Lebendige Diskussion
Werden, 29.10.2009, Jörg DörwaldAuf Wunsch der Lehrer führte Grossman, der seit November 2008 im Düsseldorfer Konsulat tätig ist, die Diskussion in Englisch. Die Schüler der Englischleistungskurse der 12. Jahrgangsstufe hatten damit keine Probleme; im Gegenteil, sie nahmen rege an dem Gespräch teil, hörten interessiert zu und stellten Fragen.
So konfrontierte Grossman die Schüler etwa mit einem Satz aus Obamas Antrittsrede, in dem Obama den viel zitierten „melting pot" nicht als Schwäche, sondern Stärke sieht. Der Präsident glaube, dass man die alten Rassengrenzen in den Köpfen überwinden könne, so Grossman. Auch die Schüler stimmten Obamas Optimismus zu, zumindest teilweise. Man müsse jedoch hart daran arbeiten.
Ebenfalls nahm Grossman Bezug auf die amerikanische Außenpolitik und ihr europäisches Ansehen. Stimmten unter Bush nur 17 % der amerikanischen Außenpolitik zu, so sind es unter Obama 92 % aller Deutschen. „So gute Noten hatte ich nie während meiner Schulzeit und schaut, wo ich jetzt stehe”, sagte Vize-Konsul Grossman mit einem Lächeln. Typisch amerikanisch ging der smarte Diplomat, der früher auch als Lehrer tätig gewesen ist, auf die Schüler zu. Er machte Witze, führte viel mehr ein Gespräch mit ihnen als dass er einen Vortrag hielt.
Dabei musste er sich auch der direkten Kritik der Schüler stellen, die kein Blatt vor den Mund nahmen, als das Gespräch auf die Wirtschaftskrise kam. „Es ist die Schuld der USA”, sagte einer kurz und knapp. „Die Leute haben Darlehen bekommen, die sie überhaupt nicht abbezahlen konnten”, erklärte Grossman. „Du hast also Recht. Die USA haben ein Problem.” Was in Deutschland unter dem Begriff „systemrelevant" diskutiert wird, erhitze in den Vereinigten Staaten die Gemüter unter der Bezeichnung „to big to fail” (zu groß, um zu scheitern). So wie in Deutschland Opel und die Hyporeal Estate staatlicherseits gerettet wurden, wurde in den USA etwa General Motors vor dem Untergang bewahrt.
Auch auf ebenso spannende wie umstrittene Themen wie den Kampf gegen Terrorismus, das Gefangenenlager Guantanamo und den Klimawandel ging Grossman ein. Am Ende seiner Power-Point-Präsentation wandte er sich noch der amerikanischen Innenpolitik zu, im Speziellen der Gesundheitsreform. „Wie funktioniert derzeit das Gesundheitswesen in den USA?" fragte er in die Runde. „Man muss alles aus eigener Tasche bezahlen", so eine Schülerin. Wer nicht genügend Geld hat, wird auch nicht behandelt.
Grossman erklärte, dass es aber auch ein Gesetz für lebensbedrohliche Situationen gebe, in denen der Patient behandelt werden müsse. Unter Obama solle jeder eine Krankenversicherung erhalten: Der Arbeitgeber bezahlt die eine, der Arbeitnehmer die andere Hälfte der Prämie. Diskutiert werde aktuell in den USA die „Public Opinion”, also die Tatsache, dass nach Obama der Arbeitnehmer selber entscheiden solle, ob er sich privat oder öffentlich versichern will.

