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Spaziergang mit dem Förster

Grävingholz - ein Wald im Urzustand

Dortmund Nord-West, 16.08.2009, Mirja Zipfel
Brechten. Grävingholz - das ist ein uriges Naherholungsgebiet und ein Wald mit 2000jähriger Geschichte.

Der Sommer - traditionell die Hochzeit für Gefühle. Nicht nur beim Menschen: Auf liebestolle Rehe, die blitzschnell aus dem Dickicht springen, die Wege kreuzen, kurz verharren und dann wieder ins Unterholz eintauchen, sollten sich momentan die Spaziergänger im Grävingholz gefasst machen. „Der August ist Brunftzeit für das Rotwild„, kommentiert Revierförster Axel Dehler das wundersame Schauspiel, das die Hormone der sonst so scheuen Waldbewohner gehörig in Wallung bringt.

Ein Naturereignis, das im Übrigen für Jedermann frei zugänglich ist. Denn er liegt quasi vor der eigenen Haustür - der Brechtener Grävingholz. Ein innerstädtisches Waldgebiet mit einer Größe von 130 Hektar und rund 130 000 Bäumen. Ein Paradies für Rehe, Hasen, Füchse und zugleich Arbeitsplatz von Axel Dehler, der als Revierförster sämtliche Waldflächen nördlich der B 1 betreut. „Das Besondere hier ist, dass sich das Areal nach wie vor in einem Ur-Zustand befindet”, sagt er. Und meint damit, dass an der Stelle bereits vor 2000 Jahren Wald gestanden habe. Keine Selbstverständlichkeit für eine Region, die bis vor wenigen Jahren vor allem für ihre Schwerindustrie und Zechen bekannt war. Während andere Wälder mühsam wieder aufgeforstet werden mussten, hat das Grävingholz sämtliche Eingriffe gut überstanden.

Gefahr war dennoch in Verzug: Verursacht durch Bergwerkssenkungen bildeten sich Anfang der 80er Jahre kleine Seen, die die Bäume des Waldes unter Wasser setzten. Für den Schaden kam damals die Ruhrkohle AG auf. Sie ließ eine unterirdische Pumpe installieren, die seit dem das Wasser erfolgreich über Gräben in den Holthauser Bach abpumpt. Wenn auch diese Gefahr gebannt wurde - ganz so ruhig, wie man vielleicht vermuten möchte, geht es im Brechtener Gehölz dann doch nicht zu. Ausgerechnet die zahlreichen Tierfreunde geben Grund zur Sorge: Wenn erst das Gelände um die Wittichstraße im Norden baulich erschlossen wird, so befürchtet Axel Dehler, könne sich der Zahl der Hundehalter um ein Vielfaches vergrößern, die im Wald eine ideale Auslauffläche für den Vierbeiner sehen. „Das Wild wird dadurch stark beunruhigt und in letzter Konsequenz aus seiner eigenen Wohnstätte herausgedrückt.” Dass der Grävingholz eigentlich als Naturschutzgebiet ausgeschrieben ist, in dem eine Anleinpflicht herrscht, störe dabei erfahrungsgemäß nur die wenigsten Hundebesitzer, ärgert sich Dehler.

Doch abseits dieser Problematik ist der Stadtwald ein beliebter Ort für die Menschen aus den angrenzenden Stadtteilen Lindenhorst, Eving un Brechten. Ob Jogger, Radler oder Wandergruppen: Sie alle sind Anhänger des Stadtwaldes und genießen die Stille fernab von den typischen Zivilisationsgeräuschen.

„Wer hier hinkommt, will zwei Dinge: die Natur wahrnehmen und sich bewegen", sagt Axel Dehler. Die typischen Parkbesucher mit Picknickdecke und Grillausrüstung blieben aus. Anwohnerin Christina Kruse gehört daher auch zur ersten Sorte. Mit Mischlingshündin Nia wandert sie gerne die Wege ab - und zwar allein. Schlechtes Wetter, Matsch und Pfützen sind für sie kein Hindernis. Im Gegenteil: „Solche Tage haben viel Charme, da die dichten Kronen Schutz vor Nässe bieten”, meint sie. Für die Frühaufsteher hält sie noch einen weiteren Tipp parat: „Morgens zwischen 6 und 7 Uhr herkommen. Den Sonnenaufgang dann zu beobachten, ist etwas ganz besonderes." Und mit ein bisschen Glück trifft man auf ein Reh.

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