Gesundheit
Schweinegrippe - das sollten Sie wissen
22.11.2009 | 10:57 Uhr 2009-11-22T10:57:00+0100
Essen. Seit rund drei Wochen wird in Deutschland gegen die Schweinegrippe geimpft. Doch es gibt noch eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten. Das zeigte sich auch am Infotelefon der NRZ. Dr. Rainer Kundt und Dr. Sabine Krämer vom Essener Gesundheitsamt standen unseren Lesern Rede und Antwort.
Der Beratungsbedarf ist groß: Über 500 Menschen hatten unsere Nummern gewählt. Viele der Fragen haben wir hier für Sie zusammengestellt.
Was ist mit Nebenwirkungen der Impfung, haben Sie da Erfahrungen?
In der Regel läuft das ziemlich harmlos ab. Ich [Dr. Rainer Kundt, Anm. d. Red.] habe mich selbst impfen lassen und mir hat der Arm um die Einstichstelle drei Tage lang wehgetan. In der Zeit bin ich abends auch schnell müde gewesen und früh ins Bett gegangen. Ist das Immunsystem angeschlagen oder sind Sie chronisch krank, kann es sein, dass Ihr Körper etwas stärker reagiert, etwa mit Schüttelfrost. Schwere Nebenwirkungen haben wir aber nach drei Wochen Impfungen in ganz Essen nicht in einem einzigen Fall gehabt. Das ist kein Wunder, denn die Zusatzstoffe sind keine neuen Erfindungen, sondern Vitamine und Konservierungsstoffe.
Meine Kinder sind drei und fünf Jahre alt. Sollte sich sie impfen lassen?
Da sollten Sie sich ganz auf Ihren Kinderarzt verlassen. Der kennt Ihre Kinder und ihre eventuelle Krankheitsgeschichte am besten. Rät der Kinderarzt Ihnen zur Impfung, sollten Sie das machen. Unter drei Jahren sollte man nur in Ausnahmen impfen. Für diese Altersgruppe ist der Impfstoff noch nicht getestet.
Woran merke ich, dass ich Schweinegrippe habe?
Die Symptome für eine Grippe sind der plötzliche Beginn, Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen. Wir gehen davon aus, dass 99 Prozent der an echter Grippe Erkrankten derzeit die so genannte Schweinegrippe haben. Sie verdrängt die normale Grippewelle.
Haben wir den Zenit der Grippewelle schon erreicht?
In den USA, die uns bei der Ausbreitung ein wenig voraus sind, ebbt die Welle gerade ab. Bei uns werden die Erkankungen vermutlich um Weihnachten den Gipfel erreichen. Wir gehen bei Grippen generell von drei Wellen aus. Gut möglich, dass im Januar und Februar die dritte kommt.
Bekommen Privatpatienten einen anderen Impfstoff als Kassenpatienten?
Nein, da gibt es gar keinen Unterschied. Der Impfstoff wird aus einem Fond vom Staat bezahlt, Privat- wie Kassenpatienten bekommen denselben.
Kann man testen, ob ich wirklich den H1N1-Virus habe?
Weil fast jede Grippe nun die Schweinegrippe ist, ist ein Test eigentlich nicht mehr notwendig. Darum zahlt die Kasse den Nachweis nur für Risikopatienten, zum Beispiel Herzkranke oder Diabetiker. Bei denen muss man dann mit Medikamenten, beispielsweise Tamiflu, gegensteuern. Im Normalfall werden die Erkrankten auch ohne Medikamente nach zwei bis drei Tagen wieder gesund.
Es sollte genug Impfstoff für alle geben – aber nun hört man, dass er knapp wird.
Im Moment herrscht tatsächlich etwas Mangel, deswegen werden auch erst einmal die Risikogruppen geimpft. Wir haben genug Impfstoff für alle – allerdings verteilt bis März. Nächste Woche kommt die nächste Lieferung, dann sieht es wieder besser aus.
Ich bin vor einer Woche erkrankt. Jetzt meint mein Arzt, ich sollte weiter zu Hause bleiben, um niemanden anzustecken. Stimmt das?
Nach einem Tag ohne Fieber kann man getrost wieder zur Arbeit gehen, wenn man sich fit fühlt. Nur wenn man zum Beispiel im Krankenhaus oder bei einem Pflegedienst arbeitet, sollte man zur Sicherheit einen weiteren Tag ohne Fieber einhalten.
Kann ich eigentlich erst jemanden anstecken, wenn die Grippe bei mir schon ausgebrochen ist?
Ja. Einen Tag bevor sich die Symptome wie Fieber oder Kopfschmerzen bemerkbar machen, hat man die Viren schon in sich und kann sie unwissentlich übertragen.
Ein Schnelltest hat vor neun Tagen ergeben, dass ich eine Grippe habe. Ich fühle mich immer noch krank, bin morgen aber auf eine Familienfeier eingeladen.
Gehen Sie ruhig hin. Bei Erwachsenen ist die Schweinegrippe sieben Tage lang ansteckend. Danach haben Sie zwar eventuell weiter leichte Symptome, aber gründliches Händewaschen reicht, um andere nicht anzustecken.
Mein Sohn hat Asthma, hat aber auch eine Hühnereiweiß-Allergie. Soll ich ihn jetzt nicht in den Kindergarten schicken, damit er sich nicht ansteckt?
Kinder mit Asthma gehören zur Risikogruppe. Es wird noch etwas dauern, bis es Impfstoff ohne Hühnereiweiß gibt. Trotzdem wäre es übertrieben, das Kind nicht in den Kindergarten zu lassen. Erstens weiß man ja nicht, wie lange die Grippesaison geht, und zweitens kann er sich auch zu Hause anstecken. Sie als Eltern können sich aber impfen lassen und so das Risiko Ihres Sohnes senken.
Ich habe eine Schweinegrippe-Impfung bekommen. Jetzt sagt mein Arzt, ich bräuchte nach drei Wochen eine zweite Impfung. Ist das nötig?
Vertrauen Sie Ihrem Arzt. Die Hersteller der Impfmittel empfehlen bei Patienten über 60 die Wiederholung nach drei Wochen für den vollen Schutz. Eine Vorerkrankung kann die Immunabwehr herabsetzen. Da kann eine Wiederolung sinnvoll sein. Schaden kann das auf keinen Fall.
Im Fernsehen habe ich gesehen, dass Menschen nach der Impfung gestorben sind. Ist das Panikmache? Oder muss ich mir Sorgen machen?
In Schweden gab es Meldungen von vier Toten. Da waren aber schon weit mehr als 1,5 Millionen Menschen geimpft, davon viele mit schweren chronischen Vorerkrankungen. Bei der Obduktion hat man dann auch festgestellt, dass nicht der Impfstoff den Tod verursacht hat. Und dass schwere Grippeverläufe tödlich enden können, ist ja nicht erst seit der Schweinegrippe so. Was viele verdrängen: Jedes Jahr sterben in Deutschland an die 10 000 Menschen durch die normale Influenza. Darum ist die Impfung so wichtig.
Wenn ich die Schweinegrippe schon hatte, brauche ich dann keine Impfung mehr?
Experten gehen davon aus, dass die Antikörperbildung nach einer natürlichen Infektion so schwach ist, dass man sich trotzdem noch impfen lassen sollte. Im nächsten Jahr wird dann der Impfstoff für die normale, saisonale Grippe so ergänzt sein, dass er auch gegen das H1N1-Virus schützt.
Bin ich direkt nach der Impfung immun?
Es dauert etwa 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz komplett aufgebaut ist. Von der Impfung an wird man von Tag zu Tag resistenter.
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