Sie war die „Ruhrpott-Duse”
22.12.2008 | 10:33 Uhr 2008-12-22T10:33:00+0100Bochum. Tana Schanzara ist tot. Sie wurde genau 83 Jahre alt, starb am Freitag, dem Tag ihres Geburtstags. Mit ihr geht ein Mensch mit Herz, einer für die Menschen im Revier.
Tana Schanzara, die am vergangenen Freitag verstorben ist, an ihrem 83. Geburtstag, bildete den Inbegriff des bodenständigen, überkommenen Ruhrgebiets – vergleichbar nur mit Jürgen von Manger, den sie in ihren Anfängen am Theater auch persönlich kennen gelernt hat.
Und dabei ist Tana Schanzara in Kiel geboren worden. Doch der hohe Norden blieb nur Episode. Seit 1956 gehörte die „Ruhrpott-Duse” wie sie von ihren Fans und den Medien liebevoll genannt wurde, zum Ensemble des Schauspielhauses Bochum. Außer mit Saladin Schmitt hat sie mit allen Intendanten zusammengearbeitet, von Hans Schalla bis Elmar Goerden. Wobei sie über Leander Haußmann stets voll des Lobes gewesen ist, dem eisbärtigen Frank-Patrick Steckel indessen hat sie nur wenig abgewinnen können.
Die Kitsch-Alarmsirene
Die Theaterchefs gingen, Tana blieb – und wurde populär und populärer. Sie sang forsch und frech „Vatter, aufsteeh'n!” und lieferte den Soloabenden, die ihr der Regisseur und Autor Uwe Jens Jensen auf den Leib geschrieben hatte, die Liedtexte – die tief in die Seele und das Sentiment des Ruhrgebiets-Menschen blickten. Keiner, der es je gehört hat, wird Tanas herzergreifende Version von „My Way” vergessen. Oder das Lied von der „Omma”. Bei jeder anderen wäre hier die Kitsch-Alarmsirene erklungen, sang Tana die herzergreifende Verse von der „Omma”, die den Kindern immer auch ein Scheinchen zusteckt – dann flogen ihr die ungeschmälerten Sympathien entgegen. Und Skeptiker verstummten, weil sie keine Spielverderber sein wollten. Ob sie den Pott nun mit New York verglich („Der Ruhrschnellweg ist der Broadway”) oder Parallelen zu Moskau zog, Tana in ihrem Büdchen, das ist ein Bild, das unvergessen bleiben wird, selbst wenn das Ruhrgebiet dereinst von Glitzerpalästen überzogen sein sollte. Doch nicht nur der heiteren Muse galt ihr Talent. In ihrer Anfangsphase am Theater hat sie durchaus in tragischen Rollen reüssiert, und ihr Förderer Uwe Jens Jensen stellte einmal fest: „Tana kann jeden Tschechow spielen.” Einen Höhepunkt ihrer Karriere bildete deshalb auch ihr Gastspiel am Wiener Burgtheater in Peter Turrinis „Tod und Teufel” im Jahre 1990. Sie spielte die Rolle der „alten und versoffenen Frau” so überzeugend und anrührend, dass sie dafür von der Fachzeitschrift „Theater heute” zur Schauspielerin des Jahres gewählt wurde. Die feinen Damen aus dem Burgtheater hatten es übrigens abgelehnt, die arg heruntergekommene Alte zu spielen: Da musste die Frau aus dem Ruhrpott her. Brilllant war Tana.
Publikumsliebling
Zum ernsten Fach blieb ihr in späteren Jahren nur noch selten Gelegenheit – und Tana litt nicht darunter. Sie fühlte sich wohl als Publikumsliebling, trat oft und gern für wohltätige Zwecke auf, war stets zur Stelle, wenn Hilfe vonnöten war. Ein Mensch mit Herz für die Menschen im Revier, ganz gewiss. Und so ist es auch nur ein kleiner Schönheitsfehler, dass sie privat nie diese vielbesungene Ruhrpott-Duse gewesen ist: Jenseits der Bühne war sie eine empfindsame, aufmerksame Frau, nur lebenspraktisch, das war sie genauso wie jede gewitzte Hausfrau aus den Tiefen der Kolonie.
Tana Schanzara wurde am 19. Dezember 1925 in Kiel geboren und hieß eigentlich Konstanze Schwanzara. Sie nahm in Köln Schauspielunterricht und war danach an den Kammerspielen in Bonn und Theatern in Köln, Mannheim, Oldenburg und Gelsenkirchen tätig. Seit 1956 Schauspielhaus Bochum. Tana Schanzara hat seit 1971 in einer großen Zahl an Fernseh- und Kino-Filmen mitgewirkt. Sie erhielt den Ehrenring der Stadt Bochum und das Bundesverdienstkreuz.
Die Rolle der schnurrigen Plaudertasche hinterm Kiosktresen war für Tana Schanzara nur eine Bühnenfigur, die sie jedoch zur Glanzrolle adelte. Auch das breite Ruhrpott-Platt versickerte sofort, wenn Tana die Bühne verlassen hatte. Auch das nur gespielt – aber mit Inbrunst.
Persönliche Anmerkung
Eine kleine persönliche Anmerkung sei zum Schluss erlaubt: Mittags musste ich Tana immer zu ihrem kleinen Haus in Herne fahren, von ihr liebevoll „Hazienda” genannt. Diese Unterbrechung der Filmarbeiten war zwingend notwendig und im Drehplan somit unabweichlich vorgesehen. Mittags hatte Tana ihre Hunde zu füttern, da konnte auch keine noch so eilige Kameraeinstellung gegen an. Gedreht wurde damals der Kinofilm „Ein Dichter in der Familie”, dessen Drehbuch ich geschrieben habe. Diese Hommage an die Revier-Duse zu ihrem 80. Geburtstag zeigte Tana einmal nicht von ihrer heiteren, sondern eher von einer nachdenklich-poetischen Seite.
Tanas Tierliebe war legendär. Und es geht die Legende, dass Tana Schanzara früher von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier gefahren ist, um dort den Tombolagewinnern die (damals noch lebenden) Gänse abzukaufen, um sie vorm Weg in die Bratröhre zu bewahren. Tschüss, Tana!
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- Bericht: Schauspielerin Tana Schanzara ist tot
- Dat war ihr Weech
01:16
Tanaa aufstehn. Wie schade, die Simone Signoret vonne Ruhr ist tot: Der Pott verliert seine größte kleine Frau. Tana, du wirst fehlen. Ich bin traurig.
14:15
Du hasset gezz geschafft! Schön, dattet dich gegehm hat! Mach gut, Tana! Du bleips für imma in unsa Härz!
13:24
Glück auf, Tana!
12:36
Eine klasse Frau mit viel Herz.
Dat tut weh.
11:54
Ein wirklich schöner Nachruf. Umso ärgerlicher, dass mittendrin ein Werbe-Pop-up aufspringt, der jeglichen Lesegenuss zunichtemacht. Das ist unsensibel!
11:44
Tana, wir lieben Dich.
Tschüssken, bis demnächst in dat Theater!
08:23
Das Ruhrgebiet warst Du.......ein letztes Glück auf
08:11
Ein Film, in dem sie mit Hape Kerkeling spielte, hieß Die Oma ist tot, oder wie wir wohl sagen würden De Omma is tot.
Leider nun wahr.
06:45
Herne ist wieder ein Stück ärmer geworden.
00:06
Auf Wiedersehen. Ich habe Frau Schanzara sehr gemocht und sie immer gerne in ganz unterschiedlichen Rollen gesehen.
Wir werden Sie vermissen, aber nie vergessen.
Auf Wiedersehen.