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Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet

28.04.2009 | 16:33 Uhr

Essen. Weitere Todesfälle in Mexiko, immer neue Verdachtsfälle - auch in NRW: Die Schweinegrippe breitet sich aus, und Gesundheitsexperten warnen vor der realen Gefahr einer Pandemie. DerWesten erklärt, wie sich NRW auf den Ernstfall vorbereitet.

Was ist eine Pandemie?

Experten unterscheiden zwischen den normalen, jedes Jahr auftretenden Grippewellen – der „saisonalen Influenza“ – und einer weltweiten schweren Grippeepidemie: der Pandemie. Diese kann auftreten, wenn ein neuer Untertyp des Influenzavirus auftaucht, gegen den noch niemand Antikörper bilden konnte, der sich aber von Mensch zu Mensch überträgt. Bereits seit dem vermehrten Auftreten der Vogelgrippe beim Menschen befürchteten Experten, dass es in näherer Zukunft eine Epidemie geben könnte. Das Vogelgrippevirus überträgt sich jedoch bislang nicht von Mensch zu Mensch – im Gegensatz zur jetzt grassierenden Schweinegrippe.

Was bedeuten die „Warnstufen“, von denen man zurzeit häufig hört?

Fieber in Kombination mit Husten, Atembeschwerden, Schnupfen, Hals-, Kopf- oder Muskelschmerzen sind die Symptome einer Grippe. Medikamente dagegen können nur vom Arzt verschrieben werden. (Foto: AP)

Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilt eine entstehende Pandemie in sechs verschiedene Phasen ein, an denen sich auch die Gesundheitsbehörden in Deutschland orientieren:

Stufe 1: Ein neues Virustyp ist bei Tieren aufgetreten, aber noch nicht bei Menschen. Das Risiko einer Erkrankung von Menschen wird als gering eingestuft.

Stufe 2: Noch immer gibt es keine Krankheitsfälle beim Menschen, aber ein Ansteckungsrisiko ist zu befürchten.

Stufe 3: Ein neuer Subtyp des Grippevirus verursacht auch menschliche Erkrankungen. Übertragungen von Mensch zu Mensch gibt es jedoch noch nicht, oder nur vereinzelt.

Stufe 4: Die Ansteckungen von Mensch zu Mensch nehmen zu.

Stufe 5: Es gibt Belege für erhebliche Mensch-zu-Mensch-Übertragungen.

Stufe 6: Die Mensch-zu-Mensch-Übertragungen dauern an und breiten sich weltweit aus.

Erst in der sechsten Phase sprechen Experten von der eigentlichen Pandemie; die Stufen 1 und 2 gelten als „Interpandemische Periode“, die Stufen 3 bis 5 als „Pandemische Warnperiode“. Erste Schritte der Notfallpläne greifen bereits in der Warnperiode.

Wie lange dauert eine Pandemie?

Die WHO geht davon aus, dass eine Pandemie in zwei Wellen verläuft und etwa ein Drittel der Bevölkerung erkrankt. In der Vorlage für die kommunalen Notfallpläne geht man davon aus, dass jede Welle etwa acht Wochen dauert. Die zweite Welle trete erfahrungsgemäß in den drei Monaten nach der ersten auf, heißt es.

Wie ist Deutschland auf den Ernstfall einer Pandemie vorbereitet?

Es gibt in Deutschland einen Nationalen Pandemieplan, der abstrakte, allgemeine Empfehlungen enthält. Diese werden durch Pandemiepläne der Bundesländer konkretisiert. Die Pläne der Länder wiederum werden durch kommunale Notfallpläne ergänzt, die Maßnahmen in den einzelnen Städten und Kreisen festlegen.

Welche Maßnahmen sieht der Pandemie-Rahmenplan für NRW vor?

Was genau im Fall einer Pandemie geschieht, kann man vorher nicht sagen: „Der Pandemie-Rahmenplan regelt die Abläufe und Entscheidungskriterien für den Ernstfall, man kann das nicht vorab nach Schema F durchplanen“, erklärt Ulrich Lensing, Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums. So lange wie möglich sollen die lokalen Behörden, also beispielsweise Gesundheitsämter, ihre Entscheidungskompetenz behalten. Das, so Lensing, sei wichtig, weil die Situation in verschiedenen Regionen vollkommen unterschiedlich sein kann. „Sie können nicht die Lage in Essen mit der in einem ländlichen Gebiet in Ostwestfalen-Lippe vergleichen.“ Spätestens mit Beginn der Pandemie, also in Phase 6, wird jedoch ein interministerieller Krisenstab unter Federführung des Innenministeriums eingerichtet. „Er koordiniert alle Maßnahmen“, erklärt Lensing. Im schlimmsten Fall – wenn sich die Schweinegrippe massiv und flächendeckend ausbreitet – könne der Krisenstab aber auch fürs ganze Land geltende Entscheidungen treffen.

Wie wird die Versorgung mit Medikamenten sichergestellt?

6,35 Millionen Behandlungseinheiten antiviraler Medikamente hat das Land NRW bereits jetzt eingelagert. Aus den Wirkstoffen können Apotheker im Ernstfall Grippemedikamente herstellen. (Foto: AP)

Die Landesregierung hat bereits 6,35 Millionen Behandlungseinheiten antiviraler Medikamente im Wert von 67 Millionen Euro gekauft. Mit diesen können im Fall einer Erkrankung die Symptome behandelt werden. Die Medikamente werden an einem zentralen Ort gelagert und könnten im Ernstfall in kürzester Zeit ausgeliefert werden. „Das sind zum Teil fertige Medikamente, die direkt verabreicht werden können“, erklärt Ministeriumssprecher Lensing. Zum Teil würden aber auch große Mengen Wirkstoff eingelagert, der etwa von den Apothekern vor Ort zu Medikamenten verarbeitet werden kann. Bereits seit der Pandemie-Warnstufe 3 ist das Wirkstofflager rund um die Uhr erreichbar – auch das ist Teil des Notfallplans.

Woher bekomme ich im Ernstfall mein Grippe-Medikament?

So, wie sonst auch: „Die Entscheidung liegt beim Arzt“, sagt Ulrich Lensing, „der verschreibt das Medikament.“ Von vorsorglichen oder gar Vorratskäufen raten Experten ab: Zu leicht kann man die verschreibungspflichtigen Medikamente falsch dosieren.

Sind für den Ernstfall denn überhaupt genug Medikamente vorhanden?

Mit Hochdruck wird zurzeit an einem Impfstoff gearbeitet - unter anderem in einem Hochsicherheitslabor an der Universität Marburg. (Foto: AP)

Der Ministeriumssprecher beruhigt: „Die 6,35 Millionen Therapieeinheiten reichen für 30 Prozent der Bevölkerung. Und die WHO geht von einer 30-prozentigen Erkrankungsrate aus.“ Der zentrale Medikamentenvorrat reicht also rechnerisch genau für alle Erkrankten. Manche Kreise und Städte, Krankenhäuser und Unternehmen hätten aber auch eigene Vorräte angelegt, erklärt Lensing. „Im Ernstfall sind also Medikamente für mehr als 30 Prozent der Bevölkerung da.“

Wie sieht’s mit Impfungen gegen die Schweinegrippe aus?

Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen den mutierten Virustyp, und die Pharmahersteller gehen davon aus, dass er auch frühestens in drei bis sechs Monaten in ausreichender Menge zur Verfügung stehen wird. Sobald es aber einen Impfstoff gibt, sollen alle Einwohner von NRW zweimal geimpft werden. In den einzelnen Städten und Kreisen werden dann „Stammimpfstellen“ eingerichtet, beispielsweise in den Gesundheitsämtern. Es gebe bereits jetzt Vereinbarungen, die beispielsweise die Mithilfe niedergelassener Ärzte bei den Impfungen regeln, berichtet Ulrich Lensing.

Werden jetzt alle Großveranstaltungen in NRW abgesagt?

Das ist bislang noch überhaupt nicht abzusehen. „Ich würde das jetzt nicht überdramatisieren“, sagt Ulrich Lensing. Die kommunalen Behörden sollen das so lange wie möglich selbst entscheiden können: Gibt es beispielsweise in einer Stadt besonders viele Krankheitsfälle, kann das Gesundheitsamt Schulen schließen oder Fußballspiele absagen. Nur im „worst case“, so Lensing, werde der Krisenstab im Innenministerium ein allgemeines Versammlungsverbot aussprechen.

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Sarah Hubrich

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Kommentare
30.04.2009
13:13
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von CFR | #17

ZITAT:

Doch das Problem von der ursprünglich geplanten und vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Menge, die für mindestens 20 Prozent der Bevölkerung reichen sollte, wurde von den Ländern nur knapp die Hälfte geordert:
O-Ton: Werner Schnappauf, CSU, Gesundheitsminister Bayern ...


Das ist doch der hochumstrittene Gammelfleischheld und Pharmalogenfreund.

Da wollen wir das Robert-Koch-Institut aber mal RICHTIG zitieren:

Anfang Dezember 2004 stellte das Robert-Koch-Institut (RKI), die höchste deutsche Gesundheitsbehörde für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, nach einem Ausbruch von Virusgrippe in einem Seniorenwohnheim fest:

Bewohner mit einer zeitgerechten Grippeschutzimpfung hatten die gleiche Wahrscheinlichkeit zu erkranken wie ungeimpfte Bewohner. (1)


Klartext: Massenimpfungen sind für die Tonne, bestenfalls, allerdings ein MILLIARDENGESCHÄFT für die Pharmaloge.

http://www.impfkritik.de/grippe/index.php

30.04.2009
07:07
Blockierter Kommentar.
von carolin.voss | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.04.2009
08:33
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von vielfahrer | #15

Warum müssen nicht alle Fluggäste aus Mexiko nicht schon am Flughafen direkt in eine Kurz-Quarantäne , um ärztlich untersucht zu werden? Die Regierungen handeln mal wieder gegen ihren Eid, Schaden vom Volke abzuhalten.

28.04.2009
21:49
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von IchLassMichNichtAufhetzen.. | #14

@ #3 Angel:

Weil das hier reine Panikmache ist! Wieviel sind denn heute in Mexiko durchs Drogenkartell erschossen worden? Oder wieviele sind heute in Deutschland an Krebs gestorben? Das dürfte die Zahl der Grippeverdächtigen weit übersteigen.

tinyurl.com/ce8h7y

28.04.2009
21:46
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von franzjos | #13

Man darf auch nicht übertreiben! Bei der so genannten Vogelgrippe, die in China erstmals aufgetreten sein soll, sollten die so genannten todkranken Tiere mehrere Tausend kilometerweit geflogen sein und dann ohne Körperkontakt andere Tiere angesteckt haben, sehr zweifelhaft!
Die Bauern mussten ihre Enten, Gänse und anderes Vogelvieh in Scheunen und ähnlichen Gebäuden wochenlang einsperren wegen so genannter Ansteckungsgefahr, gleichzeitig aber blieben so genannte Parkvögel, Enten und Gänse usw. draußen.
Wie es später hieß, wurden so die Märkte in China und anderswo zerschlagen und bei Züchtern, die sich hier durch einen Tierarzt bescheinigen lassen konnten, dass eines oder mehrere Tiere krank seien, bekamen einen hohen Preis aus Steuergeldern für die dann geklöppelten Tiere.
Später hieß dann mal: das Virus wäre bis heute nicht nachgewiesen worden, nur indirekt wäre man zu einer Bezeichnung gekommen.
Man kann also auch denken, dass eine Lobby so etwas in Umlauf bringt, damit wieder Steuergelder fließen.
Man darf auch nicht übertreiben und sollte auch immer an seinen gesunden Menschenverstand einsetzen.

MFG

28.04.2009
21:42
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von drFake | #12

Der aktuelle Influenza-Virus H1N1 (Mexikanische Grippe, in Schweinen wurde dieser Virus noch gar nicht nachgewiesen) besitzt eine große Ähnlichkeit zum Virus der seinerzeitigen Spanischen Grippe und entstammt aus der gleichen Ursprungsregion wie die Spanische Grippe von 1918-1920. Dort hat er möglicherweise 91 Jahre gelauert und in irgendwelchen Wirten überlebt und mutiert.

Eine Influenza-Pandemie war lange überfällig, sie könnte nun mit H1N, 41 Jahre nach der Tokio-Grippe (1968), erneut viele Menschenleben kosten und für enorme globale Wirtschaftsschäden sorgen.

Wahrlich keine guten Aussichten - bleiben die Abwehrmaßnahmen und die Hoffnung, dass eine Verbreitung gestoppt werden kann.

28.04.2009
21:24
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von esstandgeschrieben | #11

INZWISCHEN GELÖSCHTER BEITRAG AUS DEM JAHR 2005 (MDR):

Experten sagen eine weltweite Grippewelle voraus. Die Bundesländer wollten sich ausreichend mit Medikamenten versorgen, doch viele haben jetzt einen Rückzieher gemacht.

Auf welchem Weg das Killervirus zu uns kommen wird, ist noch unklar, dass es kommen wird, darin sind sich die Experten einig. Ein Krisenszenario auf das Deutschland nur unzureichend vorbereitet ist. Inzwischen gibt es zwar den von der Weltgesundheitsorganisation geforderten Nationalen Grippe-Pandemieplan, der regelt, was im Ernstfall zu tun ist. Und die Bundesländer haben auch so genannte antivirale Medikamente bestellt, um die Bevölkerung auch während der drei bis sechs Monate dauernden Übergangszeit bis ein Impfstoff gegen das Virus entwickelt ist, zu schützen. Doch das Problem von der ursprünglich geplanten und vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Menge, die für mindestens 20 Prozent der Bevölkerung reichen sollte, wurde von den Ländern nur knapp die Hälfte geordert:
O-Ton: Werner Schnappauf, CSU, Gesundheitsminister Bayern

In der Tat wird sich der Länderdurchschnitt nach Abschluss dieser zweiten Bestellrunde um die 10 Prozent bewegen. Bayern hat 15 Prozent, hat damit eine höhere Bevorratung als der Bundesdurchschnitt. Andere Staaten Europas haben 20 Prozent oder etwas über 20 Prozent, so dass in der Tat in Deutschland eine Bevorratung eher an der unteren Kante des für notwendig erachteten stattfindet.
O-Ton: Prof. Bernhard Ruf

Warum die Länder jetzt deutlich unter diesen Vorgaben sowohl der bundeseignen Pandemiekommission als auch der WHO-Empfehlung liegen, bleibt uns, bleibt den Experten völlig unklar. Unter 10 Prozent heißt, dass wir auswählen müssen, wen wir behandeln. Man muss auswählen, wen behandle ich vorsorglich und das muss die Politik der Bevölkerung erklären, wie sie dann eine Rangfolge aufstellt, wer behandelt wird und wer nicht.

Etwa 200 Millionen Euro sollte die von den Experten geforderte Abnahmemenge kosten. In Zeiten knapper Kassen sei das nicht drin, so die Argumentation vieler Bundesländer und einige wollten deshalb erst gar keinen Vorrat an antiviralen Medikamenten anlegen. Doch dann kam die angeblich rettende Idee: Ein Pool soll gebildet werden, aus dem sich jedes Land im Notfall bedienen kann. Das senke die Kosten und schütze trotzdem noch ausreichend die Bevölkerung:
O-Ton: Werner Schnappauf

Von der theoretisch verfügbaren Menge sind in der Tat nur etwa 50 Prozent abgenommen worden, wenn gleich man sagen muss, dass durch den Gedanken einer Poolbildung, also wenn sie so wollen einer Art Nachbarschaftshilfe der Länder in Deutschland, die Mengen entsprechend auch reduziert werden konnten, um eine Versorgung der Bevölkerung zum Zwecke der Therapie sicherzustellen.
O-Ton: Prof. Reinhard Kurth, Präsident Robert-Koch-Institut

Die Angst, ich will nicht sagen Panik wird ja schon beginnen, wenn in unseren Nachbarländern die ersten Fälle auftauchen und die Mensch-zu-Mensch-Übertragung einwandfrei gesichert ist. Und dann stell ich mir vor, wie so mancher Ministerpräsident der Bundesländer reagieren wird, wenn andere Bundesländer von seinen Vorräten etwas haben möchten, er aber das Virus selbst schon in der eigenen Bevölkerung, im eigenen Bundesland hat und solche Epidemien solche Ausbrüche vollziehen sich ja innerhalb von Tagen mit hoher Geschwindigkeit. Ich hab da große Probleme, was die Psychologie, die Politik in einer solchen Situation dann wirklich bewirkt. Ich glaube nicht, dass das funktioniert.

Auch wenn sie unter der ursprünglichen Vorgabe bleiben, haben Bayern und Nordrhein-Westfalen mit 15 Prozent Bevorratung für ihre Bevölkerung noch am besten vorgesorgt. Warum seine Länderkollegen vor allem im Norden meinen, dass sie mit etwa der Hälfte der Menge genau so sicher dastünden, kann der bayerische Gesundheitsminister nicht so recht nachvollziehen:
O-Ton: Werner Schnappauf

Ich will von Bayern aus nicht die Entscheidung anderer Länder kommentieren.

Die Entscheidung der acht Bundesländer, die den so genannten Nordpool bilden, ist nicht ganz unproblematisch: Deren Rechnung geht ungefähr so: Im Pandemiefall werden 15 Prozent der Menschen erkranken, davon wiederum sind ein Drittel Risikopatienten für die man dann die antiviralen Medikamente braucht, macht etwa 4,5 Prozent der Bevölkerung. Medizinisches Personal, Polizei und Feuerwehr werden gesondert versorgt.
O-Ton: Prof. Reinhard Kurth

Man kann alles statistisch schön rechnen, wenn es denn sein muss. Man kann allerdings nicht verhindern, dass manche Leute diese Rechnung dann nicht glauben, sondern auseinandermontieren. D.h. wenn jetzt Annahmen von einigen Bundesländern gemacht werden, die immer nur den günstigsten Fall annehmen, dann laufen diese ein Risiko sehr schnell ohne ausreichende medikamentöse Bevorratung dar zustehen. Ich darf daran erinnern, dass ein Influenzavirus sehr viel ansteckender ist als z.B. das SARS-Virus ist, dass uns vor zwei Jahren auch in Deutschland überrascht hat und dass die historische Erfahrung aus dem letzten Jahrhundert zeigt, dass eine Infektionsrate von nur 15 Prozent der Bevölkerung die große Ausnahme ist. Es kann so kommen, aber das ist ein Lotteriespiel.

Quasi Sicherheit nach Kassenlage. Vielleicht ist das der Grund, weshalb keiner der acht Gesundheitsminister aus dem Nordpool FAKT ein Interview geben wollte. Mangelnde Vorsorge kann Menschenleben kosten und auch noch richtig teuer werden. Denn was in der Pandemieplanung überhaupt nicht bedacht ist, sind Schutzmaßnahmen für existenziell wichtige Wirtschaftsbereiche.
O-Ton: Prof. Bernhard Ruf

Wenn das gesamte wirtschaftliche Leben zusammenbricht, Produktionsausfälle in dreistelligen Milliardenbeträgen. Es beginnen sich einige Firmen zu rühren, melden sich und versuchen selbst zu bevorraten, große Firmen, die daran interessiert sind, dass sie funktionsfähig bleiben, denn davon hängen wir auch ab. Was ist mit den Energieversorgern, Lebensmittelversorgung und der gleichen mehr. Ich denke, dieses Pandemieszenario ist so komplex, dass man es nicht in die Hand von 16 Landesgesundheitsminister legen kann.
O-Ton: Werner Schnappauf

Es zeigt aber die Diskrepanz, die jetzt auftritt in Deutschland, das eine Land hat für 5 Prozent bevorratet, das andere für 15 Prozent, dass das eben dann die Folgen dieser föderalen Entscheidungsstrukturen sind. Und man muss sich schon überlegen, ob man hier nicht in Zusammenhang mit der Föderalismuskommission auch künftig Änderungen vornimmt. Denn die Entscheidungsstrukturen sind jetzt nicht nur sehr herterogen, sondern auch der Entscheidungsprozeß war außerordentlich langwierig und komplex.

Und falls jetzt doch noch einige Bundesländer, vor allem aus dem Norden, auf die Idee kommen sollten, nachzuordern, kann es eng werden: Der Hersteller, der mit Abstand die größte Menge an antiviralen Medikamenten für Deutschland reserviert hat, wird das, was von den Ländern nicht abgenommen wurde, nur noch bis Ende des Monats vorhalten. Dann schließt sich das Zeitfenster, denn weltweit stehen noch viele Staaten in der Warteschlange, so dass Deutschland erst 2007 wieder ordern könnte. Wie gesagt deutschlandweit haben die Bundesländer für den Ernstfall für etwa 10 Prozent der Bevölkerung Vorräte angelegt, statt der geforderten 20 Prozent:
O-Ton: Prof. Bernhard Ruf

Na sagen wir es positiv: Es ist ein Anfang und wir hoffen, dass das Virus Verständnis für unsere Probleme hat und erst in fünf Jahren zuschlägt, dann können wir nach 2007 noch nachordern.

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2005, 23:27 Uhr

28.04.2009
20:22
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von nur so | #10

beruhigt wäre ich,wenn das wortspiel verstanden worden wäre

28.04.2009
20:06
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von renegade | #9

@ nur so
Die Viecher die wir essen, werden ganz bestimmt regelmäßig veterinärmedizinisch betreut und prophylaktisch gegen jede eventuelle Krankheit geimpft. Das haben sie sich auch verdient.
Die dürfen nicht krank werden, sonst werden sie gekeult und das kostet alles zusammen mehr als das Tier wert ist. Beruhigt?

28.04.2009
19:57
Schweinegrippe: Wie sich NRW für den Notfall rüstet
von renegade | #8

@ drmccoy
An deiner Kra(n)ke(n)kasse.

Oder an deiner Nase.
Wenn bereis ein EURO-Stecker ´reinpasst, isses
ZU SPÄT. Klaro? Gruß

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