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Rolle der Geschlechter

"Ich bekenne mich schuldig"

Siegen, 14.09.2009, Christiane Luke
Blonde lange Haare, enger Rock und High-Heels. So betritt Eva Herman (50) in Begleitung des männlichen Organisationsteams den großen Saal der Stadtmission Siegen-Hammerhütte. Ihr Thema: Die Rollen der Geschlechter.

Nicht alle der rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer wussten nach eigenem Bekunden etwas mit dem Begriff „Gender Mainstreaming” anzufangen. Damit bezeichnet das deutsche Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechterrollen von Frauen und Männern. Die ehemalige TV-Moderatorin findet jedenfalls, dass es das größte Menschenexperiment unserer Zeit ist.

„Frauen sind

überfordert”

Die Hamburgerin und frühere Tageschausprecherin Eva Herman versucht, die Informationslücken zu schließen. Sie referiert über ihre kontrovers diskutierten Thesen zum Thema Geschlechterrollen – unter anderem über die ihrer Meinung nach negativen Wirkungen weiblicher Berufstätigkeit auf die Kinder.

Das Buch der gelernten Hotelkauffrau „Das Eva-Prinzip” erschien 2006. Auf Grund des erheblichen öffentlichen Protestes, des ihre Äußerungen auslöste. trennte sich der NDR 2007 von der Fernsehmoderatorin. Eva Herman im Rückblick: „Es liegen turbulente Jahre hinter mir.” In vielen Klageverfahren hat sie durchgesetzt, dass niemand mehr behaupten darf, sie habe das Dritte Reich gelobt.

Die in vierter Ehe verheiratete Hamburgerin entstammt nach eigenen Angaben einem „frommen Elternhaus”: „Gott erkannte ich leider erst in meiner einzigen Schwangerschaft. Gerne hätte ich drei Kinder gehabt.” Während dieser Schwangerschaft entstand auch „Das Eva-Prinzip”. Eine ihrer Erkenntnisse: Frauen führen einen aussichtlosen Kampf in einer männerdominierten Welt.

Eva Herman, die nicht mehr mit dem Vater ihres Sohnes zusammen lebt, ist in vierter Ehe mit dem Hotelier Michael Bischoff verheiratet. Große Sorgen machte sie sich trotz der eigenen Erfahrungen um die vielen Ehescheidungen und die daraus entstehenden Patchwork-Familien in Deutschland. Die bis 2007 berufstätige Mutter: „Frauen sind überfordert, müde und ausgelaugt.” Heftiges Nicken im Saal unterstützte diese Feststellung.

Große Hoffnungen hat die Autorin auch nicht mehr in Bezug auf den Fortbestand unserer Gesellschaft: „Unsere Geburtenrate sinkt und sinkt und sinkt.”

„Wir brauchen

Humankapital”

Die deutschen Karrierefrauen würden zu 40 Prozent keine Kinder bekommen. Eva Hermann: „ Wir brauchen Humankapital – wir brauchen Kinder". Doch wir sind in Deutschland laut Refeferentin offensichtlich noch gut dran. „In England erreichen die Kindermorde Höchstquoten.”

Schnell schießt sie sich auf die Feministinnen ein. Eindrucksvoll hebt sie die Stimme: „In Deutschland brodelt es. Jeder möchte dem anderen die Verantwortung zuschieben. Frauen haben einen großen Anteil daran. Ich bekenne mich auch schuldig."

Ihrer Meinung nach sollen die Frauen zu Hause bei den Kindern bleiben und die Männer hinaus in die gefährliche Berufwelt gehen. Der Staat solle dafür den Familien finanziell kräftig unter die Arme packen. „Papa hat dann auch wieder mehr Selbstbewusstsein, wenn er auf seinen Lohnzettel schaut”, findet die ehemalige NDR-Talkerin.

Hinter all dem Ungemach steht für sie offensichtlich ein großes Feindbild – eben jenes Gender Mainstreaming. Auch hier findet Eva Herman schnell einen Schuldigen: Die Europäische Union.

Die prominente Referentin kennt die Folgen der Gleichberechtigung ganz genau und verschweigt sie nicht: „Sogar in naturwissenschaftlichen Fakultäten wird alles dafür getan, dass die Frauen die gleichen Stellenanteile bekommen sollen wie die Männer."

Männer werden nach Ansicht der Referentin allerdings „verweiblicht”. Dazu habe die von der deutschen Familienministerin Ursula von der Leyen verordneten zwei Monate Elternzeit für die Väter geführt.

„Warmes Nest für

Kinder und Mann”

„In anderen EU-Ländern ist es aber noch schlimmer. Sieben Monate Elternzeit für die Mutter und sieben Monate für den Vater", beruhigt die Hamburgerin die gebannt zuhörenden Mitglieder der Gemeinde der Stadtmission Hammerhütte. „Fakt ist, die egoistischen Frauen nehmen alles, was sie kriegen können, statt für Kinder und Mann ein warmes Nest zu bauen."

Eines gibt die Buchautorin allerdings zu: „Männer können es auch, aber es ist bei ihnen nicht angelegt."

Eine Frage lässt die engagierte Familienfrau Herman während ihres Vortrages aber offen: Wer hat eigentlich am Wochenende, als sie in Siegen war, auf ihr eigenes Nest in Hamburg aufgepasst?

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