Hohenlimburger Rolf Eicker ist deutscher Modellbau-Meister
Hohenlimburg, 03.11.2009, Kristina Mader
Wenn Rolf Eicker mit seinem Truck fahren will, räumt er erst den Wohnzimmerboden frei. Die Luke hochgeklappt, den Hebel umgelegt - ein ziehendes Zischen und der Lkw springt an. Der Motor brummt, langsam setzt sich der Laster in Bewegung. Das Lenkrad besteht aus Knöpfen und Schaltern - es ist eine Fernsteuerung.
Üblicherweise fährt ein Freightliner auf amerikanischen Highways. Doch dieser hier ist in Hohenlimburger Wohnungen unterwegs: Bei Rolf Eicker und seiner Frau Gabi parkt der Truck heute auf dem Esszimmertisch. Das Modell ist im Maßstab 1:16 gebaut, genau nach den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung. Drei Jahre lang hat Rolf Eicker daran geschraubt. Und wurde nun für seine Arbeit belohnt: „Diesen Monat bin ich Deutscher Modellbau-Meister in der Kategorie ,Showtruck' geworden.”
Warnwesten für die Modellpüppchen
Rolf Eicker ist ein typischer Tüftler. In freien Minuten zieht sich der 57-Jährige auf den Dachboden zurück und schraubt an Miniatur-Achsen, klebt kleine Kabel fest oder näht Warnwesten für Modellpüppchen. Auch die gehören zur Szenerie: „Schließlich soll alles echt aussehen.” Die Liebe zum Detail ist es, die den Modellbauer auszeichnet. Mini-Männer stehen an Mini-Biertischen und genießen Mini-Bier - mit Schaumkrone.
Der Freightliner ist Eickers ganzer Stolz. Dutzende Modell-Laster, -Gabelstapler und -Autos hat er in seinem Arbeitszimmer und auf dem Dachboden drapiert. In Vitrinen, Regalen, Schaukästen — Smart, Chevrolet, Studebaker. Sogar eine komplette Spedition hat Eicker gebaut. Aber der hier... „der ist schon was Besonderes.” Immerhin hat er mit dem Freightliner schon zum zweiten Mal die Deutsche Meisterschaft im Showtruck-Modellbau gewonnen. „Zur Zeit gibt's eben nichts Besseres auf dem Markt.”
Mit einem Modellbaukasten fing alles an
Angefangen hat es vor etwa 15 Jahren. „Da hat mir meine Frau einen Modellbaukasten geschenkt, danach konnte ich nicht mehr aufhören zu basteln”, gibt er zu. Drei Jahre lang hat er gebraucht, um dieses Truck-Modell zu bauen. „Nur das Führerhaus ist gekauft, den Rest habe ich selbst gestanzt, geschweißt und gelötet.” Für größere Arbeiten geht Eicker in die Werkstatt eines Freundes. „Dort haben wir schwereres Gerät.”
Ohnehin profitiert der Tüftler von seinen Vereinskollegen. Denn in seinem Dortmunder Modellbauverein, dem „RC Truck Car Club Dortmund”, basteln Männer jeglicher Berufssparten - „da greift jeder jedem mal unter die Arme.” So hat ein befreundeter Airbrush—Experte eine alte Dampfwalze auf den Freightliner gesprüht.
Detailgetreue Nachbildung
Erst beim genauen Hinschauen lassen sich Details im Truck ausmachen: Ins Innere hat Eicker eine kleine Küche gebaut, mit eigener Mikrowelle und Spüle. Vorne hinter der Windschutzscheibe klemmen Schilder mit den Namen Gabi und Rolf. Apropos - was sagt eigentlich die Frau zum Hobby ihres Mannes? „Ich mag sein Hobby. Zu den Vereinstreffen komme ich auch gerne mit.”
Rolf Eicker drückt den Knopf der Fernsteuerung - langsam fährt eine Klapptreppea aus. Dahinter spielt das Herzstück des Trucks bewegte Bilder: Ein Monitor, auf dem Filme laufen. „Da steckt viel Elektronik hinter”, sagt der 57-Jährige. Und deutet auf den Holztisch vorm Monitor. „Darunter ist der Akku versteckt.”
Es gibt immer ein nächstes Projekt
Wer meint, Rolf Eicker ruhe sich nun auf getaner Arbeit aus, der kennt einen echten Modellbauer nicht. Denn der denkt lange nicht daran, seinen Truck in die Garage zu stellen. „Nein, an den hier kommt noch ein Anhänger dran. Für einen Modellbauer gibt's schließlich immer ein nächstes Projekt.”
Infos unter: http://www.minitrucker.de/

