die Liebe meines Lebens zu retten. Das ich alleine durch diese Einstellung im Job oder privatem generell ein toller Mensch bin bezweifle ich allerdings.
23:40
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