Schönrednern keine Chance - von Manfred Lachniet
13.08.2010 | 13:14 Uhr 2010-08-13T13:14:00+0200Die Duisburger Stadtspitze engagiert einen ehemaligen Magazin-Journalisten als PR-Berater. Um die schlimmste Tragödie der Duisburger Nachkriegsgeschichte in ein milderes Licht zu rücken, scheint offenbar jede Ausgabe recht zu sein
Fast drei Wochen ist es her, dass auf dem Loveparade-Gelände in Duisburg 21 junge Menschen qualvoll starben. Auf die Berichterstattung darüber gab es unzählige Leserbriefe und E-Mails, eine davon ist bemerkenswert. Sie lautet: „Auch ich trage ein Stück Schuld, denn ich habe als Teilnehmerin der Loveparade im Tunnel gedrängt und geschubst.“ Diese Äußerung ist so besonders, weil sich hier jemand als Teil eines Chaos’ begreift. Als jemand, der nicht abwiegelt und sich windet, sondern ehrlich ein Stück Mitverantwortung zugibt.
Furchtbar ist nur, dass diese Äußerung einzigartig ist. Von den Verantwortlichen der Loveparade ist Nachdenken und das Eingestehen von Schuld und Verantwortung bislang nicht zu vernehmen. Auch 20 Tage nach dem Desaster wird die Ursache für den Tod so vieler junger Menschen eilfertig auf den jeweils anderen geschoben.
Ein jeder behauptet von sich, dass in seinem Bereich alles funktioniert habe. Doch: Wenn jeder alles richtig gemacht hat - warum sind dann 13 junge Frauen und acht junge Männer tot?
Das Loveparade-Drama lähmt die Menschen in Duisburg; bei den 7000 Stadtverwaltungs-Mitarbeitern ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Vor allem, weil die Führung im Rathaus sie allein lässt und hilflos bis erbärmlich agiert.
Statt selbst offene und ehrliche Worte zu finden, engagiert die Stadtspitze nun einen ehemaligen Magazin-Journalisten als PR-Berater. Er soll offensichtlich schönschreiben, was nicht gutzumachen ist. Der horrende Tagessatz des Medienmannes - von 2000 Euro am Tag ist die Rede - scheint die Verantwortlichen im Rathaus nicht sonderlich zu stören. Um die schlimmste Tragödie der Duisburger Nachkriegsgeschichte in ein milderes Licht zu rücken, scheint offenbar jede Ausgabe recht zu sein. Warum gibt es hier keinen Protest aus der NRW-Bezirksregierung, die sonst jede Ausgabe der klammen Stadt abzeichnen muss? Zumal dem Rathaus ein eigenes Presseamt und zahlreiche Berater zur Verfügung stehen.
Die Stadtverwaltung ist praktisch führungslos, traut teils den eigenen Leuten nicht mehr. Eine auswärtige Kanzlei beantwortet nun Presseanfragen. Oberbürgermeister Sauerland wagt sich nicht mehr zu öffentlichen Terminen. Er, der sonst hemdsärmlig durch Duisburg wirbelte, kann seiner gebeutelten Stadt nur noch einen guten und letzten Dienst erweisen, wenn er sein Amt abgibt.
Doch auch andere stehen vor Konsequenzen. Der Loveparade-Veranstalter, der Sicherheitsvorschriften als lästig empfand. Die Kulturhauptstadt-Leitung sowie Politiker in Stadt und Land, die mit der Loveparade glänzen wollten und Druck ausübten; schließlich auch die Polizeiführung. Sie alle mixten ein Gebräu aus Übereifer, vorauseilendem Gehorsam, Ignoranz, Gier, Laxheit und Inkompetenz – das schließlich in die Katastrophe führte.
Zu bewerten hat all das nun die Staatsanwaltschaft. Allerdings ziehen noch Monate ins Land, bis Ergebnisse vorliegen - und vielleicht auch die Klärung der Schuldfrage möglich ist. Dass bis dahin der angeheuerte Pressesprecher einlullen und beschönigen darf, ist unerträglich und nicht hinzunehmen.
Denn was die Ermittlungen auch ergeben werden: Die 21 jungen Menschen werden davon nicht wieder lebendig.
12:24
@ D.Prenzing,
Der Todestunnel ist Realität. Auch die trauernden Menschen im Tunnel sind Realität.
?Vielleicht war aber auch nur zurück zu Normalität gemeint.
Aber zu einer neuen Normalität kann es erst dann kommen, wenn der noch CDU-OB-Sauerland endlich die politische Verantwortung übernimmt. Dies empfiehlt im übrigen auch der CDU-Bundespräsident Wulff, der CDU-Bundestagspräsident Lammert, und die CDU-Bundeskanzlerin Merkel(?).
Erst wenn Sauerland, Rabe und von Schmeling ihre Posten geräumt haben, dann kann es zu einer neuen Normalität kommen. Diese Herren sollten endlich in der Realität ankommen und gehen, und zwar schnell.
10:05
Also langsam sollte man zur Realität zurückkommen! Der Tunnel ist weiterhin gesperrt, die Anwohner müssen zum Einkaufen grosse Umwege fahren. Ob auch die Autobahn so lange gesperrt wäre wenn dort Menschen ums Leben kommen? Trauer hin, Trauer her, aber die Lebenden haben auch ihre Bedürnisse und sollten nicht darunter leiden! Oder würden die Trauernden, falls jemand im Krankenhaus verstirbt, dort den Betrieb stilllegen wollen?
22:54
Wer ist denn dieser von PR-Ethik wahrscheinlich unbeleckte PR-Schönredner? Warum nennt niemand Ross und Reiter?
Angeheuert von eine Anwaltskanzlei, die halt nur Aufträge im Sinne des Auftraggebers erfüllt: geschönte Rechtfertigungsgutachten u.a.m. Nicht um die Sache, ums üppige Honorar geht es...
21:24
Warum muss ich bei dieser PR-Masche immer sofort an eine Butterfahrt denken?
Dann ist es mir klar geworden. Bei Butterfahrten werden ebenfalls minderwertige Produkte zu überhöhten Preisen angeboten. Dafür braucht man eben Marketingexperten, die reden können und den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Dabei werden, da wird es in Duisburg keine Ausnahmen geben, nicht nur unbedarfte Menschen über den Tisch gezogen, sondern auch solche, die es besser wissen müssten.
Wie der Kommentar von Herrn Lachniet es so schön wiedergibt, die Oberhäupter der Stadtverwaltung glauben an den erbärmlichen Trick mit dem Schönreden. Ihr miserables Produkt Planung soll schöngeredet werden, das noch miserablere Verhalten nach der Katastrophe wird klein geredet.
Eigentlich muss man die Führungsriege in Duisburg bewundern. Sie lassen nichts unversucht, ihre Haut zu retten, das Adjektiv erb***lich erspare ich mir hier. Aber auf den Trick mit der Anwaltskanzlei, die in Windeseile über 30 Ordner akribisch durchwühlen und in noch größerer Windeseile einen noch akribischeren Bericht verfassen, muss man erst noch kommen. Nothaushalt hin oder her, für sich selbst haben die armen Politiker immer Geld über. Da werden dann demnächst noch weniger Überstunden ausgezahlt, denn das ist mir klar, mit ein oder 2 oder vielleicht 4,5 Tagen kommt der neue PR-Berater nicht aus.
Irgendwie bekommen die Mafiamorde in Duisburg langsam eine besondere Note. Ich möchte hier nicht einen falschen Anschein erwecken und die Oberen der Stadtverwaltung mit der Mafia vergleichen. Da könnte ich eventuell einen Beleidigungsprozess an den Hals bekommen.
Übrigens das gleiche schwachsinnige Verfahren mit einem Schönredner hat unsere über alles beliebte Angie mit ihrem neuen Regierungssprecher doch vorgemacht. Was soll der Seibert denn als gut und gelungen verkaufen?
15:53
Unglaublich, was sich diese verantwortungslose Stadtverwaltung um den erbärmlichen Sauerdrops und seinen Spießgesellen leistet. Jeder vernünftige Bürger erkennt einmal mehr, daß diese Bande selbst mit billigsten (=natürlich zu teuren) Tricks versucht, abzulenken und sich rein zu waschen.
15:27
Nun ja, der neue PR-Berater könnte es ja als Erfolg verkaufen, daß nur 21 Menschen verstorben sind und die CDU-Duisburg sowie die Stadtspitze ursprünglich 1,4 Mio Menschen durch den Todestunnel jagen wollten.
Ansonsten siehe zur Trickserei mal den Artikel
Ein tödlicher Hauch von Bananenrepublik?
http://www.xtranews.de/2010/08/07/mbi-ein-toedlicher-hauch-von-bananenrepublik/
15:26
Es kann doch wohl nicht sein dass Duisburg von einer Kanzlei mitregiert wird.Diese Kanzlei wurde von Sauerland engagiert-ohne Not- da ja gegen ihn (noch) kein Strafverfahren vorliegt.Persönlich kann er sich ja ne ganze Armada von Kanzleien nehmen-seine Sache, aber warum soll der Steuerzahler dafür aufkommen?Für mich ist dieser Griff in die Stadtkasse Diebstahl.Wie lange wollen die Leute im Stadtrat diesem schäbigen Treiben noch zusehen?Zumindest sollte doch in diesem Fall eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidenten gestellt werden.Wobei ich mich Frage ob ich als Steuerzahler nicht privat Anzeige stellen sollte -macht ja sonst keiner, scheinbar.
14:09
Der PR-Berater wurde ja nicht direkt von der Stadtspitze engagiert sondern über die Kanzlei Heuking & Co. Ich bezeichne das zumindest als trickreich um den Berater nicht direkt bezahlen zu müssen. Wenn diese Kanzlei solche Tricks mitmacht, möchte ich nicht die Veträge sehen, die diese Kanzlei für viele Projekte in Duisburg betreute.