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Skandal

Bounty Killer ausgeladen

Essen, 25.03.2008, Kai Süselbeck

Das Wiedererstarken des Reggae in Form von Dancehall-Musik hat eine neue Hassmusik-Debatte ausgelöst. Viele der Dancehall-Stars aus Jamaika „dissen” bei ihren Auftritten nicht nur massiv gegen die Konkurrenz, sondern rufen explizit zum Töten von Schwulen auf. Die anstehende Deutschland-Tour von „Bounty Killer” hat deshalb heftige Proteste ausgelöst. Zwischenergebnis: Zwei von vier Auftritten sind abgesagt.

Sie singen „Bun dem chichiman” (verbrennt den Schwulen) und meinen dies keineswegs symbolisch. Homosexuelle werden krass diskriminiert im Karibikstaat Jamaika. Händchenhalten zwischen Männern kann reichen für zwei Jahre Knast, auf Analverkehr steht im Strafgesetzbuch bis zu zehn Jahre Zwangsarbeit - wegen Sodomie. Nach Angaben von Amnesty International hat Großbritannien Bürgern der Kronkolonie schon Asyl gewährt mit der Begründung, als Homosexuelle sei ihr Leben in Jamaika ständig in Gefahr.

Prädikat: jugendgefährdend
von Ilias Abawi

Die Ragamuffin-Musiker aus den explodierenden Gettos von Kingston haben schwulenfeindliche Hasstiraden vor diesem Hintergrund reichlich im Repertoire. Auch die Religion der Rastafari, aus der Reggae seine musikalischen Wurzeln zieht, ächtet schließlich die Homosexualität.

Rodney Basil Price (36) alias Bounty Killer alias Warlord alias Poor People Governor hat sie gesungen: „Man A Badman” oder „Another Level”. Deshalb hat seine Deutschlandtour bei Schwulen- und Lesbenverbänden offene Empörung ausgelöst. In Köln, der Hauptstadt der schwulen Bewegung, ist das Konzert schon abgesagt. In Essen hat ein Jugendzentrum dem Veranstalter einen Korb gegeben. Der buchte daraufhin die Weststadthalle. Nach dem WAZ-Bericht über die Proteste auch des grünen Bundestagsabgeordneten Kai Gehring hat Ingo Penkwitt, Chef des Essener Immobilienmanagements, am Dienstag den Vertrag gekündigt.

In Berlin und München fordern die Betreiber der Veranstaltungshallen eine „persönliche Distanzierung” des Bounty Killers von seinen Tötungs-Aufrufen. Sonst würden auch sie die Auftritte absagen. Darauf können sie wohl lange warten: Die Tourveranstalter um „Solid Rock Music” teilten der WAZ mit, sie akzeptierten Prices Beschluss, „sich bisher nicht einer öffentlichen Distanzierung anzuschließen, wie es andere Artists in England getan haben”.

Sie weisen auch darauf hin, dass sie in ihren Verträgen inzwischen europaweit Diskriminierungsklauseln auch gegen Schwulenfeindlichkeit aufgenommen haben. „Vertragliche Absprachen, die bei Verstoß gegen die Diskriminierungsklauseln den sofortigen Abbruch des Konzertes und Nichtauszahlung der Gage beinhalten, sind inzwischen unter seriösen europäischen Veranstaltern Konsens.”

In der Tat: Auf dieser Basis wurden 2005 vor dem Reggae-Freiluftfestival „Summer Jam” Künstler ausgeladen, weil sie auf diskriminierende Songs nicht verzichten wollten. Die Debatte um die jamaikanischen Hassmusiker könnte trotz der Absage schnell in eine neue Runde rutschen. Denn: Sizzla kommt auf Deutschlandtour. Der 32-Jährige singt: „Shot Battyboy, my big gun boom” („Pump Up”), und er steht dazu. „Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein richtiger Mann”, sprach er 2007 beim Kölner „Summer Jam” in einer Pressekonferenz.

Am 19. Mai wird er in der Dortmunder Live Station erwartet.

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