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Integration

Zuwanderung ist die Zukunft

Oberhausen, 26.06.2009, Andreas Eichhorn
Bei der internen Podiumsdiskussion der Migrationsräte über die „Integrationsregion Ruhr” diskutierten Experten und Politiker.

Wir haben ein Problem. Ein großes Problem. Wenn das der Direktor des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung und Medien sagt, wird da schon was dran sein. Und Martin Pape redet wirklich eindringlich auf die etwa 100 Gäste der Fachtagung über die „Intergrationsregion Ruhr” ein.

„Wenn wir nicht bis 2050 mindestens 50 Millionen Zuwanderer aufnehmen”, sagt Pape, „wird es uns nicht gelingen, unseren Status zu halten.” Das war die große Stärke der gesamten Diskussion, die der Oberhausener Migrationsrat und der Mülheimer Integrationsrat am Mittwochabend im Ebertbad auf die Beine gestellt hatten: Dass nicht einfach vor irgendwelchen Problemen gewarnt wurde, die uns irgendwann einmal treffen könnten. Die Beteiligten stellten ganz konkrete Rechnungen auf – allen voran der charismatische Martin Pape. „Mich interessiert nicht, dass wir schrumpfen”, stellt er klar. „Mich interessiert die Überalterung.” Gut 40 Jahre alt sei der Deutsche im Schnitt, der Iraner gerade mal 21, der Palästinenser 19. Wenn dieser Schnitt nicht durch zwei Millionen jährliche Einwanderer kompensiert werde, hätten nicht nur die öffentlichen Haushalte, dann hätte jeder Einzelne ein Problem: Verarmung. Vor diesem Hintergrund könne es sich eine Gesellschaft nicht leisten, Kinder von Migranten durch den Rost des Bildungssystems fallen zu lassen. Wer dies zulasse, der nehme auch einen wirtschaftlichen Verlust von bis zu 80 Prozent in Kauf, so Pape.

Den Tipps der Experten standen an diesem Abend die Bestrebungen der Politiker gegenüber. OB Klaus Wehling spielte Papes Bildungs-Verweis in die Karten. Schließlich gehöre Bildung zu seinen drei Schlüsselbegriffen: „Arbeit, Bildung und Chancen.” Allerdings verwies Wehling auch auf die schon oft ins Feld geführten begrenzten Möglichkeiten der Kommunalpolitik: „Visionen sind wichtig, aber bei 1,7 Millionen Schulden gibt es kaum Möglichkeiten kommunaler Selbstverwaltung.” Es war die Reaktion auf eine weitere Empfehlung Papes: intensivere kommunale Zusammenarbeit. „Warum richten Sie denn keinen Fonds ein, der garantiert, dass kein Migrant ohne Schulabschluss bleibt?” Die dafür von Arbeitgeber und Kommunen investierten 400 Millionen würden sich in Kürze auszahlen.

In der Zusammenarbeit der Kommunen habe sich bereits einiges getan, zu diesem Schluss kamen die Vertreter der Politik an diesem Abend einhellig. Nicht nur Dortmund und Duisburg, auch Oberhausen und Mülheim arbeiteten bereits viel besser zusammen als vor vielen Jahren, sagte Ulrich Ernst, Dezernent in Mülheim. Vor allem die Zusammenarbeit der Migrantenräte sei zu loben, ergänzte der Beigeordnete Reinhard Frind.

Dass ein Umdenken nötig sei, wenn es um Migration gehe, führte Asli Sevindim, Direktorin des Themenfeldes „Stadt der Kulturen” der Kulturhauptstadt 2010, den Anwesenden vor Augen. Es dürfe nicht sein, dass Deutsche sich von Migranten unterschieden und diese als „etwas, das passend gemacht werden muss” betrachteten. Dabei müssten sie unbedingt dazugehören und in eine zukünftige Definition von „deutsch” eingerechnet sein. Sevindim: „Das ist kein Luxusproblem, sondern eine Standardaufgabe.”

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