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Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015

05.09.2009 | 20:49 Uhr
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015

Berlin. Ex-Kanzler Gerhard Schröder fordert den Abzug der Bundeswehr bis 2015 aus Afghanistan - das sei seine private Meinung. Der NATO-Angriff heizt auch die innerdeutsche Debatte um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr weiter an. Hilfe soll offenbar von US-Spezialeinheiten kommen.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich dafür ausgesprochen, den Bundeswehreinsatz in Afghanistan in fünf Jahren zu beenden. Nach Berichten der «Welt am Sonntag» und des Bielefelder «Westfalen-Blatts» sagte Schröder am Samstag bei einer Rede im ostwestfälischen Lübbecke auf dem Volksfest «Blasheimer Markt», im Jahr 2015 müsse «Ende» sein mit dem internationalen Engagement. «Wir brauchen ein Datum», sagte Schröder. «Wir können da nicht auf ewige Zeit bleiben.»

Man solle dem afghanischen Präsidenten sagen: «Du musst das in den nächsten fünf Jahren schaffen. Ihr könnt euch nicht immer auf andere verlassen. Ihr müsst euch auf euch selbst verlassen.» Das sei «eine vernünftige Politik», sagte der frühere Kanzler. Schröder erklärte der «Welt am Sonntag» zur Differenz seiner Position von der Haltung der SPD und deren Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier: «Das ist meine private Meinung.»

Gert Weisskirchen, der außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sprach sich gegen Schröders Vorstoß aus. «Eine Festlegung auf bestimmte Daten, die einen selbst unter Zwang setzen und insbesondere den Taliban eine Chance geben, ist nicht besonders klug», sagte Weisskirchen der «Welt am Sonntag». SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier habe bereits einen sehr vernünftigen Vorschlag gemacht. Er wolle mit der afghanischen Regierung von Karsai darüber reden, wie nach dem Auslaufen der von 51 Staaten beschlossenen Vereinbarung «afghan compact» Ende 2010 die Zukunft des Landes aussehen und welche Rolle die Bundeswehr dabei spielen soll.

Steinmeier fordert Aufklärung des NATO-Luftangriffs

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier fordert eine gründliche Aufklärung des Vorfalls in Nordafghanistan. (Foto: ap)

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat eine gründliche Aufklärung des NATO-Luftangriffs nahe Kundus gefordert und vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Die FDP verlangte am Samstag ein Zukunftskonzept für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Linke und Grüne nannten die Tötung von Zivilisten unentschuldbar.

Die Bundeswehr hatte laut Verteidigungsministerium die NATO-Luftunterstützung nach einem Taliban-Überfall auf zwei ihrer Tanklastzüge angefordert, um einem Selbstmordanschlag auf die deutschen Truppen vorzubeugen. Der Bundeswehr zufolge wurden ausschließlich 57 Aufständische getötet. Der Gouverneur der betroffenen Region, Mohammed Omar, gab die Zahl der Opfer dagegen mit mindestens 72 an.

Steinmeier sprach in «Bild am Sonntag» von einem gravierenden Vorfall. «Deshalb müssen wir gemeinsam mit unseren Verbündeten dafür sorgen, dass die Vorgänge von Donnerstagnacht schnellstmöglich und genauestens aufgeklärt werden.» Gegen verbrecherische Terroristen müsse entschieden vorgegangen werden. «Gleichzeitig müssen wir aber alles tun, um unschuldige zivile Opfer zu vermeiden», sagte der SPD-Politiker.

Keine Beruhigungspillen verteilen

Der FDP-Verteidigungsexperte Jürgen Koppelin forderte im NDR, offen darüber zu sprechen, was deutsche Soldaten in Afghanistan machen. «Und da ist es nicht gut, wenn sowohl Bundesverteidigungsminister Jung als auch Außenminister Steinmeier ständig Beruhigungspillen verteilen und sagen: Das ist ja alles gar nicht so schlimm, eigentlich unterstützen wir nur noch die Entwicklungshilfe in Afghanistan, und dazu braucht man Soldaten.»

Linksfraktionschef Gregor Gysi erklärte: «Die Tötung von Zivilisten bei einem von der Bundeswehr angeforderten NATO-Luftangriff auf zwei von den Taliban entführte Tankwagen ist durch nichts gerechtfertigt und unentschuldbar.» Jedes zivile Opfer der Kriegführung der NATO in Afghanistan führe zu Hass, einem weiteren Erstarken der Taliban und erhöhe die Terrorismusgefahr. Der Fraktionsvorsitzende forderte Kanzlerin Angela Merkel und Steinmeier auf, sofort für umfassende Aufklärung zu sorgen und die Ergebnisse dem Parlament vorzulegen.

Für die Grünen erklärten deren stellvertretender Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin, nach bislang vorliegenden Informationen sei es bei der Bombardierung zu zivilen Opfern gekommen. Mit der Anordnung der Bombardierung sei ausgerechnet von der Merkel-Regierung der eingeleitete Strategiewechsel der USA zum Schutz der Zivilbevölkerung konterkariert worden.

«Kanzlerin Merkel muss ihren überforderten Verteidigungsminister an die Kette legen und selbst die politische Verantwortung übernehmen», verlangte Trittin. «Sie muss sich öffentlich bei den Menschen in Afghanistan und bei den Bündnispartnern entschuldigen.»

Hilfe von Spezialeinheiten der US-Truppen

US-Spezialeinheiten sollen in Nordafghanistan helfen, die immer schwierigere Sicherheitslage wieder zu entschärfen. Geplant ist dafür die Stationierung einer bis zu 300 Mann starken Einheit im Bundeswehrcamp Marmal in Mazar-i-Sharif. Das Verteidigungsministerium bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Die Anfrage der USA werde «gegenwärtig geprüft», sagte ein Ministeriumssprecher auf ddp-Anfrage.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins ist vorgesehen, Teile der auf Terrorismusbekämpfung spezialisierten «Task Force 373» auch in Nordafghanistan einzusetzen. Sie machen im Rahmen der Anti-Terror-Operation «Enduring Freedom» gezielt Jagd auf Taliban und Terroristen und können dafür auch grenzüberschreitend vorgehen.

Die Anfrage der USA war schon Anfang August in Berlin eingegangen. Nach ddp-Informationen blieb sie aber im Einsatzführungsstab hängen und wurde erst auf Nachfrage der USA bearbeitet. Staatssekretär Peter Wichert soll von den Militärs nicht über den Vorgang informiert worden sein. (ap/afp/ddp)

DerWesten

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Kommentare
22.09.2009
02:29
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von franzjos | #26

Durch die Kriegsparteen lässt sich in dem Land vorerst, vielleicht auch nie mehr, eine Einigung erzielen, dafür hat sich schon zu viel Hass aufgestaut.
Vielleicht können die Religionsvertreter dort etwas bewirken. Der Papst trifft sich ja eh schon mit anderen Religionsvertretern.

07.09.2009
11:49
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von York | #25

Ausgerechnet der Mann, der als erster Kanzler die BRD in einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg geführt hat (Jugoslawien 1999/2000) und mitverantwortlich ist für hunderte toter Babies, Kinder, Jugendlicher, Heranwachsender und Frauen und daher eigentlich vor das Internatonale Kriegsverbrechertribunal gehört, wagt es, sich zu Wort zu melden? Ein Mensch, der keinerlei Moral besaß und besitzt, sollte sich mehr zurückhalten.

06.09.2009
22:49
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von Abgebrühte Berlinlustconibrut | #24

2015 gibt es gar kein AFGHANISTAN mehr, dann nennt es sich schon lange TALIBANIA .Deshalb, so schnell wie möglich `raus, aus dieser Hölle .

06.09.2009
19:33
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von immer kompromisse schlie0en | #23

Die SPD kann ja noch eine Verlängerungsoption anfügen, damit die CDU auch zustimmt. Vielleicht so bis 2075.

06.09.2009
12:30
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von voltago | #22

Hier kommt viel Blödsinn, und auch Irrglaube zusammen, wenn man sich mal das Gechriebene in Ruhe durchliest.
Erst einmal, - Schröder hat nicht Bush widerstanden, und er ist auch nicht der Friedenskanzler, wenn er sich auch so damals, wie auch teilweise heute noch, so erfolgreich verkauft hat.
Er hat sämtliche Wünsche seitens der Amerikaner damals erfüllt, - ein aktiver Kampfeinsatz seitens der Bundeswehr war ohnehin nicht vorgesehen. Was aber Logistik, Informationsbeschaffung und Bereitstellung, sowie auch die sekundäre Verstärkung der Truppen, und somit Entlastung der Amerikaner betraf, erfüllte Deutschland, federführend durch Schröder und Fischer alles, was die Amerikaner einforderten.
Das die Bundeswehr in Afghanistan stationiert ist, - da hatte Schröder eine eindeutige Haltung zu. Dies geschah nicht als Bündnisfall, sondern aus der reinen Solidarität. Für Schröder war klar, daß Deutschland den Amerikanern was schuldig war.
Und er sagte auch damals, daß Solidarität sich nicht am Erfolg mißt, sondern ausschließlich durch den Gestus, die Symbolik, die in dieser Aktion damals lag.
Erst im Verlauf wurde dieses mit den verschiedensten Absichten aufgefüllt,- Terrorbekämpfung, Wiederaufbau, und Staatsgründung, bzw Stabilisierung.
Nach Schröders Logik hätte der Abzug schon viel früher stattfinden können, - um so verwunderlicher ist es, daß er jetzt einen so weiten Zeitrahmen setz.
Gruß

06.09.2009
11:37
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von Elektrosteiger | #21

Warum erst 2015 und warum nicht schon jetzt???
Oder sucht GASGERD in Afghanistan etwa nach Gas???

06.09.2009
10:25
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von elephant | #20

Dieser Verräter, der in der Politik nur seinen eigenen Vorteil sah, soll uns nun doch bitte mit seiner Meinung in Ruhe lassen.Die kann er ja seinen Freunden den Russen mitteilen

06.09.2009
09:55
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von sich-Fragender | #19

US-Spezialeinheiten sollen in Nordafghanistan helfen, die immer schwierigere Sicherheitslage wieder zu entschärfen. Geplant ist dafür die Stationierung einer bis zu 300 Mann starken Einheit im Bundeswehrcamp

OhjeOje was kommt denn noch?

06.09.2009
09:24
Schröder fordert Beendigung des Afghanistan-Einsatzes bis 2015
von B. Schmitz | #18

Schön das die deutschen Politiker und ehemlaigen Politiker immer nur fordern. Uns Steuerzahler fragt auch keiner was wir fordern! Dr Bundeswehreinsatz in Afghanistan muss sofort beendet sein und nicht erst in fünf Jahren.

06.09.2009
08:15
Blockierter Kommentar.
von rene.bogdanski | #17

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