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Vortrag über den Historiker Ernst Nolte

Auf einem schmalen Grat

Witten, 22.10.2008, Börries Hornemann
Die Schatten der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands sind noch lange nicht verblasst. Allerdings ist die Debatte um die historische Darstellung weitestgehend aus den Medien verschwunden. Da ging es in den vergangenen Jahrzehnten anders zu.

Einen kleinen Anklang dieser alten Zeiten konnte man am Dienstag beim Vortrag Wilhelm Hackes im Märkischen Museum erleben. Auf Einladung des Vereins für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark sprach der ehemalige Lehrer über den bekannten Historiker Ernst Nolte. Schon die Vortragsankündigung deutete an, was der Abend bringen sollte: „Ernst Nolte - ein verfemter Geschichtsdenker aus Witten”. Der durch den 1986 von Nolte vom Zaun gebrochenen „Historikerstreit” bekannte „Geschichtsdenker”, wie er sich selbst nennt, ist heute nicht nur in Fachkreisen äußerst umstritten. Nolte wurde 1923 in Witten geboren, doch schon kurze Zeit später zog die Familie weg. Der nun veranstaltete Abend zum 85. Geburtstag hatte somit einen etwas konstruierten Ortsbezug. Dennoch: Nolte bietet auch ohne Bezug Anlass, sich der Frage nach der NS-Vergangenheit zu stellen.

Streitfall Ernst Nolte
Ernst Nolte wurde vor allem mit einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bekannt, in dem er Faschismus, Bolschewismus und Kommunismus verglich und in enge Beziehung setzte.

Die Wogen schlugen hoch – und auch heute noch polarisiert der 85-jährige Historiker.  Den wissenschaftlichen Eigenweg Noltes, der ihm oft als unwissenschaftlich angekreidet wird, sieht er selbst nicht rein auf die Historie beschränkt. Vielmehr ist es für ihn eine philosophische Frage, wie man mit der NS-Vergangenheit umgeht. So bezeichnet er sich selbst als Phänomenologen – in Anlehnung an seinen Philosophielehrer Martin Heidegger. Als Nolte 2000 der Konrad-Adenauer-Preis für Wissenschaft überreicht wurde, weigerte sich Angela Merkel, die Laudatio zu halten. Die Auszeichnung mit diesem Preis beschreibt gleichwohl eine besondere Würdigung. bbh

 

Das nahm auch die linke Szene Wittens ernst und erschien vielzählig. So bestand etwa die Hälfte des Publikums aus vornehmlich jungen Skeptikern. Wilhelm Hacke sprach weitgehend sachlich, den Historikerkollegen in seinem Werdegang darstellend. Dabei war er bemüht, von einer Schlagwortdebatte weg zu kommen, was leider nicht immer gelang. Und schon bald kamen kritische Zwischenrufe: „Begründen Sie das doch mal”. Da war der Abend noch keine halbe Stunde alt.  Als Veranstalter bat Prof. Heinrich Schoppmeyer immer wieder um Ruhe. Fortan aber wurde das Zuhören durch Unmutsbekundungen erschwert. Dieses sensible Thema konnte somit nicht ohne Emotionalität bleiben. Dabei trugen das „Bündnis gegen Rechts” und der Verein „Trotz Allem” nicht zur Nüchternheit der Debatte bei, hatten sie doch im Vorfeld aufgerufen, die Veranstaltung kritisch zu begleiten und gegebenenfalls Unmut zu äußern.  Als Hacke berichtete, Nolte habe den Hass gegen Juden als nicht unbegründet angesehen, platzte einigen Zuhörer der Kragen. Bis in persönliche Anfeindungen ging es drunter und drüber. So dauerte das Gespräch nach dem Vortrag entsprechend lange.  Und eines muss sich Wilhelm Hacke fragen lassen: Kann man bei einem Abend über einen derart zwiespältigen Geschichtler die Gegenpositionen, deren es unzählige gibt, so leichtfertig übergehen und derart selektiv nennen? Es blieben die Fronten verhärtet und ein wirklicher Diskurs kam leider nicht zustande.

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