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Sommer, Sonne, FKK?

28.06.2012 | 14:27 Uhr
Foto: /dapd/Clemens Bilan

Sie tun es am Strand, sie tun es im Park, sie tun es im Wasser: FKK-Fans lassen mit Beginn der Sommersaison wieder die Hüllen fallen.

Berlin (dapd). Sie tun es am Strand, sie tun es im Park, sie tun es im Wasser: FKK-Fans lassen mit Beginn der Sommersaison wieder die Hüllen fallen. Galt Freikörperkultur in den vergangenen Jahrzehnten auch als gesellschaftspolitisches Statement und Ausdruck von Freiheit, ist sie heute weniger en vogue. Denn FKK-Vereine kämpfen seit längerem mit schwindenden Mitgliederzahlen, wie der Präsident des Deutschen Verbands für Freikörperkultur, Kurt Fischer, beklagt. Unverändert bleibt aber eines: Vorurteile gegen FKKler.

Ohne Badebekleidung ins Wasser zu gehen, Wind und Sonne auf der nackten Haut zu spüren, das sei einfach ein ganz besonderes Körpergefühl, sagt Fischer im dapd-Interview. Das müsse jeder selbst ausprobieren, um es zu verstehen. Dennoch, immer weniger Menschen engagieren sich aktiv in einem FKK-Verband: "Wir hatten 2011 rund 39.000 Mitglieder in Deutschland. Im Vergleich zum Jahr 2010 haben wir 2,6 Prozent verloren", sagt Fischer.

Da gehe es den FKK-Vereinen wie anderen Verbänden auch. Menschen müssten heute flexibler sein und wollen sich nicht unbedingt binden, begründet er. Lust auf mehr Verantwortung und Verpflichtung? Fehlanzeige. Aber gerade das sei es, was den Vereinsgedanken ausmache. Hier sei schließlich Mitmachen, sich Einbringen angesagt, fügt der 70-Jährige hinzu. "Sich auf einem FKK-Vereinsgelände aufzuhalten, gibt natürlich auch mehr Rechtssicherheit. Das Nacktsein kann dort nicht verboten werden."

Schließlich ist die Freikörperkultur (FKK) nicht an allen Orten erlaubt, bei einem Verstoß können Praktizierende sogar mit einem Bußgeld rechnen, sagt der Vorsitzende des Landesverbands Nordrhein-Westfalen des Deutschen Anwaltvereins, Jürgen Widder. Wenn die Hüllen ohne Bedenken fallen sollen, seien ausgewiesene FKK-Bereiche geeignet wie zum Beispiel FKK-Strände, FKK-Clubs oder FKK-Vereinsgelände.

Darüber hinaus gibt es dem Deutschen Anwaltverein zufolge einen sogenannten Graubereich. Damit gemeint sind Orte, an denen FKK geduldet wird, zugleich aber keine behördliche Genehmigung vorliegt. Verlassen FKK-Fans die ausgewiesenen Bereiche, müssen sie aber mit Beschwerden rechnen. Nacktsein sei aber keine Straftat, sagt Widder.

Auch wenn FKK außerhalb der ausgewiesenen Bereiche längst nicht jedes Gemüt erhitzt, so halten sich Expertenaussagen zufolge gewisse Vorurteile seit Jahrzehnten. "Viele Menschen meinen, dass FKKler ein ganz anderes Verhältnis zur Sexualität haben, beziehungsweise eher im Sinne eines Exhibitionismus sich zur Schau stellen wollen", sagt der Leiter des Bereichs Sexualmedizin bei der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Michael Berner.

"Nacktsein an sich ist nichts, was wir als normal empfinden", fügt der Psychiater und Ärztliche Direktor der Rhein-Jura Klinik im baden-württembergischen Bad Säckingen hinzu. "Wir bekommen das Angezogensein beigebracht. Kulturell ist es unserer Gesellschaft anerzogen worden, dass Menschen die Hüllen erst fallen lassen, wenn sie einander nahe kommen."

Dabei sei es Ende des 19. Jahrhunderts ein Anliegen der Freikörperkultur gewesen die Menschen aus der einengenden, teilweise starren Bekleidung zu befreien, erklärt der Historiker Daniel Morat von der Freien Universität Berlin im dapd-Interview. "Die in den dicht besiedelten Städten lebenden Bürger zurück zur Natur zu führen und ihnen dadurch heilsamen Ausgleich zu verschaffen, waren Ziele der Lebensreformbewegung in deren Kontext auch die Freikörperkultur gehört", fügt der Experte hinzu.

dapd

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