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Hohes Lob für "Othello"

Bochum, 17.06.2009, Werner Streletz
Als "bahnbrechende Inszenierung" lobte die "Süddeutsche Zeitung" die Deutung von Peter Sellars. Shakespeares "Othello" hatte bei den Wiener Festwochen Premiere, vom 25. bis 28. Juni ist die Inszenierung viermal beim Theaterfestival "K 15" im Schauspielhaus zu sehen.

Nicht nur die Hauptdarsteller John Ortiz und Philip Seymour Hoffmann als Othello bzw. Jago machen also neugierig und begierig auf diese ungewöhnlichen Theaterabende - auch die Regiekunst von Peter Sellars ist - glaubt man der „Süddeutschen” - den Besuch wert. „Die Welt” urteilt zwar kritischer, einhellig gelobt wird jedoch die Textbehandlung: „Überhaupt wird hier des Dichters hinreißendes Idiom präzise und mit großem Respekt gesprochen, ungestört dürfen die Originalverse auch in ihrer manchmal obszönen Metapherngewalt erklingen und frei ausschwingen.” Diese Sprachmelodie werden auch die Bochumer Zuschauer genießen können. Für jene, die der Sprache Shakespeares nicht in allen Finessen mächtig sind, läuft die Übersetzung in Übertiteln.

Grundlegende Veränderung

Die Wahl von Barak Obama zum US-amerikanischen Präsidentenhat auch in der Rezeption von Shakespeares „Othello” Grundlegendes verändert. Es ist ein guter Zeitpunkt, um das Stereotyp vom schwarzen Mann als Bedrohung der weißen Frau zu überprüfen, neu zu denken und hoffentlich zu entschärfen. Bei Peter Sellars ist Othello nicht der einzige Schwarze, sondern zu sehen ist ein multikulturelles Personal und Ensemble, das die Konflikte im heutigen Amerika spiegelt. In eindringlichem Spiel werden Menschen und Völker durch das ständige Wiederholen von Dingen, die niemand je gesagt oder getan hat, zerstört.

Bei der Triennale dabei

Regisseur Peter Sellars war 2002 zum letzten Mal im Ruhrgebiet zu Gast. Im Rahmen der Ruhr-Triennale inszenierte er im Lichthof der Berufsschule in Bottrop „Children of Herakles”. Gründungsintendant Gerard Mortier hatte den hohen Spielort entdeckt und für seine Triennale gewinnen können. „Children of Herakles”: Die Inszenierung zeigte eher spartanischen Charakter, kaum sinnlich durchwirkt, nur in Maßen faszinierend. Dieser Eindruck könnte beim „Othello” nunmehr ein ganz anderer sein, erfreulicher. Die Spannung steigt...

Nur kurze Zeit ein Spielort

Mit „Children of Herakles” war die Theater-Karriere der Bottroper Berufsschule denn auch schon wieder beendet. Bottrop lag im ersten Triennale-Jahr denn doch zu weit ab von den Besucherströmen des Festivals. Das konnte Gerard Mortier - im Ruhrgebiet noch fremd - natürlich nicht wissen. Schade drum. Bottrop wurde abgeblasen. Vielleicht zu früh, denn auch die Gladbecker Triennale-Halle liegt ja nicht gerade an einer Hauptstraße und hat reüssiert. Doch das ist eine andere Geschichte ...

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