Kampf gegen dunkle Mächte im Jugendamt
Dortmund Süd, 03.04.2009, Klaus Brandt
Donnerstagabend, bei einer Aussprache mit dem Jugendamt, hatte es hinter verschlossenen Türen offenbar geknallt. Rund 30 Kinder, Jugendliche und Eltern kamen in die JFS, die meisten mit Wut im Bauch. Teilnehmer schildern „eine hitzige, aufgebrachte Diskussion”.
Kevin Zey war dabei. Der 18-Jährige zählt zu „Tremonias Erben”, die vier Tage lang in die Fantasiewelt abtauchen wollten – und hart auf dem Boden der Realität landeten. „In dem Projekt steckt unendlich viel Zeit und Arbeit”, beklagt er. „Es ist so schade, dass jetzt alles genommen wird.”
Unterdessen sickerten Hintergründe der Spielabsage durch. Demnach soll beim Jugendamt ein Brief eingegangen sein, in dem vor LARP gewarnt wurde. Das Kürzel steht für „Live Adventure Roll Play” – Rollenspiele, bei denen sich Teilnehmer in Fantasiegestalten versetzen. Ein Hinweis auf ein „You Tube”-Video mit einer gespielten Wirtshausrauferei soll dem Brief beigelegen haben. Der Clip, der in Hombruch entstanden sein soll, muss im Jugendamt schlimmste Befürchtungen geweckt haben. Jedenfalls wurde erst das Video aus dem Netz genommen, und dann die Ferienaktion aus dem Programm.
„Nach dem Amoklauf von Winnenden”, so Jugendamt-Fachbereichsleiterin Elisabeth Hoppe, „muss das Konzept noch einmal auf den Prüfstand”. Amtsleiter Ulrich Bösebeck, nach eigenen Worten „ein Freund des Mittelalters und mittelalterlicher Spiele”, legte am Freitag nach. Trotz pädagogischer Anleitung und Schaumstoffwaffen gebe es „berechtigte Zweifel an der Gewaltfreiheit”. Und Vorbeugung sei nun mal alles.
Tremonias rund 40 Erben sind „am Boden zerstört”, wie Kevin Zey sagt. „Viele sitzen zu Hause und heulen.” Was sie am meisten stört: die Oberflächlichkeit der Stadt. „Da kommt ein Brief und man bläst sofort alles ab, ohne vorher zu reden.” Das Amt stecke nicht drin in dem Rollenspiel, übernehme aber die Hauptrolle.
Es soll ein weiteres Gespräch geben, am Dienstag (7.). Dann wollten die Kinder eigentlich schon im Mittelalter sein. Jetzt sollen sie stattdessen Tischtennis spielen und kickern. „Das will hier keiner”, sagt Kevin.

