Todesfahrt ohne Führerschein: Milde Strafe
Dortmund, 21.04.2008, Von Kathrin Melliwa... Das milde Urteil: eine Bewährungsstrafe von neun Monaten und 200 Stunden Sozialarbeit. Der 28-Jährige musste bereits in der Vergangenheit eine Geldstrafe zahlen, weil er ohne Fahrerlaubnis durch die Gegend fuhr. Diese Tatsache und das unermessliche Leid, das der Autofahrer über die Familie brachte, ließen die Emotionen hochkochen. "Eine Familie ist zerstört. Und ein Kind zu verlieren, sich noch nicht einmal von ihm verabschieden zu können, das ist das Schlimmste, was einem zustoßen kann", sagte Amtsrichter Sebastian Hans, selbst Familienvater, bewegt.
Mutter schrie im Saal:
"Haben Sie Kinder?"
Kurz zuvor war die Mutter des toten Motorradfahrers aus dem Saal gestürzt und hatte in Richtung Richtertisch laut gerufen: "Wissen Sie, wie das ist? Haben Sie Kinder?"
Mit besonnenen Worten versuchte Richter Hans zu erklären, warum sich das Schöffengericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft anschloss. "Wir haben Strafmessungskriterien, an die sich ein Gericht halten muss." Natürlich sei strafschärfend zu bewerten, dass der Mann keinen Führerschein hatte. Doch dürfe man nicht außer Acht lassen, dass hier eine Fahrlässigkeit vorliege. Kein Vorsatz. "Es war ein Fahrfehler mit schrecklichen Folgen. Aber einer, der jedem passieren kann", erklärte Verteidiger Rainer Köper in seinem Plädoyer. Der Mann am Steuer hatte das getan, was man nie tun sollte, was aber "in 99 Prozent der Fälle gut geht", so Richter Sebastian Hans: Er hatte sich gestikulierend mit seiner Beifahrerin unterhalten, war abgelenkt. Dann bog er von der Germaniastraße in Marten links ab auf einen Firmenhof - und übersah dabei den ihm entgegenkommenden Motorradfahrer, der laut Gutachter mit 64 km/h eine Spur zu schnell fuhr.
Seit jenem Tag ist für Familie Nelz nichts mehr so, wie es war. Die Mutter macht sich schwere Vorwürfe, da sie ihrem Sohn das Motorrad geschenkt hatte. Sie ist seitdem arbeitsunfähig, ihre Tochter in psychologischer Behandlung. Sämtliche Versuche des Autofahrers, Kontakt zu ihnen aufzunehmen oder sich zu entschuldigen, wehren sie ab. Eine Tragödie, unter der auch der Autofahrer selbst leidet: Nach dreiwöchigem Klinikaufenthalt wegen einer "posttraumatischen Belastungsstörung" wird er jetzt ambulant weiterbehandelt.
