Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Soziales

Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe

27.03.2009 | 16:26 Uhr

Hannover. Göttinger Behörden haben einem Mann die Sozialhilfe gekürzt, weil er durch Bettelei Einnahmen hatte. Die Landesregierung reagiert entsetzt und hat Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Reduzierung der Stütze: Man dürfe nicht "mit Kanonen auf Spatzen schießen".

In Niedersachsen sorgt eine Anordnung der Stadt Göttingen für Empörung, einem Mann wegen Bettelns die Sozialhilfe zu kürzen. Das Landessozialministerium als Aufsichtsbehörde äußerte am Freitag Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Bescheids und forderte von der Stadt einen Bericht an. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Göttingen nannte die Maßnahme demütigend und will den Fall rechtlich prüfen.

Ein Mitarbeiter des Sozialamts in Göttingen hatte beobachtet, wie ein Mann beim Betteln 7,40 Euro eingenommen hatte. Daraufhin rechnete die Behörde das Einkommen aus Almosen auf 120 Euro im Monat hoch und teilte dem Mann in einem Schreiben mit, dass seine Sozialhilfe um diesen Betrag gekürzt werde. Anders als Empfänger von Arbeitslosengeld II haben Sozialhilfeempfänger keine Freibeträge.

Maßnahme "völlig überzogen"

Ein Sprecher des Sozialministeriums in Hannover sagte der Nachrichtenagentur ddp, die Maßnahme des Sozialamts sei «völlig überzogen». Man dürfe bei der Anrechnung von Almosen nicht «mit Kanonen auf Spatzen schießen», betonte er. Die Landesregierung habe kein Interesse daran, «dass der Staat ein paar erbettelte Euro wieder wegnimmt».

Manfred Grönig vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Göttingen zeigte sich erschüttert und kritisierte, dass das Sozialamt dem Mann unterstelle, dass er durch Betteln ein regelmäßiges Einkommen habe. «So weit unten waren wir noch nie», sagte Grönig. Der Wohlfahrtsverband überprüfe nun, ob die Hochrechnung und die damit verbundene Kürzung rechtens sind.

Ein Sprecher der Stadt Göttingen sagte, dass die Stadt »in zwei bis drei Fällen« Bettlern die Sozialhilfe gekürzt habe. »Wenn wir von Zusatzeinkünften erfahren, müssen wir das Gesetz anwenden«, sagte er. Mitarbeiter des Sozialamtes würden aber nicht darauf trainiert, Sozialhilfeempfänger aufzuspüren, die ein zusätzliches Einkommen haben. Die Stadt wolle einen Weg finden, wie der Sozialhilfesatz gerecht berechnet werden kann. (ddp)

Mehr zum Thema:

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
28.03.2009
21:25
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von Schlammdom | #75

#69

Na ja so ganz unrecht hat er nicht. Es gibt zuviele Beamte die 100% nix bringen und zu 1000% am Ziel vorbeischiessen. Wenn wir die aussortieren, dann wäre einiges an Steuergeldern einzusparen.

28.03.2009
15:45
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von immerNett | #74

@68 So ein Unsinn. Gut, das sie keinen Einfluss auf das Ausgeben unser Steuergelder haben. Sonst müssten sie der Allgemeinheit Schadenersatz leisten für eine so verquaste Ausgabe.

28.03.2009
14:30
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von ws.emmis | #73

Wenn in Deutschland jemand bettelt, Pfandflaschen sammelt oder in Supermarkt-Containern nach Lebensmitteln mit abgelaufenenem Haltbarkeitsdatum suchen muss, hat die Gesellschaft versagt und die Sozialhilfesätze sind zu niedrig. Bei den Ärmsten der Armen wird gekürzt und gestrichen und gegen Steuerverschwendung der öffentlichen Hand in Milliardenhöhe wird nicht eingeschritten. Allein der Aufwand, der bisher betrieben wurde um den armen Kerl zu sanktionieren und seine Menschenwürde zu verletzen übersteigt den Gegenwert der vorläufig eingesparten Mittel aus dem Sozialhilfeetat um ein vielfaches. Die Gesellschaft hat ein Recht darauf, dass die vom Steuerzahler erbrachten Leistungen sinn- und massvoll eingesetzt werden und nicht in den Amtsstuben von unfähigen, von der Allgemeinheit bezahlten Behördenvertretern vergeudet werden. Der Sachbearbeiter hat der Allgemeinheit Schadenersatz zu leisten und ist zur Verantwortung heranzuziehen.

28.03.2009
14:05
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von Karl der Kleine | #72

Manchen dieser Sozial-Arbeiter würde ich gerne mal auf der anderen seite des Hutes sitzen sehen. Dann wüsste ich, wohinmit meiner Notdurft!

28.03.2009
12:40
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von thomas-62 | #71

Zitat: Ein Mitarbeiter des Sozialamts in Göttingen hatte beobachtet, wie ein Mann beim Betteln 7,40 Euro eingenommen hatte. Daraufhin rechnete die Behörde das Einkommen aus Almosen auf 120 Euro im Monat hoch (...)

Die Spitzelei in dieser Gründlichkeit ist selbst für gelernte und stasi-erfahrene ex-DDR-Bürger in ihrer Menschenverachtung noch in Novum. Offensichtlich war der Mann nicht mit sinnvoller Tätigkeit ausgelastet. Sicher gibt es auch gewerbsmäßiges Betteln. Das kann man nun aber wahrlich nicht allen Bettlern unterstellen wollen.

28.03.2009
08:46
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von Formicula | #70

Einige Kommentare hier sind zum Kotzen. Klar, alle Bettler sind gewerbsmäßige Bettler, da steht der dicke Benz um die Ecke...und außerdem sind alle selber Schuld an ihrer Lage, denn wer arbeiten will, der findet auch welche....
In diesem Sinne scheinen auch die Ämter mittlerweile zu handeln.
Gleichzeitig werden von denselben Leuten die Ackermanns und Zumwinkels dieser Welt als gerissen und clever bewundert....

28.03.2009
01:41
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von scouti | #69

Was ist mit Gutscheinen: á 50 Cent bei einer Frittenbude kaufen und dem dankbaren Obdachlosen in den Hut legen - so gibts was zu essen aber kein Bargeld. Da trennen sich dann u. a. auch die Bedürftigen und die gewerbsmäßigen Bettler.

28.03.2009
00:15
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von JOGIBAER | #68

Da bin ich gespannt,wie die Stadt einen Weg zur gerechten Berechnung des Sozialsatzes finden will;vor allen Dingen, auch wann??
Hier treffen eindeutig die Amerikanischen Verhältnisse auf die noch immer glaubenden Deutschen,alles und jeden abzusichern...
Welch ein IRRSINN!!

27.03.2009
22:54
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #67

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.03.2009
22:22
Stadt kürzt Bettler die Sozialhilfe
von dasKollektiv | #66

..so mancher Beamte oder Sozi-Bearbeiter sollte zwangsweise Medizinisch-Psychologische Untersucht werden >b<!!!</b<

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/551351/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
Papst Benedikt wird 85
Bildgalerie
Kirche
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...