Führung durch Ausstellung der Ralf-König-Comics
Oberhausen, 20.10.2009, Julia Stollenberg
Seit einem Monat ist die Ludwig Galerie im Schloss Oberhausen ein Comic-Dschungel. Ralf König, bekannt durch die Comicvorlage des Films „Der bewegte Mann”, lässt seine knollnasigen Figuren in zahlreichen Comicstrips von den Wänden blicken. Tagelang könnte man davor stehen, die vielen Sprechblasen lesen. Ein wenig Licht in den dichten Wald an Lesematerial bringt die kostenlose Führung am Sonntagmorgen durch interessante Zusatzinformationen.
Museumspädagogin Sabine Falkenbach ist eine derer, die Ahnung hat und frisch und eloquent durch die wichtigsten Stationen der Ausstellung führt. Zu Anfang wären da beispielsweise Königs neueste Werke, Prototyp und Archetyp, in denen er mit satirischen Blicken auf die Religion die Schöpfungsgeschichte komplett umkrempelt. Zum Beispiel fordert Noah anstelle von Gott die Sintflut, weil er Gottes Schöpfung mit den sündigen Menschen für eine Katastrophe hält. „Bei diesen Werken gab es natürlich viel Kritik von der christlichen Seite”, weiß Falkenbach. Darauf hätte König erwidert: „Mein Gott, man muss doch im Jahr 2009 die Schöpfung noch mal neu erklären können.”
Ein Statement in Bildern
„König will allgemein gegen den religiösen Fundamentalismus ein Statement setzen”, erklärt Falkenbach. Und der Zeichner sei sich sicher: „Religionen, egal welcher Art, haben Humor bitter nötig.” Zu sehen auf zahlreichen Comicstrips, auf welchen er auch den Streit um die Mohammed-Karikaturen aufs Korn nimmt und gleichzeitig für die Pressefreiheit eintritt.
„Eine ganze Ausstellung mit kleinformatigen Comics zu füllen, war Ralf König aber nicht ganz geheuer”, erklärt Falkenbach weiter. Deswegen findet man auch immer wieder großformatige Bilder, die eigens von König als Blickfänge angefertigt wurden. Dabei fand er das Malen ganz fürchterlich: „Ich bin ein Zeichner, kein Maler” – gut, dass er den Schritt vor die Leinwand dennoch gewagt hat. Nicht nur, weil sich beim Betrachten die Augen vom Comiclesen erholen, sondern auch, weil sich Königs Zeichnungen im großen Format beweisen können – und das mit nur wenigen dynamischen Strichen.
Die ersten Bände
Natürlich dürfen in der Galerie auch nicht die zahlreichen schwulen Knollennasen fehlen, mit denen er bekannt geworden ist. „Bei der Comciserie Konrad und Paul kann man auch gut sehen, wie sich die Figuren zeichnerisch weiter entwickelt haben”, zeigt Falkenbach. Und dann geht es noch ins letzte Zimmer, wo Königs erste Bände, die Schwulcomix, bereitstehen (für Kinder nur in Begleitung von humorvollen Erwachsenen...).
Eine interessante Führung, die auch im Gästebuch Anklang findet: „Spannend auch oder besonders für Heteros!”


