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Schweigegeld für den BayernLB-Banker

09.11.2011 | 15:53 Uhr

München (dapd). Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ist ein schwerreicher Mann. Aber 2005 fürchtete er nach eigenen Worten, von einem BayernLB-Vorstand in Armut gestürzt zu werden. Wenn Gerhard Gribkowsky ihn beim englischen Fiskus angeschwärzt hätte, hätten zwei Milliarden Pfund im Feuer gestanden, und ihm "wäre nicht einmal eine Armbanduhr geblieben", erklärte Ecclestone am Mittwoch vor dem Landgericht München.

Also habe er Gribkowsky einen zweistelligen Millionenbetrag gezahlt: "Wir sind übereingekommen, dass ich die Zahlung leiste und dass wir später schon auseinanderklamüsern, wofür das gedacht ist." Schallendes Gelächter im Zuschauerraum war die Reaktion, und der Vorsitzende Richter Peter Noll äußerte starke Zweifel, dass das "im englischen Geschäftsleben so üblich" sei.

Die Staatsanwaltschaft wirft Gribkowsky vor, beim Verkauf der Formel-1-Beteiligung der Bayerischen Landesbank 44 Millionen Dollar Schmiergeld von Ecclestone kassiert zu haben. Der beschuldigte Ecclestone erhielt für seine Zeugenaussage freies Geleit zugesichert. In München begann er eine schwierige Gratwanderung: Wie dem Gericht die Zahlung plausibel erklären, ohne dass es ihm selbst anschließend wegen Bestechung an den Kragen geht?

Mehr als dreieinhalb Stunden hatte das Gericht den 81-jährigen Engländer, der schon am Vortag angereist war, warten lassen. Gribkowskys Verteidigung hatte einen Befangenheitsantrag gegen die Richter gestellt - darüber entschieden wird aber nun doch erst später. So setzte sich Ecclestone kurz nach 13.00 Uhr auf den Zeugenstuhl und wurde vom Vorsitzenden mit einem freundlichen "Grüß Gott in München" begrüßt. Als betagterer Herr könne er jederzeit eine Pause bekommen, und wie genau sei sein Name auszusprechen? Aber dann sprang Noll plötzlich direkt auf den wunden Punkt.

Ob Ecclestone Gribkowsky "eine erhebliche Summe" gezahlt habe, wollte der Richter wissen. "Yes", antwortete Ecclestone, noch bevor sein Anwalt die überfallartige Art der Befragung monieren konnte.

Er habe damals eine Bypass-Herzoperation gehabt, und bei seinem Tod hätten seiner noch nicht lange genug in England lebenden Frau immense Erbschaftssteuern gedroht. Deshalb habe sie die Bambino-Familienstiftung bekommen - alles völlig korrekt, wie Ecclestone betonte. Gribkowsky habe die Konstruktion aber für fragwürdig gehalten. "Er hat nie konkret gedroht" - aber wenn er ihn beim Fiskus anzeigt hätte, hätte er in einem teuren Prozess "den größten Teil meines Lebens vor Gericht verbracht", sagte Ecclestone.

Gribkowsky habe auch kein Schweigegeld gefordert. Er habe ihm nur vorgeschlagen, in ein gemeinsames Geschäft zu investieren: "100 Millionen wären nett, um ein Geschäft in Gang zu bringen." Der Banker habe damals mit ihm als Partner eine Vermögensverwaltung gründen und ein Formel-1-Team managen wollen.

Ecclestone sagt, er habe abgelehnt, aber plötzlich "Sorge gehabt, dass er sich rächen könnte: Mit Informationen beim britischen Fiskus, die mich teuer zu stehen gekommen wären", sagte Ecclestone. "Das Risiko konnte ich nicht eingehen." Deshalb habe er eine Art Schweigegeld bezahlt: "Mir war klar, dass er Geld brauchte, um eine eigene Firma zu gründen. Mit ging es darum, ihn ruhig, friedlich, freundlich zu halten, damit der nicht auf dumme Gedanken käme", sagte der große Zampano des weltweiten Rennzirkusses.

Dann wurde der Prozess erst einmal unterbrochen. Aber nicht auf Wunsch des 81-Jährigen. Die Verteidiger Gribkowskys wollten eine Pause, weil sie mal was essen wollten. Gribkowsky selbst hatte schon während der Verhandlung eine Semmel verspeist.

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