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Von rinks nach lechts

Duisburg, 31.07.2008, Zlatan Alihodzic
Trotz ihres Hangs zu Verschwörungstheorien soll die Gruppe Die Bandbreite im Kulturzentrum "Parkhaus" auftreten. Einige Texte von Sänger Marcel Wojnarowicz finden auch bei Neonazis großen Anklang

Gucken aus einer Mülltonne: Marcel Wojnarowicz (rechts) und DJ Torben Pape. (GFremdbild)
Gucken aus einer Mülltonne: Marcel Wojnarowicz (rechts) und DJ Torben Pape.

Musikalisch recht uninteressant ist, dass am 15. August im Rahmen einer so genannten "Politpop-Nacht" - Untertitel des Schauspiels: "Liedermaching meets HipHop" - die Duisburger Band Die Bandbreite im Meidericher Kulturzentrum "Parkhaus" auftreten soll. Dabei dürfte es sich lediglich um eine "klein"-künstlerische Darbietung vor ausgesuchtem Publikum handeln, das Veranstaltungen, die Begriffe wie "Liedermaching" im Titel tragen, nicht scheut.

Zu hören sein wird dort sicher der aktuelle und eher belanglose Titel "Dat is Duisburg". In diesem wird unter anderem Duisburgs kulturelle Beschränktheit bemängelt. Spötter könnten behaupten, die vortragende Gruppe selbst sei deren stärkster Ausdruck.

Einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte die Band um Marcel Wojnarowicz aber nicht durch "Party-Raps" und "Storytelling", was sie immerhin für Stadtfeste oder Veranstaltungen des DGB qualifiziert. Grund ist vielmehr die rasche Verbreitung ihres Songs "Selbst gemacht" im Internet. In diesem zeigt sich, was man unter Wojnarowicz' "Storytelling" zu verstehen hat.

Seine intellektuell offenkundig eher schlichte, von historischen Fakten unbelastete Gedankenwelt bricht sich hier in Verschwörungstheorien Bahn. Das immer wiederkehrende Thema: Die islamistischen Anschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001.

In "Selbst gemacht" finden sich pseudowissenschaftlich aufbereitet diverse Abhandlungen, deren Ergebnis bereits vor der Untersuchung feststeht: Die Amerikaner haben die Anschläge "selbst gemacht". Oder mit den Worten des Geschichtenerzählers Wojnarowicz in einem Interview: "Ich habe sehr viel recherchiert, habe Dokumentationen angeschaut und im Internet geforscht." Das brachte ihn zu dem Schluss: "Die Amerikaner sind selbst für den Terrorismus verantwortlich."

So ist es nicht verwunderlich, dass bereits mehrere Auftritte der Band im Vorfeld seitens der Veranstalter abgesagt wurden.

Aber nicht nur mit vermeintlich selbst gemachten Anschlägen kennt sich der Rapper aus, auch sexualpsychologisch. Wojnarowicz unternimmt faschismusanalytische Anstrengungen. So berichtet er in der musikalischen Notbremse mit dem Titel "Kein Sex mit Nazis" über Hitlers homoerotische Neigungen - und dass deren Nichterfüllung Ursache für sein Handeln gewesen sei.

"Wojna" im Wortlaut

"Mein Herr, wenn sie nicht schweigen, werde ich sie zitieren." (Karl Kraus)

Aus dem Stück "Selbst gemacht" von "Die Bandbreite": "...eigne Leute geopfert im Massaker von Pearl Harbor, ja die bösen Japaner, die euch nur dabei halfen, endlich mit in den zweiten Weltkrieg einzugreifen..." [sic!] Aus dem Stück "Kein Sex mit Nazis": "...Der Führer Adolf Hitler war homosexuell, und deshalb trieb er es mit Rudolf Hess in nem Hotel, doch viel zu oft war Rudi in Europa unterwegs... ...Darum war er [Hitler, Anm. d. Red.] ständig angepisst und auch so voll fanatisch..." [sic!]

An verschiedenen Punkten kommt Wojnarowicz mit den Rechten in ideologischen Kontakt. Nach der Veröffentlichung des Videos zu "Selbst gemacht" freuten sich die Betreiber zahlreicher neonazistischer Internet-Seiten über die Propaganda und trugen sie bereitwillig herum. Der Autor des Songs wunderte sich über das Verständnis der Faschisten seinem Anliegen gegenüber und mäkelte an eben dieser Wirkung herum - an der Ursache hielt er aber weiterhin fest. Die Kritik am Inhalt seiner Texte versuchte schließlich auch die rechte Zeitung "Junge Freiheit" abzuwehren. Diese zitierte gerne die gesamte erste Strophe von "Selbst gemacht".

Nun ist der Schritt nicht groß von Neonazis zur iranischen Außenpolitik. Mahmud Ahmadinedschad zweifelt das Faktum des Holocaust an und seine antisemitischen Tiraden lassen wenig Zweifel daran aufkommen, welche Ziele er mit einer ihm zur Verfügung stehenden Atombombe verfolgen würde. Dennoch erklärte Marcel Wojnarowicz bei einem Konzert in Duisburg, er habe weniger Angst vor iranischen Atombomben als vor amerikanischen.

Für SPD, Die Linke und DGB in Duisburg sind Wojnarowicz' Äußerungen und Theorien kein Grund, ihn nicht für Veranstaltungen zu buchen. Ein Sprecher der DGB Jugend und der IG Metall Bayern hingegen erklärte, die Gruppe nicht mehr auftreten lassen zu wollen. Solange es in Duisburg nicht so ist, steht am 15. August wohl "Zuhausebleibing meets Fernsehprogramm" auf der Agenda. Um es mit den Worten von Wiglaf Droste zu sagen: "Muss man an jeder Mülltonne schnuppern?"

Zlatan Alihodzic

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