Statt Sozialtickets billige Fahrkarte für alle gefordert
02.02.2010 | 09:26 Uhr 2010-02-02T09:26:00+0100
Bochum. Das von CDU und Grünen geplante Sozialticket im VRR hat eine heftige Kontroverse ausgelöst. Während viele Politiker quer durch fast alle Parteien das Billigticket für Bedürftige begrüßen, ist der schwarz-grüne Plan für viele Nahverkehrs-Praktiker ein rotes Tuch.
Einer der bisher heftigsten Kritiker ist Burkhard Rüberg. Der Vorstand des Bochumer Verkehrsunternehmens Bogestra rügt im Gespräch mit dieser Zeitung vor allem die unklare Finanzierung der geschätzten 30 bis 40 Millionen Euro im Jahr: „Es gibt kein Sozialticket, das sich von allein finanziert. Und sollte die Finanzierung zu Belastungen der Verkehrsbetriebe führen und damit auf dem Rücken unserer Belegschaft ausgetragen werden, habe ich dafür nur einen Begriff: politisch sittenwidrig.“
Rüberg ist sich da mit dem Bogestra-Betriebsrat einig. Seit 2002 hätten die Mitarbeiter durch neue Tarifverträge und Produktivitätssteigerungen rund 60 Millionen Euro an Einsparungen erbracht. Wenn die Bogestra-Beschäftigten jetzt durch die ungedeckten Kosten eines Sozialtickets weitere Belastungen tragen müssten, sei das unsozial.
Rüberg begründete seine Befürchtungen damit, dass die Städte als Defizitträger der kommunalen Verkehrsbetriebe Einnahmeverluste durch verbilligte Tickets nicht ausgleichen könnten. Bei einem Rabatt für das Sozialticket von 50 bis 60 Prozent sei es unwahrscheinlich, dass es so viele Neukunden geben werde, die diesen Einnahmenschwund bei den Verkehrsbetrieben ausgleichen könnten.
„Wir wollen keine zusätzliche Bürokratie“
Sauer stößt dem Bogestra-Chef auch auf, dass es künftig verbilligte Tickets für den Spitzenverkehr am Morgen geben soll. „Da sind unsere Busse und Bahnen schon jetzt voll. Zusätzliches Personal und Einsatzwagen kosten zusätzliches Geld.“
Kämpferisch gibt sich Rüberg auch aus einem anderen Grund: „Ich werde nicht mit ansehen, wie wir als Nahverkehrsunternehmen zu einer Art Finanzamt mutieren. Sollte das Sozialticket wie geplant kommen, hätten wir künftig nicht mehr nur Kunden und Fahrgäste, sondern auch Antragsberechtigte, deren Einkommen wir überprüfen müssten. Wir wollen keine zusätzliche Bürokratie.“
Hinzu käme eine Stigmatisierung der Fahrgäste: Wer das Sozialticket beim Einstieg in Bus oder Bahn vorzeige, werde sofort als arm erkannt. Burkhard Rüberg: „Das wollen wir nicht.“ Der Bogestra-Vorstand plädiert deshalb für ein „Einsteigerticket“. Diese Monatskarte könnte auf bestimmte Vorzüge wie Übertragbarkeit oder Personenmitnahme verzichten und von allen Menschen abonniert werden. Entschieden wehrte sich Rüberg gegen den Vorschlag, andere Fahrkartenarten stärker zu belasten oder die Seniorenkarte, das so genannte Bärenticket, ganz zu streichen. „Es geht nicht, dass im VRR künftig Kundengruppen bei der Finanzierung des Sozialtickets gegeneinander ausgespielt werden.“
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