Gewagte Kombination
Heiligenhaus, 24.08.2009, Stefan Roderer
Kaum hatte die vierköpfige Band „Chorda” im Club die ersten Takte gespielt, verdrängte Staunen schnell die anfängliche Skepsis des Publikums. Die gewagte Kombination aus Zigeunerswing und dem unverwechselbaren Jazz von Django Reinhardt auf der einen und den klassischen Einflüssen von Paganini und Vivaldi auf der anderen Seite brachte sehr bald die Füße der knapp 40 Konzertbesucher zum Wippen.
Auch die beinahe selbstverständlich klingende Leichtigkeit, mit der die Musiker selbst die schnellsten Passagen spielten, beeindruckte. Yves Teicher (Violine), Claude Renon (Kontrabass) und die Brüder Dominique und Le´o Lacroix (akustische Gitarre) brauchten dafür jedoch offensichtlich keinerlei Vorbereitung: Die Musiker verbrachten die letzten Minuten vor dem Auftritt in lockerer Atmosphäre mit Gesprächen und viel Gelächter. Doch die Leidenschaft für ihre Musik steht der Routine in der Handhabung der Instrumente und der Erfahrung von über 300 Konzerten in ganz Europa in nichts nach.
Was „Chorda” aber wirklich ausmacht, veranschaulicht vor allem der musikalische Werdegang von Teicher: Bereits mit sieben Jahren bekam er am Lütticher Konservatorium Geigenstunden und gewann erste Preise als Solist und Kammermusiker. Schließlich nahm er Privatunterricht bei dem bekannten Yvris Gitlis, einem der größten Violinisten des 20. Jahrhunderts und es schien einer Karriere als klassischer Virtuose nichts im Wege zu stehen.
Improvisationen
Doch nach einer Sinn- und Schaffenskrise besann er sich seiner Kindertage, in denen er mit seinem Bruder auf der Gitarre improvisierte. Seitdem widmete er sich vor allem der Straßenmusik aus Brüssel, Paris und Südfrankreich, fand Inspiration im Jazz von Grappelli und Reinhardt und in dem Gypsi-Swing-Trio „Chorda” kongeniale Mitstreiter.

