Schwarz-Gelb darf auf Überhangmandate hoffen
27.06.2009 | 17:13 Uhr 2009-06-27T17:13:00+0200Hamburg. Vor der Bundestagswahl dürfen CDU und CSU offenbar auf viele Überhangmandate hoffen. Wie Politikwissenschaftler festgestellt haben, wächst so die Wahrscheinlichkeit einer schwarz-gelben Mehrheit beträchtlich. Das Bundesverfassungsgericht rügt die Regelung als Verstoß gegen das Grundgesetz.
CDU und CSU können bei der Bundestagswahl am 27. September möglicherweise mit einer sehr hohen Zahl an Überhangmandaten rechnen. Nach einer Simulation von Politikwissenschaftlern der Universität Friedrichshafen wächst dadurch die Wahrscheinlichkeit einer schwarz-gelben Mehrheit beträchtlich. Überhangmandate fallen an, wenn eine Partei in einzelnen Bundesländern mit der Erststimme mehr Direktmandate erobert, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis insgesamt Sitze zustehen.
Das Bundesverfassungsgericht hat die entsprechenden gesetzlichen Regelungen bereits im vergangenen Jahr als Verstoß gegen das Grundgesetz gerügt. Allerdings ließen die Karlsruher Richter Bundestag und Bundesrat eine weit über die Wahl im September hinaus gehende Frist zur Neuregelung bis zum Jahr 2011. Forderungen von SPD, Grünen und Linken, das Gesetz dennoch vor der Wahl zu ändern, scheiterten bislang am Widerstand von CDU/CSU und FDP.
Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete am Samstag vorab über Schätzungen mit Computersimulationen des Friedrichshafener Politik-Professor Joachim Behnke. Danach dürfte die Union bei der Bundestagswahl wegen der Überhangmandate weit mehr Sitze erhalten, als ihr nach dem Prozentergebnis der Zweitstimmen zustünden.
Den Berechnungen zufolge könnten am 27. September so viele Zusatzsitze anfallen wie noch nie. Dabei würde die SPD, selbst wenn sie zwei Prozentpunkte besser abschneidet als in den aktuellen Umfragen, im Schnitt nur zwei bis drei Überhangmandate erhalten, die CDU dagegen 21, und selbst die CSU käme erstmals in ihrer Geschichte auf drei zusätzliche Sitze.
Historisch einmalige Situation
Die Wahrscheinlichkeit, dass es für Schwarz-Gelb zur Regierungsbildung reicht, liegt laut Behnke ohne Berücksichtigung von Überhangmandaten bei derzeit 66 Prozent, mit bei knapp 90 Prozent. Grund dafür sei eine «historisch einmalige Situation»: Die Union erreicht aktuell in Umfragen nur 36 Prozent, und ist damit so weit unter der 50-Prozent-Marke wie erst einmal zuvor eine stärkste Partei bei einer Wahl. Dennoch hat sie einen zweistelligen Vorsprung vor der SPD als der zweitstärksten Partei. Genau diese Konstellation begünstige die Bildung von Überhangmandaten dramatisch zugunsten der stärksten Partei.
Nach dem «Spiegel»-Bericht halten es deshalb auch der Heidelberger Wahlexperte Dieter Nohlen und der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, nach jetzigem Stand für sehr wahrscheinlich, dass die Union einseitig von den Überhangmandaten profitiert. Der Bundestag soll am Freitag über einen Gesetzentwurf der Grünen zur Reform des Bundeswahlrechts abstimmen. Dieser zielt darauf ab, Überhangmandate künftig weitgehend zu verhindern, indem die verschiedenen Landesergebnisse einer Partei miteinander verrechnet werden. Sie könnten damit eigentlich nur noch bei der CSU anfallen, da diese ausschließlich in Bayern antritt.
Nach Behnkes Simulationen mindert ein so reformiertes Wahlrecht die Wahrscheinlichkeit für eine Schwarz-Gelb-Mehrheit auf rund 70 Prozent. Die Forderungen nach einer sofortigen Wahlrechtsänderung mit Blick auf das Karlsruher Urteil begründen auch SPD und Linke damit, dass Überhangmandate in besonderen Konstellationen den Wählerwillen ins Gegenteil verkehren könnten.
Bei der letzten Bundestagswahl waren 16 Überhangmandate angefallen, davon neun für die SPD und sieben für die CDU. Der Bundestag wuchs deshalb von 598 auf 614 Abgeordnete. (ap)
08:33
wieso nennt ihr angie eine lügnerin??
Sie sagt doch fasst nichts,tut noch weniger!!
17:51
Im Grunde ändert das nicht viel. Für den 27. September gibt es zwei realistische Konstellationen. A) CDU/CSU und FDP haben eine knappe Mehrheit. B) Sie haben diese Mehrheit knapp verfehlt. Im ersten Fall werden nach einigen Wochen Merkel und Westerwelle erklären müssen, warum ab dem 1.1.2011 die Mehrwertsteuer erhöht wird, eine PKW-Maut eingeführt wird, dass aber die Steuersenkungen erst zum 1.1.2013 möglich sind. Im zweiten Fall kann Merkel erklären, die SPD sei leider gegen Steuersenkungen, man müsse aber die Mehrwertsteuer erhöhen und eine PKW Maut einführen. Die Hessenwahl ist das Vorbild. Frau Ypsilanti hat ihr Versprechen nicht eingehalten und sie wurde entsprechend als Lügnerin angegriffen. Ab Oktober ist Merkel an der Reihe.sag
17:06
Auf die Kommentare mag ich nicht näher eingehen,aber eins steht fest:Unsere Polithansel suchen und finden sich auch.
17:02
Tut mir leid...wer ernsthaft denkt schwarz/gelb könne das Land voranbringen, dem ist einfach nicht mehr zu helfen.
Beispiele, die jedem einleuchten sollten:
Die aktuelle Krise hat ihren Haupturspung in den völlig unkontrollierten, freien Finanzmärkten.
UNION und FDP sind klare Befürworter der freien Finanzmärkte.
Sie behaupten zwar im Augenblick gerne das Gegenteil, weil das ja der Grund für die Krise ist, die nun wirklich NIEMAND gut findet,
ABER
nimmt man alleine den Lissaboner Vertrag dem UNION und FDP (sowie SPD und GRÜNE) zugestimmt haben, so steht darin, dass
Einschränkungen des Kapitalverkehrs VERBOTEN sind!
und dass sich die Mitgliedsstaaten zur Aufrüstung verpflichten. Hallo?
Dazu noch die geplante MWST Erhöhung (wieso dementiert man einen Bericht der BILD sonst sooooo heftig???).
BITTE, BITTE, liebe Mitbürger: Wenn ihr wirklich wollt, dass es wieder voran geht, dann ist schwarz/gelb auf jeden Fall zu verhindern!
Ich appelieren an jedermanns gesunden Menschenverstand das doch bitte zu begreifen!!!
16:52
Ja ja, so kennen wir die Schwarz-Gelben
Wahlmanipulation so weit wie nur möglich!
Aber wenn der Wähler das gut findet, dann bitte!
16:41
Eine wirklich positive Nachricht. Nur Schwarz Gelb kann dieses Land wieder voran bringen
16:37
Dann gute Nacht Deutschland...
16:24
Die Ächtung der Linken führt zu genau dieser Situation, aber es scheint so, als ob die SPD stol untergehen möchte. Fragt sich nur: Stolz auf was???
16:18
Ich kann mich nicht erinnern, dass sich Rot und Grün in der Vergangenheit über Überhangmandate der SPD beklagt hätten, beispielsweise bei der Wiederwahl von Schröder. Außerdem ist es nicht das Problem der Union, wenn sich das linke Lager so aufdöselt, dass ein zweistelliger Abstand zu den Sozis entstehen kann.
16:11
Bundestagswahl
Schwarz-Gelb darf auf Überhangmandate hoffen
Hm; da ist doch was faul im Staate Deutschland.
Durch die Hintertür kommen Leute, die das Volk nicht gewählt hat.
Das kann doch nicht im Sinne des Wahlgesetzes sein!
Was sagt denn das BVerfG dazu?
Wer das Volk vertreten soll, das bestimmt immer noch der Souverän.
Zumindest sollte es so sein. Scheint aber offenbar nicht so zu sein.
Hm, deshalb klappt so Einiges nicht mehr in unserer Republik!
Eulerich *ganzböseguck*