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Stadt

Im "Konzern Stadt" hängt der Haussegen schief

Essen, 04.11.2009, Marcus Schymiczek
Estens kommt es anders, zweitens als man denkt: So erging es jetzt den Betriebsräten der städtischen Tochtergesellschaften. Denn die Wahl der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Konzernmutter EVV lief nicht wie erwartet. Nun kracht es im Gebälk.

Dass Töchter sich streiten, kommt in den besten Familien vor. Dass zwischen den Arbeitnehmervertretern der städtischen Tochtergesellschaften aber die Fetzen fliegen, ist doch eher ungewöhnlich. Sitzen die doch alle in einem Boot, sollte man meinen.

Davon gingen auch die Betriebsräte von Evag, Entsorgungsbtrieben, Stadtwerken, RGE und Allbau aus, als sie sich darauf verständigten für die Wahl der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der städtischen Holdinggesellschaft EVV eine gemeinsame Liste aufzustellen. EVV - diese drei Buchstaben stehen für die Essener Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft. Gerne ist auch vom "Konzern  Stadt" die Rede. Und im Aufsichtsrat der Konzernmutter sollten sich alle Töchter vertreten sehen. Soweit die Idee.

Seit der Wahl aber hängt der Haussegen schief unter dem gemeinsamen Dach. Denn das Ergebnis ist ein anderes. „Das war nicht fair, schimpft Evag-Betriebsratschef Wolfgang Hausmann. Nicht nur er schiebt den „Schwarzen Peter” den Kollegen bei den Stadtwerken zu.

Diese hatten entgegen der Absprache eine zweite Liste ins Rennen geschickt. Das Ergebnis: Die „Konzern-Liste” erhielt nur 17 Stimmen, die „Stadtwerke-Liste” aber 680. Und weil die Wahlbeteiligung mit fast 80 Prozent deutlich höher ausfiel, als bei den Schwestern stellen die Stadtwerke - obwohl mit 900 Mitarbeitern nur die drittgrößte der städtischen Gesellschaften - nun drei Arbeitnehmervertreter im neuen Konzernbetriebsrat. Der Allbau ist hingegen gar nicht vertreten.

Bedröppelt steht die Evag da. Mit 2000 Beschäftigten die größte der Töchter hätten ihr auf der Einheits-Liste nach dem de hondtschen Verfahren drei Plätze zugestanden. Der Betriebsrat verzichtete aber zugunsten der kleineren Schwestern auf einen Platz. Nun bleibt der Evag nur ein Vertreter.

Das ist eben Demokratie!? Wolfgang Hausmann wähnt ein böses Spiel. Hintergrund: Die Stadtwerke hatten nicht nur in ihrer Mitarbeiterzeitschrift für die Wahl geworben, den Lohnabrechnungen lag ein Flyer der „Stadtwerke-Liste” bei. Hat das Unternehmen seine Mitarbeiter etwa beeinflusst?

Der Evag-Betriebsrat lässt jedenfalls rechtlich prüfen, ob er die Wahl anfechtet. Auf der heutigen Sitzung des Konzern-Betriebsrates steht dies ebenfalls zur Diskussion. Eines steht fest: Der viel beschworene gemeinsame Konzern-Gedanke, der ist erstmal futsch.

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