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Schlechtes Deutsch daheim bringt wenig – von Sibylle Raudies

01.02.2012 | 17:26 Uhr

Türkische Eltern sprechen mit ihren kleinen Kindern zuhause in der Regel türkisch – ja, was denn sonst?! Noch sind die meisten Türkischstämmigen bei uns keine deutschen Muttersprachler, sie beherrschen Türkisch in der Regel besser als Deutsch. Wissenschaftler sind sich einig, dass zweisprachiges Aufwachsen ein Gewinn für ein Kind ist. Eindeutig ist auch, dass Kinder die zweite und dritte Sprache besser lernen, die ihre Muttersprache gut beherrschen.

Ja, viele türkische Eltern sind grammatikalisch auch in Türkisch nicht perfekt. Sprechen einen Dialekt, der von der türkischen Schriftsprache weit entfernt ist. Doch das gilt leider auch für manche deutschstämmige Ruhrgebietsfamilie. Die Sprachkompetenz ihrer Sprößlinge ist häufig entsprechend. Es sei denn, sie besuchen eine gute Kita, in der gut ausgebildete Erzieherinnen mit ihnen korrektes Deutsch sprechen.

Denn bei Eltern, die ihre Muttersprache nicht korrekt beherrschen, helfen Kita-Kindern gleich welcher Herkunft nur zwei Dinge: Zuhause so viel wie möglich aus guten Kinderbüchern vorlesen bekommen, egal in welcher Sprache. Das müssten eigentlich alle Eltern schaffen. Und das zweite ist: früh korrektes Deutsch lernen im Kindergarten, wo natürlich nur Deutsch gesprochen wird, mit idealerweise gut qualifizierten Erzieherinnen. Am Besten aber lernt es sich beim Spielen mit deutschen Freunden. Und wenn die dabei ein bisschen Türkisch lernen: Das schadet ihnen nicht. Im Gegenteil.

Sibylle Raudies

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Kommentare
02.02.2012
09:45
Schlechtes Deutsch daheim bringt wenig!
von for4her | #1

Schade, dass es solch ein Lichtblick von Kommentar weder in die Printausgabe von WAZ & Co. noch auf die Startseite von DerWesten schafft! Dort führen offensichtlich eher die eigenen Ressentiments oder die vorauseilende Anpassung an die (unterstellten) der Leser die Feder.

So etwa, wenn aus der Ergebnis der amtlichen Erhebung der in den Familien von Kita-Kindern *überwiegend* gesprochenen Sprache — dass diese in *knapp einem Viertel* der Fälle nicht Deutsch sei — die Schlagzeile produziert wird, dass *viele* zu Hause *kein* Deutsch sprächen.

Und so etwa, wenn die Hauptaussagen der überraschend guten Studie des Berlin-Instituts völlig entfallen (das ich im Zusammenhang mit der unsäglichen Publikation »Ungenutzte Potentiale« unwidersprochen als »Marketingfirma für Wissenschaftssimulation« bezeichnet habe, für das aktuelle Projekt aber offensichtlich mit den Wissenschaftlerinnen Kiziak und Kreuter nicht nur Qualität, sondern auch genügend Widerständigkeit gegen den Institutsleiter eingekauft hat). Für die diagnostizierte Misere, dass trotz allem Nach-PISA-Aktionismus im vergangenen Jahrzehnt die frühkindliche Sprachförderung kaum irgendwelche messbaren Fortschritte erzielt hat, machen die Autorinnen nämlich *nicht* die Familien verantwortlich! Sondern den Aktionismus, der sich nicht einmal die Zeit nimmt, die Wirksamkeit der eingesetzten Methoden überhaupt zu überprüfen. Und das Spardiktat, das verhindert, dass in den Kitas ausreichend viel in der Sprachentwicklung und Sprachförderung von Kleinkindern geschultes Personal tätig wird. "Es fehlt in den Kitas vor allem auch", schreiben die Autorinnen, "an Personal, das selbst einen Migrationshintergrund hat" (S. 13) und sich daher besser in Kinder und Eltern dieser Gruppe hineinversetzen und ihnen "im ganz wörtlichen Sinne Ansprechpartner sein" kann.

Klaus Marquardt

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