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Geschichte

Ran an die Schüppe: Vor 75 Jahren begann der Bau der A3

Duisburg Nord, 22.03.2009, Hans Lembeck und Gregor Herberhold
Duisburg. Arbeiterkolonnen marschierten vor 75 Jahren am Kaiserberg auf, um die neue Reichsautobahn zu bauen. Im Duisburger Stadtgebiet war die "brückenreichste Planung" der damaligen Zeit; Ruhr, Emscher und Kanal mussten überquert werden - und das alles ohne schwere Maschinen.

Umringt von „Nazi-Prominenz” marschierte Duisburgs Staatskommissar (für den Ruhrsiedlungsverband) und spätere Bürgermeister Just Dillgardt (*1889, 1960) am 21. März 1934 am Kaiserberg auf: Dort nahm er den ersten Spatenstich zum Bau der Reichsautobahn 3 vor. Am selben Tag begannen an der neuen Trasse auch Arbeiten an anderer Stelle im Stadtgebiet, und zwar in Neumühl, nahe der Grenze zu Oberhausen. Der Kaiserberg war eine sehr wichtige Stelle: Dort endete der von Dortmund kommende Ruhrschnellweg, der direkt an die neue Autobahn angebunden werden sollte. Später wurde die ehemalige Landstraße auch als Autobahn ausgebaut. In dem Zuge entstand der so genannte Spaghetti-Knoten, wie das Kreuz Kaiserberg auch genannt wird.

Ein Jahr zuvor, 1933, hatte Adolf Hitler den Bau von Autobahnen angeordnet und noch im September in Frankfurt am Main den ersten Spatenstich für die erste Strecke selbst vorgenommen. Nur ein Jahr später waren bereits 1500 km im Bau, dazu zählte auch der Abschnitt in Duisburg.

Im Duisburger Stadtgebiet musste die RAB (Reichsautobahn) auf einer Hochtrasse angelegt werden, und zwar mit rund einem Dutzend Brücken. Es war, wie die Chronisten berichteten, die „brückenreichste Planung” zur damaligen Zeit. Allein drei Wasserläufe waren zu überwinden: Ruhr, Emscher und Kanal.

Für den Duisburger Norden plante man, wegen der Nähe zur Industrie, zwei Auf- und Abfahrten an der A 3, die auch heute noch existieren, allerdings beide auf Oberhausener Gebiet, unmittelbar an der Stadtgrenze.

Von schweren Baumaschinen wusste man damals nichts: Stattdessen rückten ganze Hundertschaften Arbeiter mit Schüppen an. Das Baumaterial – Gesteinsbrocken, Kies, Schotter und Sand – transportierten sie in so genannten Feldbahnloren. Die Schienen dafür waren entlang der Trasse verlegt.

Die Männer mussten körperlich sehr schwer arbeiten. Anfangs wurde der „freiwilligen Arbeitsdienst” eingesetzt, später mussten junge Menschen ein halbes Jahr lang Pflichtdienst tun.

Am 21.3.1934 beginnen am Kaiserberg in Duisburg die Arbeiten für die Reichsautobahn, In Betrieb genommen wurde der Abschnitt im Dezember 1936. waz-Archivbild (WAZ)
Am 21.3.1934 beginnen am Kaiserberg in Duisburg die Arbeiten für die Reichsautobahn, In Betrieb genommen wurde der Abschnitt im Dezember 1936. waz-Archivbild

Trotzdem ging der Bau der Trasse nicht so schnell voran, wie es sich Hitler gewünscht hatte: Vor allem wegen der vielen Brücken verzögerte sich die Fertigstellung im Duisburger Stadtgebiet – erst im Dezember 1936 konnte dieser Abschnitt in Betrieb gehen.

Die Menschen staunten damals über die neue Straße: Man kam auf den getrennten Fahrbahnen schnell voran und durfte sogar am Straßenrand mal ein Päuschen einlegen und ein Picknick machen.

Mit Motorenlärm musste man indes kaum rechnen: Privatautos gab es nur wenige, allenfalls besaßen die Menschen Motorräder. Aber auch ein solches Gefährt konnte sich damals gerade jeder zehnte leisten.

Stichwort: Reichsarbeitsdienst

Am 21.3.1934 begann am Kaiserberg der Bau der Reichsautobahn A 3. Das Bild zeigt einen Flyer, mit dem für die neue Autobahn geworben wurde. Unten im Bild ist der Text zu lesen: Reichsautobahn, Reichsautobahn. Wie herrlich man drauf fahren kann! Foto: Archiv Lembeck (WAZ)
Am 21.3.1934 begann am Kaiserberg der Bau der Reichsautobahn A 3. Das Bild zeigt einen Flyer, mit dem für die neue Autobahn geworben wurde. Unten im Bild ist der Text zu lesen: Reichsautobahn, Reichsautobahn. Wie herrlich man drauf fahren kann! Foto: Archiv Lembeck

Beim 1931 ins Leben gerufenen „Freiwilligen Arbeitsdienst” (FAD) waren arbeitslose Jugendliche und Erwachsene beschäftigt, sie durften nur gemeinnützige Arbeiten verrichten. Hitler missbrauchte den Dienst allerdings bald für militärische Aufgaben. 1935 wurde der Name geändert, nun war der „Freiwillige” der „Reichsarbeitsdienst” und jeder junge Mensch musste ein halbes Jahr lang „dienen”.

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WAZ-Fotograf Hans Blossey flog übers Ruhrgebiet und fotografierte, was die Kamera her gab. Sehen Sie Duisburg und das Ruhrgebiet aus der Vogelperspektive!
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