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Kanzlerkandidatur

SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild

14.08.2012 | 09:30 Uhr
Steinmeier, Gabriel, Steinbrück (von links): Die SPD-Troika ringt um die Kanzlerkandidatur.Foto: dapd

Berlin.  Trotz eines Machtwortes Generalsekretärin Andrea Nahles kommt die SPD in der K-Frage nicht zur Ruhe. Einige Sozialdemokraten aus der zweiten Reihe empfehlen nun ein Auswahlverfahren nach französischem oder amerikanischem Vorbild. Andere wollen aus der Kandidaten-Troika mindestens ein Sextett machen.

Die SPD hat ihr Sommerlochthema gefunden: Trotz eines Machtwortes von Generalsekretärin Andrea Nahles streitet die Partei über die Kür ihres Kanzlerkandidaten für 2013. Politiker aus der zweiten Reihe kritisierten am Dienstag Zeitplan und Auswahlverfahren und empfahlen die Vorwahlen in den USA und Frankreich als Vorbild. Die Parlamentarische Linke wollte aus der Kandidaten-Troika mindestens ein Sextett machen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug sagte der "Bild"-Zeitung, eine Entscheidung über den Kanzlerkandidaten nach der Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar 2013 sei zu spät. "Bis Ende des Jahres sollte unser Kanzlerkandidat feststehen", forderte das Mitglied des rechten Seeheimer Kreises in der SPD. Sonst bleibe der SPD nicht genügend Zeit für den Wahlkampf gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil sprach sich für eine Kandidatenkür nach US-Vorbild aus. "Die Mitglieder sollen in einer Urabstimmung über die Frage der Kanzlerkandidatur entscheiden. Vorher kann es nach amerikanischem Vorbild eine TV-Debatte geben, bei der sich alle Kandidaten präsentieren", sagte er dem Blatt.

SPD soll ihre weibliche Seite zeigen

Dagegen bevorzugte Baden-Württembergs SPD-Generalsekretärin Katja Mast eine Vorwahl nach französischem Vorbild. "Die SPD würde dadurch insgesamt gewinnen", sagte sie. In Frankreich habe die Auswahl des sozialistischen Kandidaten zu einer Mobilisierung geführt, die dazu beigetragen habe, dass Präsident Nicolas Sarkozy abgewählt und durch François Hollande ersetzt wurde.

Kommentar
Liebe SPD, lass es lieber sein... - von Ulrich Reitz

Der Druck auf die SPD, einen Kanzlerkandidaten auszuwählen, wird immer größer. Doch das Risiko wäre größer als der Gewinn. Den KIandidaten kurz vor der Wahl auszuwählen, reicht völlig aus.

Nach Ansicht des Sprechers der Parlamentarischen Linken der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, fehlen in der Kandidaten-Troika aus dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier und dem früheren Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ein paar Frauen.

"Aus der Troika sollte ein Kernteam werden, zu dem zusammen mit anderen Frauen Manuela Schwesig, Andrea Nahles und Aydan Özoguz gehören müssen", sagte Rossmann dem "Hamburger Abendblatt". Die SPD habe mehr zu bieten als eine starke männliche Seite. Schwesig und Özoguz sind stellvertretende Parteivorsitzende.

Seeheimer Kreis mahnt zur Ruhe

Der Sprecher des Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, mahnte die SPD, die Frage der Kanzlerkandidatur mit Ruhe anzugehen. Der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder sei 1998 erst sechs Monate vor der Bundestagswahl als Kanzlerkandidat aufgestellt worden, sagte Kahrs der Zeitung.

Heimspiel für Steinmeier

Angesichts der wieder entflammten Diskussion über die Kanzlerkandidatur der SPD beharrt die Parteispitze jedoch darauf, eine Entscheidung erst im Januar zu treffen. SPD-Generalsekretärin Andreas Nahles rief am Montag in Berlin dazu auf, die Debatte unverzüglich zu beenden.

Nahles: Nabelschau nutzt nur der Kanzlerin

Die damit verbundene "Nabelschau" schade zum jetzigen Zeitpunkt der SPD und komme nur der Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zugute, sagte Nahles am Montag in Berlin. Es sei nicht "klug" für die SPD, "sich jetzt öffentlich mit sich selbst zu beschäftigen". "Der Zeitplan steht und wird unterstützt von allen drei Kandidaten", fügte Nahles hinzu.

Die Genossinnen und Genossen treffen...

Losgetreten wurde die Debatte von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Thorsten Albig, der für Steinbrück unter anderem als Pressesprecher gearbeitet hat. Er hatte sich aber am Wochenende für Steinmeier ausgesprochen - und so die Debatte erneut losgetreten. "Tu dir das nicht an", riet Albig seinem ehemaligen Chef.

In der Folge meldeten sich auch Unterstützer von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück zu Wort.

 


Kommentare
25.08.2012
14:10
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von Alter-MAnn59 | #12

Da gibt es Politiker, die Hartz-Gesetze als Erfolg verkaufen wollen.
Wie passen dann
1. der Stand der "Schuldenuhr" der BRD - BUND- Länder u. Kommunen?
2. die aktuelle Verarmung von immer mehr Bürgern ...?
3. die wachsende expl. Altersarmut ...
4. die Ungerechtigkeit bei Löhnen -
Soll das soziale Gerechtigkeit sein?
Alle Arbeiter arbeiten am selben Produktionsort:
Festangestellter des Unternehmens erhält 25 Euro pro Stunde
Leiharbeiter direkt über das Unternehmen erhält 18 Euro pro Stunde
Leiharbeiter über Zeitarbeit-Unternehmen erhält 8 Euro pro Stunde
5. die Tafeln nehmen immer mehr zu. Demütigungen auf der ganzen Linie.
5.1 wie kann man Arbeitnehmer mit z.B. 37 - 43 Jahren "Berufsweg" mit Menschen, die noch nie
gearbeitet haben, gleich setzen und nach Hartz gleich behandeln?
D.h. Haus oder Wohnung verlieren, Familie kaputt machen,...
!
Warum erhalten nicht alle Kinder die gleiche Höhe Kindergeld?
Erfolg sieht anders aus!!!!
Steinbrück u. Steinmeier zieht ab, und nehmt Nahles mit!

14.08.2012
15:16
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #11

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.08.2012
13:11
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von TVtotal | #10

Klar..nur wird das am Geld scheitern, weil die Spenden aus der Wirtschaft wären ja Parteienfinanzierung...die SPD sollte ihre Hinterbänkler mal bremsen damit die nicht son Blödsinn verbreiten....

14.08.2012
12:58
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von meinemeinungdazu | #9

Keiner dieser Sozialverräter-Troika wird gebraucht. Warum sollten Millionen brüskierte frühere SPD-Wähler zurückkehren? Es gibt keinen einzigen Grund. Der Ausverkauf nach Europa würde noch schneller gehen. Während in Deutschland durch Rot-Grün die sozialen Daumenschrauben angezogen wurden, werden sie in anderen Ländern (Frankreich) gelockert. Die fleißigen deutschen Bürger werden dadurch abgezockt und lustlos. Diese SPD braucht keiner.

1 Antwort
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von grummelglatz | #9-1

genau so !

14.08.2012
12:20
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von orirar | #8

Man sollte Frau Nahles nicht außer betracht lassen. Sie und Rrau Roth würden ein Traumführungspaar in einer Rot/Grünen Regierung abgeben.

1 Antwort
Traumpaar Nahles/Roth
von ultron | #8-1

Ja - und das tolle ist, dass man noch nicht mal "Ironie aus|an" dazu schreiben muss, wenn man solche Spekulationen anstellt - ich habe mich schon oft gefragt, welche der beiden wohl den IQ der anderen unterbieten kann - nicht einfach zu beantworten, aber ich tipp mal auf Claudia Roth! ;-)

14.08.2012
12:13
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von ultron | #7

Lustig finde ich auch:
"Trotz eines Machtwortes von Generalsekretärin Andrea Nahles..."
Na, ihre Wortgewalt scheint nicht so beeindruckend zu sein wie der Titel "Generalsekretärin" glauben machen könnte - eine Sekretärin ist eben noch lange kein General, auch wenn sie sich wohl gerne so vor kommt - könnte mir vorstellen, dass man selbst in den eigenen Reihen nur ein mildes Lächeln für diese Dame übrig hat... ,-)

14.08.2012
11:23
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von lyx7 | #6

Nun also auch noch peinliches Polit-Theater wie in den USA? Wenn schon keine charismatischen Führungspersönlichkeiten und Inhalte, dann wenigstens eine lächerliche und undemokratische Show? Und das auch noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?

Für wie dumm halten unsere selbstherrlichen Parteien die WählerInnen eigentlich?

14.08.2012
11:00
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von grummelglatz | #5

Es ist und bleibt die "Schröder" Partei = unwählbar !

14.08.2012
10:57
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von Funakoshi | #4

Von den "Würsten" hat doch keiner auch nur annähernd das Charisma bzw. Format, dass Kurt Schumacher, Herbert Wehner, Willy Brandt uva. in der Partei einmal besaßen! Wenn die Hamburger "Kodderschnauze" nur 20 Jahre jünger wäre. Er würde sie alle in der Pfeife von "Pappa Herbert" rauchen (obwohl nur Zigarrettenraucher)! Aber so wird die Deutsche Sozialdemokratie nix gegen dat "Mädel" ausse Uckermark ausrichten können. Die Olle sitzt höchstens noch fester im Sattel!!!

14.08.2012
10:43
Wahlverfahren aus aller Welt - braucht die SPD Vorbilder?
von TreuerLeser | #3

„Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil sprach sich für eine Kandidatenkür nach US-Vorbild aus“.

„Dagegen bevorzugte Baden-Württembergs SPD-Generalsekretärin Katja Mast eine Vorwahl nach französischem Vorbild“.


Das amerikanische Vorbild halte ich für nicht sehr nachahmenswert. Allein die Tatsache, dass der Wahlkampf dort hauptsächlich aus Spendengeldern bestritten wird, kann so etwas für die SPD eigentlich nicht attraktiv machen.

Außerdem wäre wohl Herr Steinbrück im Vorteil, der durch seine Bücher und bezahlte Vorträge in den letzten Jahren erhebliche Geldmittel eingesammelt haben dürfte.

Ob er sie aber für „Primaries“ einsetzen möchte…?

Das französische Vorbild (m. E. also reine Urwahl an Urnen oder per Brief) hat die SPD doch schon mehrfach praktiziert, so 1995 im Falle Rudolf Scharping.

Aber ich könnte mir vorstellen, dass Frau Mast, die damals 24 Jahre alt war, sich jetzt fragt „Wer ist Scharping?“.

3 Antworten
SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von dummmberger | #3-1

Das haben wir Älteren uns aber damals schon gefragt......

Scharping
von ultron | #3-2

@dummmberger | #3-1:

Ganz Recht, aber zur Erinnerung: das war der, der immer vom Fahrrad fiel und gerne mit einer Gräfin im Pool planschte... ;-)

SPD-Politiker fordern Kandidatenkür nach amerikanischem Vorbild
von Plem | #3-3

Die Erkennbarkeit und Zuordnung scheint schon immer ein Problem in der SPD gewesen zu sein. Deswegen hielt der ehemalige Vorsitzende Kurt Beck bei seinen öffentlichen Auftritten immer eine Dose Becks in der Hand. Da konnte man immer sagen: "Das ist Becks Bier". Und jeder wußte sofort, wer er war...

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