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Polizei sagt Unterwelt den Kampf an

Düsseldorf, 17.10.2008, MICHAEL MÜCKE
ZOCKER-SZENE. Polizeipräsident Herbert Schenkelberg im NRZ-Gespräch: mehr Kontrollen, mehr Razzien, mehr Streifen.

Polizeipräsident Herbert Schenkelberg hat nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen rivalisierender Banden auf der Corneliusstraße die Bekämpfung der Glücksspiels-Szene zum Schwerpunkt erklärt. Er kündigte gestern im NRZ-Gespräch zusätzliche Kontrollen und Razzien sowie eine erhöhte Präsenz uniformierter Beamter in den betroffenen Innenstadt-Vierteln an. Er sucht einen engeren Schulterschluss mit der Stadt und will darüber mit Oberbürgermeister Dirk Elbers sprechen. Selbstkritisch erklärte Schenkelberg: "Wir müssen uns alle fragen: "Machen wir genug?" Deshalb wird zurzeit die aktuelle Lage von Experten im Präsidium bewertet, um die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

"Für mich ist das nicht hinnehmbar"

Die jüngsten Vorfälle am Dienstag, bei denen 30 bis 40 Beteiligte auf offener Straße aufeinander losgegangen sind, haben den Polizeipräsidenten aufgeschreckt. "Das ist eine neue Stufe", warnte er. Zwar habe es schon immer Machtkämpfe im Milieu gegeben. "Für mich ist es aber nicht hinnehmbar, dass die Kriminellen ihre Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit austragen. Ich habe volles Verständnis für die Bürger, die ihre Ängste formulieren. Deshalb werden wir härter gegen die Szene vorgehen."

Schenkelberg appellierte an Anwohner und Geschäftsleute, mit der Polizei zusammenzuarbeiten: "Scheut Euch nicht, die 110 anzurufen oder unsere Beamten auf der Straße anzusprechen! Wir nehmen jeden Hinweis ernst. Und wir können Vertraulichkeit zusichern."

Nötig sei "ein ganzer Strauß an Maßnahmen", weil in diesen kriminellen Strukturen nicht nur illegales Glücksspiel, sondern auch Drogenhandel, Förderung der Prostitution, Hehlerei, Schwarzarbeit und Schleusung von Illegalen betrieben werde. Es handele sich um organisiertes Verbrechen, betonte Schenkelberg. Jede zuständige Behörde von der Stadtverwaltung bis zum Zoll müsse für sich prüfen, wie sie den "Kontrolldruck weiter erhöhen" und mit der Polizei ein noch dichteres Netzwerk knüpfen kann. Schenkelberg: "Nötig ist ein Gesamtkonzept, das zu mehr gemeinsamen Razzien führt. Wir müssen dieser Szene ständig auf den Füßen stehen."

Geprüft wird auch, ob Stadt und Polizei eine Initiative bei der Landesregierung starten. Da im Zuge des Bürokratie-Abbaus nur noch Lokale mit Alkoholausschank, aber nicht mehr Internet-Cafe?s und Kulturvereine eine Konzessionsgenehmigung beantragen müssen, wurde die Stadt "einer Möglichkeit beraubt, präventiv zu kontrollieren", so Schenkelberg. Hier will er sich mit dem OB abstimmen, ob Polizei und Stadt eine Verschärfung der Regeln fordern sollten.

Die Fahnder schlagen zu

Erfolgreich schlugen am Donnerstag Fahnder gegen die Zocker-Szene zu und stöberten nach einem Hinweis der Bundespolizei einen illegalen Spielbetrieb in einem Mehrfamilien-Wohnhaus an der Bismarckstraße auf. Die Polizei beschlagnahmte einen computergesteuerten Roulette-Tisch, mit dem pro Monat bis zu 50 000 Euro Gewinn gemacht werden. Gegen einen 45-jährigen Untermieter wurde Strafanzeige gestellt. Er war erst vor wenigen Tagen vor Gericht wegen eines ähnlichen Delikts zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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