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Debatte

Sarrazin kein „Fremder im eigenen Land“

26.08.2010 | 19:04 Uhr
Sarrazin kein „Fremder im eigenen Land“
Thilo Sarrazin (SPD), Vorstandsmitglied der Bundesbank und ehemaliger Finanzsenator Berlins, hat ein neues Buch geschrieben: „Deutschland schafft sich ab“. Foto: ddp

Essen.In seinem Buch schreibt er, warum Deutschland sich „abschaffen“ würde, und was man dagegen tun soll.

Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab” hat bereits vor Erscheinen für hitzige Debatten gesorgt. Bundeskanzlerin Merkel reagierte empört auf seine „polemischen” Zuspitzungen, SPD-Parteichef Gabriel nannte seine Äußerungen „dämlich”. Noch heftiger als nach der umstrittenen Darmstädter Rede wird Sarrazin derzeit angegriffen – jener Rede, in der er gesagt haben soll, Deutschland werde dümmer, weil Intelligenz erblich sei und weil Zuwanderer nicht so gebildet seien. Erneut werden nun Schlagworte, Passagen bekannt – aber was steht wirklich im Buch?

Der warme Pullover als Heizkostenbremse und sein Preiswert-Speiseplan für Hartz IV-Empfänger haben Thilo Sarrazin heftige Kritik eingehandelt. „Es hat mich erschreckt, welche Flut von hasserfüllten Mails ich empfing, sobald ich ganz konkret vorführte, dass Eigenverantwortung und Selbstbestimmung möglich und vor allem notwendig sind“, schreibt Sarrazin in seinem heute erscheinenden Buch.

Der Geburtenrückgang, die Zuwanderung der Falschen und eine wachsende Unterschicht hätten ihn zum Schreiben des Buches veranlasst, so Sarrazin.

Fehlanzeige beim Aufstiegswillen

Da die Deutschen immer weniger, die hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund dafür aber umso mehr Kinder zur Welt bringen, fürchtet Sarrazin bald „Fremder im eigenen Land“ zu werden. Während sich Inder und Asiaten problemlos integrierten, sich um Jobs und Aufstieg bemühten, bildeten vor allem die muslimischen Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Türkei, den arabischen und afrikanischen Ländern den Kern des Integrationsproblems. „Wirtschaftlich brauchen wir die muslimische Migration in Europa nicht“, so Sarrazin. Denn diese belasteten durch hohe Arbeitslosigkeit und Sozialleistungen die Staatskasse.

Die Kriminalität sei in der Gruppe der muslimischen Jugendlichen besonders hoch. In Berlin würden 20 Prozent aller Gewalttaten von nur 1000 türkischen und arabischen jugendlichen Tätern begangen, eine Bevölkerungsgruppe, die nur 0,3 Promille der Berliner Bevölkerung stellten. Fehlanzeige hingegen beim Aufstiegswillen durch Bildung und Ausbildung.

Die Töchter brauchen nicht zu lernen

In den geschlossenen Ausländer-Siedlungen, wo man per Satellitenschüsseln rund um die Uhr Fernsehprogramme aus der Heimat empfangen könne, bestünde überhaupt keine Notwendigkeit, neben der Muttersprache sorgfältig Deutsch zu lernen. „Die Töchter brauchen nicht zu lernen, weil sie heiraten und Kinder bekommen sollen, und den Söhnen wird in autoritären Strukturen ein Männlichkeitsbild vorgegeben.“ Auch die vielgelobte Rolle der türkischen Selbstständigen im über Obst- und Gemüsehandel sei nur Ausdruck mangelhaften Bildungsaufstiegs. Eine schonungslose Debatte über diese unbequemen Wahrheiten wird nach Sarrazins Meinung von interessierter Seite, von „Islamforschern, Soziologen, einer Schar von naiven Politikern“, systematisch unterdrückt.

Auch die einheimischen Bezieher von Sozialleistungen bekommen bei Sarrazin ihr Fett weg. Die Armutsdiskussion sehe die Betroffenen als Opfer und spreche ihnen jegliche Eigenverantwortung ab. Materiell hätten es Hartz IV-Bezieher nicht nötig, sich an den bundesweit aus dem Boden sprießenden Tafeln mit Lebensmitteln einzudecken. „Hier wird Fehlverhalten bestätigt, anstatt seine Ursachen zu bekämpfen. Ungefestigte Menschen, die nicht planen, nicht mit Geld umgehen, nicht kochen können und denen es an Willensstärke fehlt, die brauchen Suppenküchen.“ Das dort eingesparte Geld werde fürs Rauchen, für Alkohol und Unterhaltungselektronik ausgegeben.

Kindergartenpflicht

Sarrazin klagt nicht nur provokativ an, sondern schreibt im Kapitel „Was tun?“, wie Deutschland noch zu retten sei. Demnach muss jeder arbeitsfähige Bezieher von Sozialleistungen gemeinnützige Arbeit leisten. Für Kinder ab dem dritten Lebensjahr besteht Kindergartenpflicht. Die sprachlichen Voraussetzungen für den Erwerb der Staatsbürgerschaft müssen verschärft werden. Die Zuwanderung mit Ausnahme hochqualifizierter Experten gehört generell beendet.

Der umstrittene Sozialdemokrat beansprucht für sich eine Werthaltung der bürgerlichen Mitte: „Eine in Deutschland verbreitete angebliche Liberalität in der Tradition der Achtundsechziger findet jede Art von Bevölkerungspolitik anrüchig und jedweden Zuzug erst einmal gut. Zudem gilt es als Ausdruck dumpfer Nationalgefühle, den deutschen Charakter Deutschlands bewahren zu wollen.”

Wilhelm Klümper

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Kommentare
26.08.2010
19:44
Sarrazin will kein „Fremder im eigenen Land“ sein
von Soisteswohlsomagswohlsein | #3

Den Vorschlägen im Kapitel Was tun kann ich nur zustimmen.
Das ist die einzig logische Konsequenz, wenn man die jahrzehntealte Ansicht des besten Bundeskanzlers unseres Landes, Helmut Schmidt, zugrunde legt.

Schade, dass die Kommentarfunktion immer so schnell gesperrt wird.

26.08.2010
19:43
Sarrazin will kein „Fremder im eigenen Land“ sein
von Pit01 | #2

Trotz seiner verbalen Entgleisungen muss man ( leider ) vieles in seinen Ausagen als richtig bestätigen. Wobei die Pullover-Geschichte ziemlich geschmacklos war.

26.08.2010
19:42
Sarrazin will kein „Fremder im eigenen Land“ sein
von OWL25 | #1

Bevor Frau Nahles und Herr Gabriel sich wieder äußern, hier ein Zitat: Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verscheigen und bemänteln, was ist.
Ferdinand Lassalle , Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie.

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