Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Gesundheit

Schweinegrippe hat Deutschland erreicht

29.04.2009 | 10:52 Uhr
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht

München/Köln. Die Schweinegrippe hat Deutschland erreicht. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind inzwischen drei Erkrankungsfälle bestätigt. In NRW gibt es derzeit drei Verdachtsfälle. Bei einem möglichen Ausbruch sei das Land laut NRW-Gesundheitministerium gut mit Medikamenten eingedeckt.

In Deutschland sind bisher drei Menschen an der Schweinegrippe erkrankt. Bei einer 22 Jahre alten Frau in Hamburg, einer 37-jährigen Frau aus Kulmbach sowie einem Mann, der in Regensburg behandelt werde, hätten sich die Verdachtsfälle bestätigt, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch in Berlin mit. Bei den Betroffenen handle es sich um Mexiko-Rückkehrer. Daneben würden derzeit weitere Verdachtsfälle aus unterschiedlichen Bundesländern untersucht.

In Deutschland hat es nach Behördenangaben bislang sieben Verdachtsfälle auf Schweinegrippe gegeben. Betroffen davon sind Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg.

NRW gut mit Arzneien eingedeckt

Bei einem möglichen Ausbruch der Schweinegrippe ist Nordrhein-Westfalen gut mit Medikamenten zur Bekämpfung der Krankheit eingedeckt. Allein im Besitz des Landes seien Präparate für etwa 30 Prozent der Bevölkerung, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch dem WDR 5 Morgenecho. Laumann warnte vor Panikmache im Zusammenhang mit der Schweinegrippe. Die Krankheit sei «behandelbar».

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Hier wird eine junge Frau mit Grippe-Symptomen nach ihrer Rückkehr von einer Mexiko-Reise isoliert und medikamentös behandelt. (Foto: ap)

In NRW gibt es derzeit drei Verdachtsfälle von Schweinegrippe, bei denen es sich nach Behördenangaben um keine gravierenden Fälle handeln soll. So ist im Sauerland ein akut nicht erkrankter und bereits vor Wochen aus Mexiko zurückgekehrter Mann «aus formalen» Gründen gemeldet. Im Kreis Recklinghausen steht ein am Montag aus Cancún in Mexiko heimgekehrtes Paar unter Quarantäne, gilt aber nicht als schwer erkrankt. Bisher sind in Deutschland drei Fälle von Schweinegrippe bestätigt.

Der Mikrobiologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg sagte, er sei «nicht überrascht». In den kommenden Tagen würden vermutlich weitere Fälle hinzukommen. «Darauf müssen wir uns einstellen», sagte Kekulé. Es gebe wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer. Der Wissenschaftler äußerte sich «enttäuscht» über die schnelle Ausbreitung in Deutschland. Mit strengeren Flughafen-Kontrollen hätte dies herausgezögert werden können.

Experte: "Kein Anlass zur Beunruhigung"

Grundsätzlich sei die Ausdehnung jedoch kein Anlass zur Beunruhigung, betonte Kekulé. Das Virus H1N1 an sich sei «relativ harmlos» und breite sich weniger schnell aus als erwartet. Hätten die deutschen Patienten, die derzeit als Verdachtsfälle untersucht werden, nicht von der Schweinegrippe gehört und wären sie nicht gerade erst aus Mexiko heimgekehrt, wären sie möglicherweise gar nicht zum Arzt gegangen. Entwarnung könne trotzdem nicht gegeben werden, weil sich der Virus jederzeit verändern und aggressiver werden könne.

Schweinegrippe breitet sich weiter in aller Welt aus

Die Schweinegrippe greift weiter in aller Welt um sich. In Mexiko stieg die Zahl der wahrscheinlich an dem Virus gestorbenen Menschen auf 159, wie die Regierung am Dienstagabend (Ortszeit) in Mexiko-Stadt mitteilte. Weitere Krankheitsfälle wurden unter anderem aus den USA, Kanada und Costa Rica gemeldet, während für vier Verdachtsfälle in Deutschland die endgültigen Ergebnisse am Mittwoch noch ausstanden.

Der mexikanische Gesundheitsminister José Angel Córdova sagte bei einer Pressekonferenz, nach zuletzt 152 Fällen werde nun in 159 Fällen vermutet, dass die Schweinegrippe zum Tod geführt habe. Die Zahl der bestätigten Todesfälle durch Schweinegrippe setzte Córdova hingegen von bislang 20 auf sieben herab. Er verwies darauf, dass für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur in sieben Fällen die Kriterien erfüllt seien. Bislang hätten die Gesundheitsbehörden 2498 mögliche Infektionen mit Schweinegrippe gezählt, sagte Córdova. Von den Patienten seien 1311 noch im Krankenhaus.

Öffentliches Leben in Mexiko lahmgelegt

Zwei Touristen mit Atemschutzmasken auf dem Flughafen Frankfurt am Main. Sie waren aus Mexiko gekommen und hatten den Atemschutz getragen, um sich gegen den "Schweinegrippe"- Virus H1N1 zu schützen. (Foto: ddp)

Die Angst vor der Schweinegrippe legte das öffentliche Leben in Mexiko weitgehend lahm. Schulen und Universitäten blieben weiter geschlossen, in Mexiko-Stadt zudem alle Sportstätten, Kinos und Theater. Lokale durften nur Bestellungen für außer Haus annehmen. Die archäologischen Stätten im Land, darunter weltberühmte Bauwerke der Azteken und Maya, wurden bis auf weiteres geschlossen. Bei einer Parlamentssitzung trugen die Abgeordneten Atemmasken.

In den USA stieg die Zahl der bestätigten Erkrankungsfälle auf 66. Im Bundesstaat Kalifornien rief Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand aus, betonte aber, es bestehe kein Anlass zu Alarmismus. Im Bezirk Los Angeles überprüften die Behörden einen Todesfall, der möglicherweise in Zusammenhang mit der Schweinegrippe stehen könnte. In einem weiteren Todesfall wurde H1N1 als Ursache ausgeschlossen.

Verdachtsfall auch in Österreich

US-Präsident Barack Obama forderte den Kongress auf, rund anderthalb Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) zur Bekämpfung der Schweinegrippe zu bewilligen. Seine neue Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius beauftragte er nach ihrer Vereidigung am Dienstag damit, die Entwicklung der Schweinegrippe in den USA genau im Auge zu behalten.

Virologen arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Dazu infizieren sie Hühnereier mit dem Schweinegrippen-Virus H1N1 und inkubieren diese dann bei 37 Grad Celsius, um einen Impfstoff zu erforschen. (Foto: ddp)

Als erstes zentralamerikanisches Land bestätigte Costa Rica zwei Krankheitsfälle. In Kanada stieg die Zahl der bestätigten Schweinegrippe-Infektionen von acht auf 13. Zuvor waren bereits Fälle in Neuseeland, Israel sowie in den EU-Mitgliedstaaten Spanien und Großbritannien bestätigt worden.

In Österreich war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine 28-Jährige mit dem Schweingrippe-Virus H1N1 infiziert, wie der Leiter des Wiener Universitätsinstituts für Virologie, Franz X. Heinz, nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA im Rundfunksender ORF sagte. Aus etlichen anderen Ländern wurden weitere Verdachtsfälle gemeldet, darunter Frankreich, Belgien, die Schweiz und Chile.

Sicherheitsmaßnahmen weltweit erhöht

Weltweit wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Russland, Hongkong und Taiwan erklärten, Durchreisende mit Grippesymptomen würden sofort in Quarantäne eingewiesen. Als erstes Land stellte Kuba den Flugverkehr von und nach Mexiko für 48 Stunden ein. Argentinien erklärte, bis Sonntag würden alle eintreffenden Flüge aus Mexiko ausgesetzt. Außerdem sollten sich alle Personen, die in den vergangenen drei Wochen aus Mexiko, den USA und Kanada eingereist sind, mit dem Gesundheitsministerium in Verbindung setzen. Von Südkorea bis Kambodscha sollten Reisende aus Nordamerika mit Thermalscannern auf Fieber untersucht werden.

Der Influenza-Erreger des Typs H1N1. (Foto: ddp)

Die WHO berief für Mittwoch ein Treffen ein, bei dem Experten aus den betroffenen Ländern über die Schweinegrippe-Fälle informieren sollten. Außerdem sollte über Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus beraten werden.

Auch USA für Umbenennung der Schweinegrippe

Nach der EU wollen unterdessen auch die USA eine Umbenennung der Schweinegrippe. Die derzeitige Bezeichnung suggeriere, dass es ein Problem mit Schweinfleischprodukten gebe, sagte Agrarminister Tom Vilsack. Bei der Grippe handele es sich aber nicht um eine Lebensmittelinfektion, und das Virus habe nichts mit dem Konsum von Schweinefleisch zu tun. Die Bezeichnung Schweinegrippe könnte Züchtern wirtschaftlich schaden.

Zuvor hatte sich die Europäische Union dafür ausgesprochen, die Erkrankung in «Neue Grippe» umzutaufen. Das israelische Gesundheitsministerium kritisierte den Begriff bereits am Montag und bezeichnete ihn als Beleidigung für Juden und Muslime. In beiden Religionen gelten Schweine als unreine Tiere, ihr Verzehr ist verboten. (ddp/afp/ap)

Mehr zum Thema:

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
29.04.2009
12:18
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von supply | #12

#9 von hans

im Monat oder was......

29.04.2009
12:00
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von martinge | #11

#9

eine Zahl, in einer Größenordnung , die jedem geläufig ist, aber jeder verdrängt,
eigentlich also Allgemeiwissen.

aber auch bei :
Instituts für Virologie der Charité Berlin
und vergleichbaren ärztlichen und medizinischen datenerhebungen zu finden

29.04.2009
11:55
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von martinge | #10

jetzt sind plötzlich nur noch 7 der Toten an der Neuen Grippe erkrankt gewesen und nicht über 100.
1 davon hatte zusätzlich tbc, ein weiterer war stark fettleibig. (quelle internetseite der tagesschau)

Wahrscheinlich wird gerade ein Hype un einen Virus gemacht, der nicht schlimmer als die normale Grippeinfluenza ist und an der regelmäßig viele Leute sterben, aber niemals jemanden wirklich interessiert.

Wirklich eine sehr gute Ablenkung von der Wirtschaftskris, damit man mal vor etwas anderes Angst hat, als vor der Zukunft.

29.04.2009
11:54
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von hansi | #9

@supply
Wo haben sie das mit den 20000 Grippetoten her ?
Ein blick in die Statistik des Statistischen Bundesamtes genügt um diese Zahl als als falsch zu entlarven.
in den letzen Jahren sind nie mehr als 300 Menschen an der Grippe gestorben.

29.04.2009
11:23
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von supply | #8

Jährlich sterben in Deutschland ca 20000 Menschen an Grippe......aber in der Krise nimmt man gerne was ablenkt, von der Unfähigkeit unserer Volksvertreter und Manager........

29.04.2009
11:11
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von scorpionx | #7

hinweis aktuell:

JETZT -> markus söder live auf phoenix
pressekonferenz zur schweineinfluenza ...

29.04.2009
10:49
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von Ralf Lehmann | #6

Was wieder für Panik geschürt wird , an jeder normalen Influenza sterben jedes Jahr alleine in Deutschland zwischen 15 und 20 Tausend menschen, jetzt gibt es gerade mal drei bestätigte fälle in deutschland jede normale influenza ist schlimmer das sagte selbst ein bekannter viruloge

29.04.2009
09:48
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von gcfan | #5

Die EU und die Bundesregierung haben die Krankheit zudem in „Neue Grippe“ umgetauft, um Missverständnissen vorzubeugen

Ich hoffe daß der Verfasser(Admin) dieser News sich daran auch hält!

29.04.2009
09:48
Blockierter Kommentar.
von carolin.voss | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.04.2009
09:46
Schweinegrippe hat Deutschland erreicht
von santa1 | #3

ich verstehe garnichts mehr ist das virus jetzt gefährlích oder nicht?
mal wird gesagt das das virus gefährlich sei und mal wir das virus als behandelbar bezeichnet.wäre es sind besser wenn alle ein mund und nasenschutz tragen damit man sich garnicht erst ansteckt!oder wartet man bis mehrere sich anstecken???????????????????????????

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/647800/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
25.000 feierten in DO
Bildgalerie
Turka-Festival
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...