Tectum-Mitarbeiter demonstrieren gegen Verdi
Gelsenkirchen, 10.07.2009, DerWesten
Das Unternehmen wurde 1998 von Hubertus Küpper gegründet und deckt heute die gesamte Bandbreite des Customer Care Managements im B2B- und B2C-Sektor ab.
Die Tectum Group unterhält Standorte in Essen, Gelsenkirchen und Dortmund. Gerade wurde ein weiteres Call Center mit zurzeit 200 Mitarbeitern in Oberhausen eröffnet. Hier soll die Zahl der Beschäftigten bis 2010 auf 690 wachsen.
Laut Verdi gab es im Jahr 2008 18 Arbeitsgerichtsverfahren gegen die Tectum Group.
Bis April 2009 seien weitere neun Verfahren hinzugekommen.
"Wir sind keine Sklaven!" Mit einer Demo vor der Verdi-Zentrale in Bochum wehrten sich rund 400 Mitarbeiter der Gelsenkirchener Tectum Group gegen die negative Darstellung ihrer Firma in den Medien. Die war vor allem durch Verdi-Mitarbeiter forciert worden.
Verdi hatte sich für Tectum-Mitarbeiter starkgemacht, die sich über Mobbing, Willkür und undurchsichtige Vergütung beschwert hatten. In die Öffentlichkeit geraten war der Konzern durch ein WDR-Interview mit Günter Wallraff, der von Mitarbeiterbetrug sprach.
Beschwerden nicht repräsentativ
„Alles gelogen”, war die einhellige Meinung der demonstrierenden Tectum-Mitarbeiter. Horst Polap, Betriebsratsvorsitzender Essen formulierte es vorsichtiger: „Die Beschwerden sind nicht repräsentativ.” Vielleicht hätten sie vor drei Jahren zugetroffen, nun sei jedoch alles in Ordnung. Die Fälle, bei denen Mitarbeiter zur Strafe stehend weiterarbeiten mussten, oder mit Nadeln gepiekst worden, seien allesamt „Missverständnisse”.
Frank Perlik vom Betriebsrat wünschte sich außerdem, „dass Verdi nicht direkt an die Öffentlichkeit gehe, wenn es Beschwerden gibt”. Man könne so etwas ja intern regeln.
Stimmung geladen
Die Wut der Mitarbeiter über die Vorwürfe war groß. „Wir fühlen uns persönlich angegriffen”, hörte man es aus der Menge, „es geht um unsere Arbeitsplätze”.
So geladen war die Stimmung, dass man die Verdi-Gewerkschaftssekretäre kaum zu Wort kommen ließ. Die verteidigten natürlich ihre Vorgehensweise. „Wir sind nur den Beschwerden nachgegangen, die uns angetragen wurden”, meinte Gerd Vatterot. „Die Betriebsräte haben wir dabei übergangen, weil wir sie nicht überfordern wollten”, fügte er hinzu.
Da es in der Callcenter-Branche keinen Arbeitgeberverband gebe, sei es schwierig, dort Gewerkschaftinteressen durchzusetzen. „Das öffentliche Vorgehen ist also auch ein Politikum”, so Vatterot. Nichtsdestotrotz wolle man nun die Betriebsräte zu Gesprächen einladen. „Es sei außerdem interessant”, merkte Norbert Arndt, Verdi-Bezirksgeschäftsführer an, „dass die Demo vom Arbeitgeber bezahlt worden ist”.
"Schwarzes Schaf" Tectum
Noch vor wenigen Wochen hatten die Gewerkschafter die Arbeitsbedingungen in den Call Centern der Tectum Gruppe als "untragbar" bezeichnet. Verdi-Sekretär Markus Neuhaus hatte gar von „Galeeren-Sklaven-Zuständen” gesprochen. (mehr...)
Zudem hatte Verdi unbezahlte Überstunden, undurchsichtige Provisionsregelungen, Druck durch Vorgesetzte und eine jährliche Mitarbeiterfluktuation von 70 bis 80 Prozent kritisiert.
Text: Lutz Tomala (WAZ), Tina Halberschmidt (WNM)
Fotos: Ingo Otto, Martin Möller, Tom Thöme (WAZ)
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