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Kulturnacht - Schlaflos in Oberhausen

Weiter so - am besten mit Frühstück

Oberhausen, 25.10.2009, Gudrun Mattern
Die Resonanz auf den Kultur-Marathon war durchweg positiv. Jemanden, der nicht zufrieden gewesen wäre, habe ich nicht getroffen, weder im Shuttle-Bus, noch an einer der Haltestellen, noch an einer der vielen verschiedenen Kultur-Tankstellen.

Ob Bekannte oder Fremde - alle, die mir zwischen 19 und 1.30 Uhr begegneten, rufen den Organisatoren zu: Weiter so!

Schlaflos in Oberhausen: Das LVR-Industriemuseum war eine Station, Schmied Frank Gonda bei der Vorführung. Foto: Christoph Wojtyczka (WAZ FotoPool)
Schlaflos in Oberhausen: Das LVR-Industriemuseum war eine Station, Schmied Frank Gonda bei der Vorführung. Foto: Christoph Wojtyczka

„Mitmachen und weitersagen", empfiehlt Markus Schürmann. Mit seiner Frau Sylvia treffe ich ihn gegen 22 Uhr im Hof des K14. Beide wollen jetzt sehen, was die Jungen Wilden so treiben, wollen eigentlich schon wieder gehen, doch als sie hören, dass die Performance gleich beginnt, bleiben sie noch. Vom SchlaflOs-Auftakt an sind sie unterwegs, haben die Eröffnung am Bert-Brecht-Haus erlebt, dann ein bisschen in eine der Lesungen hineingehört, sich aufgemacht zum Bunker. „Die Führung ist schon beeindruckend. Wenn man sich vorstellt - 700 Menschen da drin. Meine Mutter würde die Besichtigung heute noch nicht überstehen", so Markus Schürmann. Die beiden waren auch schon im Schloss.

„Was für ein Gegensatz, dort und hier!" Schürmanns sind sicher: „So eine Kulturnacht lebt von der Tradition. Sie müsste eigentlich bis zum Morgen dauern und mit einem guten Frühstück zu Ende gehen!"

Im Schloss haben Andrea Drothler und ihr Begleiter die Kultur-Nachttour begonnen. Ich treffe sie gegen 22.30 am Shuttle-Haltepunkt Hauptbahnhof, Gleis 10. „Sabine Falkenbach macht die Führung seht gut", urteilt Andrea Drothler. „Bringt’s nett rüber." Ein „schöner Einstieg" sei das gewesen. Und: „Die Artothek ist wirklich toll! Eine Chance, mal andere Bilder an die Wände zu bekommen." Wie war’s im Theater? „Reinhoppen ist ja witzig, aber ich gucke mir eine Aufführung doch lieber von vorn bis hinten an. Na ja, so eine Komödie mit viel Musik ist schon am ehesten dafür geeignet." Geht’s noch weiter? „Na klar, zum Bunker, wir müssen alles sehen!"

In der Galerie Kir (Kunst-Initiative-Ruhr e.V.): Nadine Schober und Oliver Schütz malen im Rhythmus der Musik. Foto: Christoph Wojtyczka (WAZ FotoPool)
In der Galerie Kir (Kunst-Initiative-Ruhr e.V.): Nadine Schober und Oliver Schütz malen im Rhythmus der Musik. Foto: Christoph Wojtyczka

Bekannte aus Berlin hat Petra Rockenfeller, Leiterin des Lichtburg-Filmpalasts, mit auf die Kultur-Tour genommen. „Och ne, ich bin privat hier", wehrt sie sich dagegen, etwas zu beurteilen, weil sie ja immer im Mittelpunkt steht, wenn’s um Kinofragen und Filmfeste geht. Aber - na gut: „Wir waren im Gasometer. Es war toll, besonders dieser Klang der Alphörner. Von der Eröffnung an sind wir unterwegs. Im K 14 haben mir die Bilder sehr gut gefallen. Jetzt wollen wir zum Theater, zum guten Schluss." Soll’s mit der Kulturnacht weitergehen? „Natürlich, keine Frage! Der Shuttle ist klasse, man trifft Leute, kann von den Eindrücken anderer profitieren."

Meine Eindrücke: Das Feuerwerk zum Auftakt war doch ein Hit, kurz zwar, aber beeindruckend wegen der passenden Musik. „War’s das?", fragten schon einige Leute doch dann kam er, der Sternenregen. Das hatte was.

Ebenso wie die Kombination von Lego und vampirischen Gruselgeschichten in der Bibliothek. Sie ist gedacht für Kinder. Aber die Erwachsenen wollen nicht gehen. Nicht nur als urgemütlich, sondern auch als köstlich entpuppt sich der Besuch im VHS-Foyer, wo die Jugend-Ausstellung „Mach dich gemütlich" als Ambiente zum Bleiben anregt und wo es leckere Häppchen gibt.

In der Galerie Kir haben viele Leute Lust, nach Mozarts (Wolfgang Müllers) auf dem Klavier gespielter Musik zu malen und - wichtiger für die Anbieter - sich die dort ausgestellten Bilder anzusehen.

Den Jungen Wilden vom Kunsthaus, allen voran Stefan Becker und Annika Sonntag, ist es gelungen, viele junge Leute anzuziehen. Sie fordern heraus - mit großem Können und großformatigen Bildern, die schonungslos aufdecken, was in unserer Gesellschaft geschieht.

Zum Beispiel: „Halscher Fase" von Annika Sonntag. 2.50 mal 1,80 Meter groß prangt das Werk an der Wand. Öl auf Leinwand. Flächig gemalt. Dass niemand so was ins Wohnzimmer hängt, braucht die junge Künstlerin eigentlich nicht zu sagen. Aber, dass es beeindruckt, stimmt. Das Auge des Hasen straft Sie, weil Sie sich den Akt zweier Männer anschauen, der sich unter dem Baum abspielt, auf dem das Tier sitzt. Sie können seinem Blick nicht entkommen!

Wolfgang Müller am Klavier. Foto: Christoph Wojtyczka (WAZ FotoPool)
Wolfgang Müller am Klavier. Foto: Christoph Wojtyczka

Es ist 1.30 Uhr und die Stadt wirkt tot. Der letzte Shuttle hat seinen Dienst versehen. Wo ist noch was los? Im Gdanska natürlich. Da sind noch Nachtschwärmer wie Angelika Werner, die Leiterin des Atelier-Theaters. Sie ist zufrieden mit ihrer Performance in Mensch-Omma!-Manier und mit dem Tanz für die Altersgruppe 40 plus. „War schön." Am Tresen sitzt Salon-Löwin Ulla Langenbrinck, positiv gestimmt. Die Kulturnacht hat sie motiviert, literarisch im Kultur-Jahr 2010 alles zu geben.

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