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Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs

28.11.2010 | 18:28 Uhr
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
Putzen - diese Kernaufgabe übernehmen oft Ein-Euro-Jobber.

Essen. Städte und Verbände setzen Ein-Euro-Jobber gesetzeswidrig ein. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesrechnungshof. Handwerksfirmen entgehen deshalb Aufträge.

Sie müssen Fassaden reinigen, Umzüge städtischer Gesellschaften stemmen oder den Hausmeister ersetzen. In einem besonders absurden Fall wurden in Schwerin Arbeitslose als Sozialarbeiter der Awo eingesetzt, die anderen Arbeitslosen beim Gang zum Jobcenter helfen.

Gerade solche Arbeiten dürfen Ein-Euro-Jobber laut Gesetz nicht machen. Sie dürfen nichts tun, was Aufgabe der Stammkräfte wäre oder wofür eine Firma beauftragt werden müsste. So wollte die Politik verhindern, dass Ein-Euro-Jobber normale Arbeitsplätze verdrängen. Genau das geschieht aber, wie der Bundesrechnungshof belegt. Der Verdacht drängt sich auf, dass die Finanznot der Städte und der Wettbewerbsdruck, unter dem auch Wohlfahrtsverbände stehen, zum Missbrauch von Arbeitslosen führen. Wer sie beschäftigt, spart nicht nur am eigenen Personal, sondern erhält auch eine Aufwandspauschale von durchschnittlich 237 Euro im Monat.

Stammpersonal entlasten

Dadurch entgehen Handwerksbetrieben Aufträge. Obwohl die Sachbearbeiter in den Jobcentern und Arbeitsgemeinschaften (Arge) darauf zum Teil ausdrücklich hingewiesen wurden, genehmigten viele die Jobs wider besseres Wissen.

Die Rechnungsprüfer benennen diese Missstände in einer „Mitteilung an den Vorstand der Bundesagentur für Arbeit”, die dieser Zeitung vorliegt. Die „Süddeutsche” zitierte bereits aus einem ähnlichen Schreiben an das Bundesarbeitsministerium: Darin wird kritisiert, dass 62 Prozent der Arbeitsgelegenheiten gegen die Vorschrift verstoßen, gemeinnützig, zusätzlich und wettbewerbsneutral zu sein. Das heißt: Ein-Euro-Jobber dürfen nur Dinge tun, die sonst niemand tun würde.

Bisher nicht veröffentlicht wurden einzelne Fälle. Von 249 im Bundesgebiet untersuchten Ein-Euro-Jobs verstießen 155 gegen die Regeln. Einige von ihnen lesen sich wie aus einer Anleitung für schlecht getarnten Klüngel.

So beantragte eine Stadt vier und erhielt von der Arge zwei Ein-Euro-Jobber für „den Umzug des städtischen Bauhofs”. Begründung: Weil es sonst nicht schnell genug ginge. Die Arge schickte Ein-Euro-Jobber in Kitas, Altenheime und Schulen, um „Stammpersonal zu entlasten”, so der Rechnungshof.

Lob ans Jobcenter

Ein Jobcenter bestückte Altenheime der Caritas mit Arbeitslosen und ließ sie dort „Kernaufgaben” des Stammpersonals verrichten: Essen zubereiten, Waschen, Putzen. Das offenbar fehlende Unrechtsbewusstsein der Caritas verdeutlicht ein dickes Lob im Bericht an das Jobcenter. Der Ein-Euro-Jobber sei „bereits nach sechs Wochen in der Lage, einen Bewohnerbereich als alleinige Reinigungskraft zu übernehmen”. Dazu muss man wissen: Das Caritas-Heim erhält Geld dafür, dass es sich um den Arbeitslosen „kümmert”, tatsächlich ersetzte es eine professionelle Reinigungskraft mit ihm.

Es gibt Beispiele, in denen die Behörden wussten, dass die Ein-Euro-Jobber zur Entlastung städtischer Haushalte missbraucht wurden, aber nichts unternahmen. So mahnte eine Arge die Stadt an, dass die Kommune ein Gebäude ausschließlich von Ein-Euro-Jobbern reinigen lasse, was nicht erlaubt sei. Bei der Mahnung blieb es, mehr noch: Bald wurde Verstärkung weiterer Arbeitsloser geschickt.

Die Arge Schwerin (in allen anderen Beispielen sind die Namen geschwärzt) überließ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zwei Ein-Euro-Jobber als „Sozialassistenten”. Ihre Aufgabe: Arbeitslosen helfen, etwa durch: Erkennen der Problemlagen, Erarbeiten einer Zielstellung und „Zusammenarbeit mit den Fallmanagern der Arge zur Bewältigung der Probleme”. Ein Arbeitsloser als Arbeitslosenberater.

Stefan Schulte/Tobias Bolsmann

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Kommentare
01.12.2010
09:52
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von filterboy | #39

darf der asb der eine gmbh ist eigendlich 1 euro jobber einstellen und dazu verdonnern problem müll und sonstige fekalien zu entsorgen.
oder alleine zimmer streichen und andere hausmeister jobs verrichten in der zeit wo der eigendfliche hausmeister kaffee trinken geht und sich die eier schaukelt?

29.11.2010
21:48
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von Timocracy | #38

Liebe 1.-EURO-Hartzler, im Knast gibt es bei freier Kost und Logis immerhin biz zu 4.- EURO Stundenlohn. Also statt rumzujammern und Arbeitsplätze zu vernichten, solltet ihr erst mal einen dilletantischen Bruch o.ä. hinlegen, dann klappt es auch wieder mit dem sozialen Aufstieg.

29.11.2010
17:18
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von GG 20 4 | #37

GG 20 (4)

29.11.2010
16:51
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von Trittbrettfahrer | #36

Bereits vor 30 Jahre habe ich in ein Gespräch mitbekommen, bei dem es hieß: Ich stelle nur noch ABMs ein. Billiger kann ich die Leute doch gar nicht kriegen.

29.11.2010
16:47
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von siebert2 | #35

einfach mal die leistung dem 1euro job anpassen.

29.11.2010
16:43
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von rkant2 | #34

Die Diakonie in Essen baut eine neue Großküche im Essener Frischezentrum. Bis auf ein , zwei Mann/Frau alles 1 Eurojobber. Da wird richtig Geld verdient. Gut dotierte Posten vergeben.

Das nach sehen haben die gewerblichen Küchenbetreiber.

29.11.2010
16:14
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von NiederrheinerNRW | #33

Ich wußte garnicht dass das was neues ist???? Ich habe diesen Misststand schon vor 4 Jahren Angeprangert .Damals habe ich als 1€ Jober 1 Jahr gearbeitet . Was ich dort erlebt habe , habe ich zuvor in 32 Jahren Berufsleben an Menschenverachtung nicht erlebt.Grade die ach so vermeintlich Christlichen und Caritativen Organisationen tun sich seltsamer weise da besonders hervor wie ich es immer wieder zu hören bekomme .Sie bedienen sich schon auf teilweise Schamlose und Menschenverachtender Weise den 1€ Jobern.Ich könnte ein Buch schreiben über das was ich Erlebt aber auch andere in dieser sagen wir es mal freundlich ....Schattenwelt oder Nische ...erlebt habe/n. Güter Wallraff hat sich dieses Themas ja auch schon hinlänglich angenommen.Tatsache ist ...wenn 2Jobs wegfallen weil es 1€ Jober gibt ....dann hört der Spass auf ganz zu schweigen von den selbst erlebten Repressalien und Verleumdnerischen Anschuldigungen die man oft in diesen 1€ Jobs erfährt. Und dann an die Leute , die hier ihren Dummquark dazu geben ....erst selbst mal die Erfahrung machen und dann den Level aufreissen und nicht Blöd rumschreiben und von nichts Ahnung haben.

29.11.2010
15:41
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von DerZahnfee | #32

Der arge und der träger und der arbeitgeber
missbrauchen der ein euro jobber die sollen
sich schämen was die mit uns alle gemacht haben

29.11.2010
15:17
Städte missbrauchen Ein-Euro-Jobs
von zauberlehrer | #31

Wer von uns Usern kann solche Mißstände denn abändern ? Wunderbar , jede Gemeinde , AWO , Altenheime ect . kann sich die Taschen füllen . Nur der arme 1 € Jobber , kann nichts daran tun,
Filz von oben verordnet . Auch 400 € Jobs sofort ab schaffen .Die Ganoven sind allgegenwärtig !!

29.11.2010
15:08
Blockierter Kommentar.
von Sabine Engelhardt | #30

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