Statiker: Einsturz war nicht vorhersehbar
04.03.2009 | 14:37 Uhr 2009-03-04T14:37:00+0100
Köln. Der Einsturz des historischen Archivs der Stadt Köln war nach Ansicht eines Statikers in seinem Ausmaß nicht vorhersehbar. „Senkungsrisse erklären nicht, was da passiert ist“, sagt Ingenieur Dr. Hans-Jürgen Krause im Gespräch mit DerWesten.
Vorhersehbare Katastrophe oder trauriger Zufall? Nach dem Einsturz des historischen Stadtarchivs in Köln wird darüber spekuliert, ob das Unglück sich vorab angekündigt hat. Die Senkungsrisse im Gebäude, die laut dem ehemaligen Abteilungsleiter Eberhard Illner schon länger zu sehen waren, „erklären nicht, was da passiert ist“, sagt der Aachener Statiker Hans-Jürgen Krause im DerWesten-Interview. Der Zusammenbruch sei in seinem Ausmaß nicht abzusehen gewesen, meint der Ingenieur. „Der Einsturz hat eine ganz andere Qualität als die Senkungsrisse. Die allein gefährden nicht die Statik eines ganzen Gebäudes.“
Eindeutig in eine Richtung gekippt
Dass der Einsturz des vierstöckigen Archivgebäudes mit den U-Bahn-Bauarbeiten unter der Severinstraße zusammenhängen, davon ist Krause, der als beratender Ingenieur arbeitet, indes überzeugt. „Ich gehe davon aus“, sagt er, „dass eine Veränderung an der U-Bahn-Röhre oder am unterirdischen Bahnhof zu dem Zusammenbruch geführt hat.“
Das Gebäude sei eindeutig in eine Richtung gekippt, regelrecht aus der Häuserzeile rausgerissen worden. „Wir sprechen in so einem Fall von ‚Grundbruch’“, erklärt der Ingenieur. „Die Erde unter dem Haus steht unter Last. Wenn sie in einen Hohlraum, in diesem Fall wohl die Baugrube, ausweichen kann, fällt das Gebäude in das entstehende Loch.“
Unterirdische Bauweise "technisch schwierig"
Die in einem Archiv naturgemäß hohe Drucklast – im Kölner Stadtarchiv waren allein 18 Regalkilometer Akten und Dokumente untergebracht – ist nach Einschätzung des Statikers dagegen nicht ursächlich für den Einsturz gewesen. „Wenn eine Überbelastung im Gebäude selbst aufgetreten wäre, wäre nicht das komplette Haus zusammengefallen.“
Dass der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) am Tag nach der Katastrophe bereits U-Bahn-Bauten in Städten im Allgemeinen infrage stellt, hält Hans-Jürgen Krause für übertrieben. Natürlich sei eine unterirdische Bauweise technisch besonders schwierig. „So schlimm und traurig das im Einzelfall ist“, sagt der Statiker, „so eine Technik birgt immer ein gewisses Risiko.“ Und er zieht vorsichtig einen Vergleich: Niemand komme auf die Idee, nach einem schweren Verkehrsunfall Autobahnen abschaffen zu wollen.
Endgültige Antworten auf die Frage nach dem Warum werde die genaue Untersuchung in den kommenden Tagen bringen, sagt Hans-Jürgen Krause. „Das wird schnell gehen, davon gehe ich aus.“
17:45
Fatal ist, dass durch die Aussage dieses Experten der Eindruck erweckt wird, der liebe Gott sei schuld. Das ist aber mitnichten der Fall. Auch ein durchschnittlich begabter Laie kann nachvollziehen, dass ein senkrechter Riß nicht unbedingt dazu führt, dass ein Gebäude vornüber in eine Grube kippt.
Bei dem Kölner Vorhaben muß aber die Bodenbeschaffenheit insgesamt stets mit in die Beurteilung einfließen. Konsequent wäre gewesen, bereits vor Baubeginn entsprechende Berechnungen durchzuführen und Worst Case Szenarien zu entwickeln. Grundwasserentzug wird ja schließlich schon lange nicht mehr so unbekümmert gehandhabt wie in Köln.
Es erfordert aber politischen Mut, solche Szenarien zu bewerten und auch die Kosten zu beziffern.
Mit seiner isolierten Betrachtungsweise macht sich Herr Dr. Krause zum Büttel des Bauherrn!
13:39
Das Ganze ist ja kein Einzelfall! Viele Schäden sind ja sichtbar und können weitere schwere Folgen haben. Wer hat diesen Statikern vertraut??? Jetzt will es keiner gewesen sein. Wie immer!
23:46
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23:46
..es gibt sog. Kurzzeitsetzungen, nahe am Errichtungsdatum, hierbei wird durch den Baufortschritt der Boden weiterverdichtet wodurch er erst tragfähig wird und langfristige Setzungen, wobei Überspannungen aus dem Zusammenpressen sich entladen, der Boden gering nachverdichtet wird oder ausweicht. Durch Erschütterungen, natürlicher oder künstlicher Art kann der Boden sich immer wieder setzen oderauch seitlich verschieben und nicht zuletzt durch Änderungen des Grundwasserspiegels, auch Hier natürlichen Ursprungs (Rhein), aber auch durch übliche Grundwasserbeeinflussungen bei tiefen Baugruben. Hier ist etwas anderes passiert. Vereinfacht ist der Boden unter dem Haus wie Luft in einem Ballon zu sehen, der allseitig gestützt ist in einem Karton, ähnlich wie bei der Luftfederung. Kann die Luft (also das Erdreich) nicht weg, steht das Haus stabil, fehlt eine Seite des Kartons plötzlich (hier Erdreich, was im Schacht weggenommen wurde) weicht der Ballon (also die Erde unter dem Haus) seitlich aus. Es entsteht ein weicher fließender Boden, das Haus sinkt ab und stürzt ein.
Ein Gutachter kann auf die Gefahr eines Grundbruches hinweisen - und normalerweise sollte dies in Planungen berücksichtigt sein, aber da dies ein plötzliches Ereignis ist, war zum Zeitpunkt des Gutachtens dieses eben nicht akut vorhersehbar.
Kommen sie mal nach Herne, da sind Risse fester Bestandteil einer guten Architektur
23:07
Ursache und Wirkung!
Natürlich sind Setzungsrisse nichts ungewöhnliches, aber ein Gebäude das seit Jahrzehnten fertigstellt ist und dann Setzungsrisse auftauchen?
Da wäre der Statiker lieber Gärtner geworden!
Da kann ich doch nicht nur ein Gutachten erstellen das zum Zeitpunkt des Gutachten keine Einsturzgefahr besteht.
Hier muss ich doch auch nach der Ursache forschen!
Das ist grob fahrlässig und gemeingefährlich!
22:36
...es sollten sich hier nicht Gärtner zur Statik äußern. Senkungs- oder Setzrisse treten häufiger auf und sind im Wesentlichen unbedenklich. Warum werden sachliche, durch Ausbildung fundierte Kenntnisse durch Phrasen und Halbwissen in Frage gestellt?
20:39
Wahrscheinlich werden wieder ein paar Bauarbeiter zu Bauernopfern gemacht.
19:40
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19:23
Einfach lächerlich die Aussage
Warum gab es denn die Senkungsrisse? Ein Haus bekommt diese Senkungsrisse und ein Statiker prüft nur ob das Haus noch stabil ist. Das ist doch wohl der Hammer!
Fragt man sich da nicht warum diese Risse entstehen? Was sich da im Untergrund abspielt, es muss doch einen Grund geben warum Urplötzlich solche Risse entstehen!
Momentan sieht es doch so aus, dass es durch den U-Bahn-Bau zu einem unterirdischen Erdrutsch gekommen ist und das Archiv dadurch eingestürzt ist.
Der gute OB Schramma soll mal lieber den Ball flach halten, ist doch merkwürdig dass er als Oberbürgermeister vorher nichts unternommen hat!
18:55
#4:
was soll das denn? Herr Illner hat seine Vorgesetzten beharrlich mit dem Thema konfrontiert, die wiederum die zuständigen Behörden informierten. Mehr kann ein Arbeitnehmer, der seinem Arbeitgeber zur Loyalität verpflichtet ist, nicht tun.
Jetzt den Boten zum Schuldigen zu stempeln, ist ja wohl das allerletzte !!!!!