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Kontaktsperre

1. Bundesliga, 14.12.2007, Gerd Böttner
Vor dem Bundesligaspiel des MSV Duisburg gegen Eintracht Frankfurt herrscht Funkstille zwischen den beiden Trainern Rudi Bommer und Friedhelm Funkel. In ihrer aktiven Zeit spielten sie gemeinsam bei Bayer Uerdingen

Duisburg. Manchmal muss eine gewachsene Freundschaft eine kleine Auszeit aushalten können. Als Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel am Montag seinen 54. Geburtstag feierte, fiel der Anruf von Kumpel Rudi Bommer bewusst aus: "Vor diesem wichtigen Spiel sollte es keine Kontaktaufnahme geben, der Glückwunsch wird aber nachgeholt." Vor der lieben Pflicht steht der harte Alltag, wenn sich morgen (17 Uhr) der MSV Duisburg und die Frankfurter Eintracht zum Showdown formieren.

Die Gemeinsamkeiten der Berufskollegen, die sich mittlerweile im Club der Fünfziger wiederfinden, fußen in einer Zeit, als in umittelbarer Duisburger Nachbarschaft unter dem Uerdinger Bayer-Kreuz die Sporthosen noch enger, die Haare noch länger waren und Spitzenfußball geboten wurde. Bommer und Funkel zählten zu den Protagonisten, als der Werksklub die Saison 1985/86 mit einem mehr als respektablen dritten Platz beendete, gerade einmal vier Punkte hinter Meister Bayern München. Die Mitstreiter von damals könnten sich noch heute voller Begeisterung auf die Schenkel klopfen, wenn sie sich daran erinnern, Konkurrenten wie Mönchengladbach, Schalke oder Dortmund hinter sich gelassen zu haben.

Und beide atmeten Seite an Seite Fußballgeschichte, als es im Uefa-Pokal 7:3 gegen Dynamo Dresden hieß. Dabei herrschte zur Pause die pure Aussichtslosigkeit, nachdem Bommer per Eigentor für den 1:3-Zwischenstand gesorgt hatte. "Es war eben ein in jeder Hinsicht vollkommen verrücktes Spiel", heißt es unisono.

Danach sind die Jahre bis zu diesem sonntäglichen Premierentag - erstmals stehen sich der 50-jährige Bommer und der 54-jährige Funkel in der Bundesliga gegenüber - nur so verflogen. Und in dem Klub, in dem der eine nun Regie führt, hat der andere bei seiner jahrelangen Tätigkeit Zeichen gesetzt und deutliche Spuren hinterlassen.

Funkel, im vierten Jahr Cheftrainer in der Mainmetropole, freut sich, mal wieder in Duisburg reinzuschauen. "Aber von damals kenne ich persönlich nur noch die Zeugwarte und den Organisationsleiter Michael Meier." Rückblick auf schöne und bewegte Jahre und auf Aufbauarbeit Marke Funkel, der die Zebras hübsch auf Trab gebracht hat. Als Nachfolger (verpflichtet vom früh verstorbenen MSV-Präsidenten Dieter Fischdick) von Hannes Bongartz führte Funkel den MSV im Schlussspurt zurück in die Bundesliga. Es folgten für die Meidericher üppige Jahre mit einstelligen Plätzen in der Endabrechnung, mit dem UI-Cup-Finale gegen AJ Auxerre, mit dem Pokalfinale gegen den FC Bayern und mit dem Kurzzeit-Gastspiel im damals noch existie-renden Europapokal der Pokalsieger. Funkel folgte dem Duisburger Auftrag vom 14. Mai 1996 bis 19. März 2000. In der ewigen Bestenliste der Duisburger Bundesligatrainer behauptet F.F. unangefochten den ersten Platz. "Das macht mich schon stolz."

Derweil entdeckte Bommer am Main für sich das multifunktionale Handeln und Denken. Eigentlich schon im heimatlichen Aschaffenburg bei der dortigen Viktoria im Vorhof des Vorruhestandes (1988 aber als Olympia-Kicker in Seoul am Ball), klopfte unversehens die Bundesliga beim damals 34-Jährigen an. Die alte Liebe Fortuna Düsseldorf verfasste ebenso eine Offerte wie die Eintracht. "Als ich mir in Mannheim die Fortuna anschaute, saß Frankfurts Trainer Dragoslav Stepanovic vor mir auf der Tribüne und sagt, nix da, Du kommst zu uns."

Dieser Ruf vom "Lebbe-geht-weider-Steppi" duldete keinen Widerspruch, zumal die Ehefrau des Kickers mit der Weitergabe von Bommers Visitenkarte, inklusive Telefonnummer, nachhalf. Bei der Diva vom Main wuchs Bommer zum Tausendsassa: Bundesligaspieler, Co-Trainer von Stepanovic und Charly Körbel, Trainer der Eintracht-Amateure, die er 1995 in die Regionalliga führte.

Nun also die Begegnung in einer Zeit der süßen Wünsche. Bommer wünscht sich einen Dreier, um der Rückrunde mit einem guten Gefühl zu begegnen. "Aber das wird verdammt schwer, schließlich kenne ich meinen Spezi Friedhelm Funkel." Der wünscht sich einen verspäteten Glückwunsch. Mindestens.

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