Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Nachrichten

Romney wagt sich auf das Feld der Außenpolitik

26.07.2012 | 21:39 Uhr
Foto: /AP/Charles Dharapak

Der eigentliche Startschuss für Mitt Romneys Abstecher ins Terrain der Außenpolitik fiel im beschaulichen Reno. Am Vorabend seiner Reise nach Großbritannien, Israel und Polen trat der voraussichtliche republikanische Präsidentschaftskandidat in der Stadt im US-Staat Nevada vor den Nationalverband der Kriegsveteranen (VFW).

London (dapd). Der eigentliche Startschuss für Mitt Romneys Abstecher ins Terrain der Außenpolitik fiel im beschaulichen Reno. Am Vorabend seiner Reise nach Großbritannien, Israel und Polen trat der voraussichtliche republikanische Präsidentschaftskandidat in der Stadt im US-Staat Nevada vor den Nationalverband der Kriegsveteranen (VFW). Die Mission war klar: Romney wollte nun in einem Feld wildern, das bislang als das Revier von Barack Obama gilt - der Außenpolitik. Und der wahrscheinliche Herausforderer fuhr schwere Geschütze gegen den Amtsinhaber auf.

"Wenn Ihr nicht wollt, dass Amerika die stärkste Nation der Welt ist, bin ich nicht Euer Präsident. Diesen Präsidenten habt ihr im Moment", erklärte Romney in seiner Ansprache. Das schien bei den Veteranen gut anzukommen. Der Präsident habe "Gefallen daran, der israelischen Führung Vorträge zu halten", kritisierte Romney weiter. Obamas Regierung gehöre zum "Chor aus Anschuldigungen, Drohungen und Beleidigungen (gegen Israel) und die Vereinten Nationen."

Daraufhin kam er bald auf Afghanistan zu sprechen. Obamas Plan eines amerikanischen Truppenabzugs bis Ende 2014 sei "ein politisch getimter Rückzug", sagte Romney. Dann ging es nach Russland: Obamas Beschwichtigungspolitik im Umgang mit Moskau sei "mit einer plötzlichen Preisgabe unserer Freunde in Polen und der Tschechischen Republik einhergegangen." Seine feurige Rede schloss Romney mit dem Versprechen, "zu jedem nötigen Mittel" greifen zu wollen, um den Iran von der Entwicklung einer Atombombe abzuhalten.

In einem engen Wahlkampfrennen, das sich bislang fast gänzlich auf die lahmende Wirtschaft konzentriert, will sich Romney nun vor internationaler Kulisse als Staatsmann empfehlen. Denn bislang hat der frühere Unternehmer und Gouverneur von Massachusetts wenig Erfahrung mit Auftritten in Übersee. Und genau diesen Umstand haben Obama und seine Helfer als Romneys Achillesferse ausgemacht: Drei Monate vor der Wahl im November werden die Bemühungen der demokratischen Wahlkampfstrategen verstärkt, den Republikaner im Bereich der nationalen Sicherheit als Leichtgewicht darzustellen. Umso deutlicher sollen im Umkehrschluss dann Obamas Erfolge wie die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden herausgekehrt werden.

Tatsächlich sprechen schon die Umfragen eine deutliche Sprache: In einer Erhebung des Senders NBC und des "Wall Street Journals" von dieser Woche billigten 45 Prozent der Befragten Amtsinhaber Obama eine größere Kompetenz in der Außenpolitik zu - und nur 35 Prozent Romney. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation versprechen sich dagegen 43 Prozent von Romney, während Obama lediglich bei 36 Prozent in diesem Punkt Rückhalt genießt.

Romney will nun auch auf dem außenpolitischen Parkett eine gute Figur abgeben. Dass sich der mutmaßliche Kandidat der Republikaner indes bei seinen Treffern mit internationalen Spitzenpolitikern bei bestimmten Themen noch stärker von Obama absetzen wird, erwarten Beobachter jedoch nicht. Bislang setzten Romneys außenpolitische Breitseiten vor allem darauf, Obama als zaudernden Präsidenten darzustellen, der dem zunehmenden Verfall der amerikanischen Vorreiterrolle in der Welt tatenlos zugesehen habe.

Das stieß Vizepräsident Joe Biden sauer auf. Der republikanische Kandidat kritisiere "reflexhaft die Politik des Präsidenten, ohne Alternativen anzubieten", sagte er nach Romneys Rede vor den Veteranen. "Und wenn er sich dann doch an eine Position heranwagt, kann man darauf wetten, dass er vorher schon einmal genau die Gegenposition vertreten hat, dann wahrscheinlich wieder seine Meinung ändert und jenseits des Mainstreams landet."

Für Romneys Berater ist dessen Besuch in Großbritannien hingegen eine Chance für den Kandidaten, Verbindungen zu engen US-Verbündeten zu knüpfen - und zu zeigen, dass er für gemeinsame Werte einsteht. Und dafür bot sich eine Reise nach Großbritannien sehr gut an. In London beschwor Romney die traditionell engen Bande zwischen dem Land und seiner Heimat. "Wir haben eine ganz besondere Beziehung", sagte er dem Fernsehsender NBC News. Am Donnerstag traf Romney dann mit dem früheren Premierminister Tony Blair zusammen. Die beiden tauschten Nettigkeiten aus und unterhielten sich über die anstehenden Olympischen Spiele. Auf dem Programm stand auch ein Treffen mit dem amtierenden Premierminister David Cameron, am Freitag will Romney dann an der Eröffnungsfeier der Spiele teilnehmen.

Tatsächlich dürfte der Kandidat laut seinen Beratern allzu offensichtliche Angriffe auf Obama während der Reise vermeiden. Romneys Sprecherin Andrea Saul brachte es auf den Punkt: "Die Kontraste bleiben hier in den Vereinigten Staaten."

© 2012 AP. All rights reserved

dapd

Facebook
Kommentare
Aus dem Ressort
AfD-Kundgebung geht in Bottrop in lautem Pfeifen unter
Europawahl
Spitzenkandidat Prof. Bernd Lucke hielt eine Rede bei der Europawahl-Kundgebung der Alternative für Deutschland in Bottrop. Doch seine Rede auf dem Kirchplatz an der Cyriakuskirche ging im lauten Pfeifen von Gegendemonstranten unter. Der AfD wird vorgeworfen, rechtspopulistische Argumente...
Verfolgte Homosexuelle können Recht auf Asyl haben
Asylpolitik
Schwule und Lesben können auf Asyl in EU-Ländern hoffen - vorausgesetzt, ihnen drohen in ihrem Heimatland schwere Strafen. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Es ging um drei homosexuelle Männer aus afrikanischen Ländern, in denen auf Homosexualität mit Gefängnis bestraft wird.
Polizei findet Brandsätze bei Razzia gegen Linksextremisten
Kriminalität
Bei einer Razzia gegen Linksextremisten hat die Berliner Polizei in einem linksalternativen Wohnprojekt Brandsätze, Pyrotechnik und Stacheldraht gefunden. Erst im Juni hatten etwa 40 Vermummte in Kreuzberg Polizisten attackiert, zuvor hatten Unbekannte Fassaden von Jobcentern beschädigt.
Zu viele Protestanten - Orte müssen auf Feiertag verzichten
Mariä Himmelfahrt
Der 15. August 2014 wird in drei bayrischen Gemeinden ein Tag wie jeder andere sein: Denn Mariä Himmelfahrt ist dann dort kein gesetzlicher Feiertag mehr. Grund: Der letzte Zensus hat ergeben, dass in den Kommunen inzwischen mehr Protestanten als Katholiken leben.
Kritik an Mollath-Reklame von Sixt alarmiert den Werberat
Mollath-Werbung
Die Werbeanzeige des Autovermieters Sixt mit Gustl Mollath als Werbefigur hat für Wirbel gesorgt: Die Reklame war mit dem Nürnberger, der erst kürzlich aus der Psychiatrie entlassen worden war, nicht abgestimmt worden. Mollaths Anwalt kündigte rechtliche Schritte gegen Sixt an.