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Interview

Owomoyela trotzt der NPD und bleibt positiv

BVB, 07.11.2009, Thorsten Schabelon
Dortmund. Er war Fußball-Nationalspieler, hat die NPD erfolgreich wegen rassistischer Beleidigung verklagt, ist Musik-Fan, gelernter Gas- und Wasserinstallateur und stand in dieser Saison bei allen Bundesliga-Minuten von Borussia Dortmund auf dem Platz: Patrick Owomoyela.

Die Rastas bleiben dran. (Goeke) (Bodo Goeke)
Die Rastas bleiben dran. (Goeke)

Am Sonntag will Patrick Olaiya Olukayode Owomoyela, Hamburger mit deutscher Mutter und nigerianischem Vater, mit dem BVB bei seinem Ex-Klub Werder Bremen punkten. Und sich so nachträglich zu seinem 30. Geburtstag beschenken.

Donnerstag sind Sie 30 Jahre alt geworden. Bietet der Eintritt in das gesetztere Fußballer-Alter die Gelegenheit, Ihre markanten Rastas einer klassischeren Frisur zu opfern?

Patrick Owomoyela: Für so einen gepflegten Kurzhaarschnitt? Ich habe Angst, dass nicht mehr alles voll nachwächst und dass man meine Geheimratsecken sieht. Im Ernst: Ich sehe kein Ende von irgendwas, keinen Neuanfang oder einen Anlass, seriös zu wirken. Ich bin ja seriös. Mir sagen viele, dass ich wie 26 oder 27 aussehe. Ich habe einfach Spaß am Leben. Das hält mich jung.

Gibt es schon Pläne für die Karriere nach der Karriere?

Owomoyela: Es sind ja noch ein paar Jahre, ich bin ja erst im letzten Drittel meiner Profi-Zeit. Die Gastronomie interessiert mich, ich habe gerne mit Menschen zu tun. Außerdem ist Musik ein Riesenthema, nicht auf der Bühne, aber in der Musik-Entwicklung. Ich kann mir auch vorstellen, im Fußball zu arbeiten und einen Trainer zu unterstützen. Das habe ich früher immer ausgeschlossen. Und ich liebe Kinder, würde mir deshalb gerne eine Familie aufbauen.

Werden Sie bald auch die Heimat Ihres nigerianischen Vaters besuchen?

Owomoyela: Der Besuch naht, vielleicht schon im kommenden Sommer. Wenn ich Filme aus Afrika sehe, bekomme ich schon Heimweh. Oder Fernweh?

Was unterscheidet den Routinier Owomoyela von dem Jungprofi Owomoyela?

Owomoyela: Ich habe gelernt, nicht mehr alles mitzunehmen und auch mal eine Sause auszulassen. Früher wollte ich alles sehen und erleben. Heute muss ich nicht drei Mal die Woche vor die Tür gehen, feiern und es krachen lassen. Das geht auch gar nicht mehr, ich werde ja früher müde. Meine Charakterzüge haben sich aber kaum verändert. Ich bin manchmal immer noch so kindisch und bescheuert wie früher.

Sie haben schon einige Bundesliga-Jahre in den Knochen. Fällt morgens das Aufstehen schwer?

BVB-Profi Patrick Owomoyela im Interview vor dem Spiel gegen Werder Bremen. Owomoyela spielte in der Saison 2005/06 für die Bremer.

Owomoyela: Nein, ich habe weder Wehwehchen noch Alterserscheinungen. Toi, toi, toi, dass das so bleibt.  

In Ihrer Karriere lief nicht immer alles rund. Es gab lange Verletzungspausen.

Owomoyela: Das waren für mich Erfahrungen. Du kannst nur noch zuschauen, trittst auf der Stelle. Da musst du positiv bleiben. Und ich habe nichts von meiner Lebensfreude eingebüßt. Es ist doch so: Auch wenn ich nicht spielen konnte, musste ich mich nicht um meine Zukunft sorgen. Ich weiß, dass viele Dinge in meinem Leben positiv gelaufen sind. Deshalb habe ich keinen Grund, mürrisch durch die Gegend zu gehen.

Ihr Start beim BVB war schwierig. Sie waren erst verletzt, haben dann eine starke Rückrunde gespielt. Zuletzt wurden Sie aber ausgepfiffen. Warum läuft es noch nicht so?

Owomoyela: Ich muss mich stabilisieren, bin noch nicht so gut in Tritt wie letzte Saison. Das gilt auch für unsere Mannschaft, die noch nicht so funktioniert. In den letzten vier Liga-Spielen war zumindest defensiv wieder viel okay. Das ist die Pflicht. Alles andere kommt.

Liegt es daran, dass Ihnen beim BVB kein Konkurrent im Nacken sitzt?

Noch Luft nach oben. (Goeke) (Bodo Goeke)
Noch Luft nach oben. (Goeke)

Owomoyela: Quatsch. Julian Koch kann auch als rechter Außenverteidiger spielen. Ich lasse mir aber von keinem Spieler Druck machen. Ich mache mir selbst Druck und will den Trainer überzeugen. Und Jürgen Klopp zieht mit Sicherheit keinen Spieler mit durch.

Sonntag geht's gegen Ihren Ex-Klub Werder Bremen.

Owomoyela: Ein besonderes Spiel. Da sind die Erinnerungen und gute Freunde wie Tim Borowski oder Per Mertesacker.

Der BVB ist Außenseiter.

Owomoyela: Trotzdem wollen wir was Zählbares mitnehmen. Bremen ist spielstark, aber nicht tadellos und hatte ein paar Mal Glück. Mit den richtigen taktischen Mitteln können wir ihnen Probleme machen.

In Dortmund engagieren Sie beim TuS Eving, einem Landesliga-Verein, und werden schon mal der Dietmar Hopp von Eving genannt.

Owomoyela: Ich bin weder Hauptsponsor noch Dietmar Hopp und habe eine da auch keine sechsstellige Summe reingesteckt, wie ich mal gehört habe. Ich kenne da ein paar Jungs. Deren Ideen haben mich überzeugt und da habe ich was gespendet. Und bisher läuft es beim TuS richtig gut.

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